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"Komissarbefehl"

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AutorBeitrag

Warg


18.12.04 19:20:49
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Wer kann mir weiterhelfen?

Warum gab es speziell für den Russlandfeldzug den "Komissarbefehl"? Und warum galt bei der Beurteilung der Frage, ob schuldig oder nicht schuldig, grundsätzlich der persönliche Eindruck von der Gesinnung und Haltung des Kommissars höher, als der vielleicht nicht zu beweisende Tatbestand?

Warg


18.12.04 20:44:06
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Hab da noch was gefunden.

Hitler erklärte in einem Gespräch mit dem Chef des Wehrmachtsführungsstabes Alfred Jodl: „Dieser kommende Feldzug ist mehr als nur ein Kampf der Waffen; er führt zur Auseinandersetzung zweier Weltanschauungen", und er sei mit unerbittlicher Härte zu führen.

http://www.dsg.ch/19401943.htm

T34


19.12.04 01:45:54
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Gepostet von Warg
Warum gab es speziell für den Russlandfeldzug den "Komissarbefehl"?
***Erstens, Hitler verstand den Feldzug als Krieg gegen den Bolschewismus. Zweitens, fuer erfolreichen Blitzkrieg braucht man immer schnellste Demoralisierung des Gegners und Schