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Kampfkraft - Volkssturm

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AutorBeitrag

ZensiertWeilZuBloed


29.10.04 12:10:29
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Hi,

Inwieweit verzögerte der Volkssturm die Niederlage Deutschlands?

In Breslau z.B hielten die Volkssturmmänner sehr lange durch.

Hat der Volkssturm die Wehrmacht und Waffen SS in einigen Schlachten spürbar entlastet oder waren die Volkssturmleute nur Kanonefutter?

Noch eine Frage: Waren Volksgrenadier Divisionen Volkssturm Divisionen? Wieviele dieser Divisionen gab es und was für eine Mannstärke bzw. Sollstärke hatte eine dieser Divisionen?

waldi44


29.10.04 12:47:08
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Das habe ich mal per "Copy and Paste" hier reingkopiert. Diese Diffinition finde ich ok und warum soll ich mir mit dem Schreiben einen "abbrechen", wenn es doch schon geschrieben steht!
Aber NUR den Link zu posten finde ich zu langweilig!
Bevor jetzt jemand "AHA! ruft: Ich gebe es zu und der Link wurde auch gesetzt!

Der Volkssturm wurde von der nationalsozialistischen Regierung durch einen Führererlass vom 25. September 1944 einberufen, um die regulären Truppen der deutschen Wehrmacht zu verstärken. So sollten alle bislang noch nicht kämpfenden waffenfähigen Männer zwischen 16 bis 60 Jahre eingezogen werden, um den Kernbereich des Deutschen Reiches zu verteidigen und so den deutschen "Endsieg" herbeizuführen. In den Plänen der nationalsozialistischen Regierung unter Adolf Hitler war eine Rekrutierung von sechs Millionen Männern angestrebt.

Die organisatorische und politische Verantwortung hatte der Chef der Parteikanzlei der NSDAP, Martin Bormann, inne. Den militärischen Oberbefehl über den Volkssturm hatte jedoch Heinrich Himmler. Die Wehrmacht, in deren Zuständigkeit traditionell die Aufstellung eines solchen Landsturms fiel, wurde dabei ausgeschaltet. Der in Bataillone aufgeteilte Volkssturm wurde lokal auf Gauebene durch die NS-Gauleiter aufgebaut, begleitet von umfangreichen Propagandaaktivitäten. Als äußeres Kennzeichen trugen die Eingezogenen eine Armbinde mit dem Aufdruck "Deutscher Volkssturm". Das Aufgabengebiet des Volkssturmes umfasste in erster Linie Bau- und Schanzarbeiten, Sicherungsaufgaben und die Verteidigung von Ortschaften, zumeist in unmittelbarer Heimatgegend.

Auf Adolf Hitler vereidigt und von der nationalsozialistischen Propaganda als entscheidende Reserve gegen die vorrückenden Alliierten aufgewertet, zogen die zumeist jugendlichen Hitlerjungen und alten Männer notdürftig bewaffnet und schlecht ausgebildet in einen ungleichen Kampf gegen einen überlegenen Gegner. Die Funktion ihrer Karabiner, Panzerfäuste und Maschinengewehre mussten sie zumeist erst in Schnellkursen erlernen. Der militärische Wert der schlecht ausgerüsteten "Volkssturm"-Verbände war aus diesem Grunde eher gering. Bei Feindberührung lösten sich einige Einheiten sogar auf oder ergaben sich diesem.

Dennoch zeigte die jahrelange Greuelpropaganda gegen den sowjetischen Gegner im Osten bei einigen Volksturmverbänden Wirkung. So verteidigten 15.000 Angehörige des Volkssturms mit Soldaten der Wehrmacht in panischer Angst monatelang das belagerte Breslau bis in den Mai 1945 hinein.

Ein Einsatz des Volkssturms außerhalb der 1944 bestehenden Reichsgrenzen wurde von Hitler kategorisch abgelehnt. Selbst angesichts der kritischen Lage in Ungarn verweigerte er seine Zustimmung zur Verlegung von 30 in Ost-Österreich vorhandenen Volkssturm-Bataillonen in den Raum Preßburg-Varastin, um dort Sicherungsaufgaben und Schanzarbeiten durchzuführen.


Insgesamt hatte der Volkssturm hohe Verluste bei minimaler militärischer Wirkung zu verzeichnen. Exakte Opferzahlen sind unbekannt, jedoch wird angenommen, dass von den 175.000 als vermisst gemeldeten Volkssturmangehörigen die meisten gefallen sind.
Insgesamt wurden im Volksturm etwa sechs Millionen erfaßt, die erste Einteilung in die Aufgebote ergab:
1. Aufgebot: 1,2 Millionen
2. Aufgebot: 2,8 Millionen
3. Aufgebot: 0,6 Millionen
4. Aufgebot: 1,4 Millionen



Der Volkssturm

Hier kann man weiter lesen:
Lexikon der Wehrmacht

Übrigens kamen sich Wehrmacht und Gauleitung zB in Breslau manchmal gegenseitig in die Quere und tatsächlich entzogen die Parteigenossen in ihrer "Verteidigungswut" der Wehrmacht wichtige Versorgungsgüter. Ebenso wie die SS legte man sich private Waffen- und Vorratslager an und propagierte den Widerstand bis zum letzten Mann!
Schlussendlich kam es "bestenfalls" zum Kampf bis zum "Vorletzten Mann", denn der Letzte(Kreis- Gauleiter) zog es vor sich rechtzeitig zu verdrücken!
Das war in Schlesien nicht anders als in Ostpreussen oder sonstwo im Osten!
In Breslau spielte der dortige Gauleiter eine besonders zwielichtige Rolle, aber das ist ein anderes Kapitel!

-Bei einem in der Nähe von Köln eingesetzten Volkssturmbataillon wurde 1945 folgende Bewaffnung festgestellt:
1.Kompanie: 8 italienische Gewehre für 80 Mann
2.Kompanie: Belgische Gewehre ohne Munition, Revolver und Pistolen vom Ende des 19. Jahrhunderts
3.Kompanie: Dänische Gewehre mit 6 bis 9 Schuß pro Waffe
4.Kompanie: Französische Karabiner des Modells 1886 und italienische Gewehre ohne Munition
Eine der wenigen wirklich gut bewaffneten Volkssturmeinheiten waren nur die zur Verteidigung der Rominter Heide, des Jagdreviers von Göring, eingesetzten Volkssturmmänner. Hier hatte Göring höchst selbst für die Bewaffnung gesorgt, indem er die Waffen den Beständen der Luftwaffe entzogen hatte.
Im März/April 1945 kam es mehrfach vor, daß sich Wehrmachts-Einheiten, RAD, Organisation Todt und Volkssturm gegenseitig die Waffen wegnahmen, weil eine Organisation von der andere behauptete, diese ''wäre nicht mehr wert, Waffen zu führen''.

Volkssturmverbände oberhalb der Bataillonsebene gab es nicht, im Brigade- oder Divisionsrahmen wurde der Volkssturm immer zusammen mit anderen Wehrmacht- oder Waffen-SS-Verbänden eingesetzt. Am häufigsten dürfte die Verwendung unter der Führung örtlicher Kampfkommandanten der Wehrmacht gewesen sein, in wenigen Fällen kämpften Volkssturm-Einheiten auch tatsächlich unter Führung der Gau- bzw. Kreisleiter,[xxix] soweit sich diese nicht rechtzeitig abgesetzt hatten.
Auch die „Volksgrenadier-Divisionen“ oder „Volks-Artillerie-Korps“ hatten trotz ihres Namens allenfalls wenige taktisch unterstellte Volkssturm-Einheiten in ihren Reihen, bestanden keinesfalls gliederungsmäßig aus Volkssturmverbänden. Selbst die 78. „Volks- Sturmdivision“ leitete ihre Bezeichnung von der ehemaligen 78. Sturmdivision und nicht etwa vom „Volkssturm“ her.
Lediglich die 1945 aufgestellten Divisionsstäbe z..b.V. 601- 612, 615, 616, 619 waren von vornherein für die Führung von Alarmeinheiten und Volkssturm vorgesehen. Dabei war jedoch nie an eine feste gliederungsmäßige Unterstellung von Volkssturmverbänden gedacht, diese Divisionsstäbe sollten vielmehr kurzzeitig die jeweils örtlich vorhandenen Volkssturmkräfte sowie die aus Ersatzeinheiten usw. aufgestellten Alarmtruppen führen. [xxx]





[ Editiert von Administrator waldi44 am 29.10.2004 13:11 ]

ZensiertWeilZuBloed


29.10.04 12:59:10
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Euren Kopf habt ihr nicht nur zum tragen einer Mütze Smiley mit Hammer auf dem Kopf

Macht euch selbst Gedanken! nackter Hintern

waldi44


29.10.04 13:03:14
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Als Kopfbedeckung trugen die meisten Volkssturmleute, was sie gerade zur Hand, äh auf den Kopf hatten:totlach:!

Die Volkssturmangehörigen hatten Bekleidung und persönliche Ausrüstung selbst zu stellen.[xi] Dabei konnten alle Arten von Uniformen aufgetragen werden. Natürlich war es nach 5 Kriegsjahren und dem allgemeinen Versorgungsmängeln für den einzelnen Volkssturmmann selbst bei guten Willen kaum mehr möglich, sich eine brauchbare Ausrüstung zusammenzustellen. Vor allem geeignete Winterbekleidung und festes Schuhwerk war nicht mehr zu bekommen, statt Feldflaschen wurden häufig private Thermosflaschen verwendet. Anfang 1945 hatte zeitweise nur jeder 10. der eingesetzten Volkssturmmänner einen Mantel, statt Stiefel mußten teilweise Halbschuhe getragen werden. Folge der unzureichenden Bekleidung war ein starkes Ansteigen schwerer Erkältungskrankheiten gerade bei den älteren Volkssturmjahrgängen.
Stahlhelme waren fast gar nicht vorhanden, selbst Erkennungsmarken konnten nur selten ausgegeben werden, da es keine Zinkblech mehr gab – seit Oktober 1944 bekam selbst das Heer nur noch für einen Teil seiner Soldaten die erforderlichen Erkennungsmarken.

steffen04


1.11.04 07:17:24
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Gepostet von ZensiertWeilZuBloed
Hi,

Inwieweit verzögerte der Volkssturm die Niederlage Deutschlands?

In Breslau z.B hielten die Volkssturmmänner sehr lange durch.

Hat der Volkssturm die Wehrmacht und Waffen SS in einigen Schlachten spürbar entlastet oder waren die Volkssturmleute nur Kanonefutter?


Im Südwesten war die Motivation geringer als in Breslau. Ein Auszug aus dem Stadtarchiv Münsingen:" ...am 22. April wurde der Volkssturm alarmiert und im Alten Lager zusammengezogen. Die Stimmung bei den Volkssturmleuten war schlecht, ....Am Abend des 22. April durften die Volkssturmleute noch einmal nach Hause. Viele von ihnen erschienen am nächsten Tag gar nicht mehr zum Dienst. Im Laufe des 23. April löste sich der Volkssturm ganz auf, die Kommandierenden ergriffen die Flucht nach dem Allgäu."

Es wurden auch Volkssturmleute aus Nachbargemeinden nach Münsingen verlegt. Grund: "Es schien sich bei der militärischen wie bei der Parteiführung herumgesprochen zu haben, daß die Menschen in aller Regel wenig motiviert waren, zur Zerstörung des eigenen Orts durch bewaffneten Widerstand beizutragen."

Die HJ war motivierter und hätte gern den Albtrauf verteidigt (versteh ich gut, man sitzt oben, hat ne schöne Aussicht und der Angreifer muß fast senkrecht nach oben stürmen). Allerdings setzten sich ihre Wehrmachtsausbilder ("Zitat: Für die Hitlerjugend sterbe ich nicht mehr!") ab, die Bevölkerung schickte sie fort (kann mir gut die Reaktion der Albbauern vorstellen, falls so ein Trupp bewaffneter Konfirmanden versuchte, auf seinem Acker Panzersperren zu bauen.) und die Wehrmacht schnitt dann nach mehreren Tagen in Stellung den ausgepowerten (es ist hier Ende April nachts noch scheisskalt) Kindern "... die Hosen ab, um ihnen ein ziviles Aussehen zu geben und schickte sie nach Hause".


Volkssturm und HJ wurden 1944 noch zu Arbeiten am Westwall herangezogen, ebenfalls 1945 zur Befestigung der Albaufstiegsstrassen mit Baumstämmen.
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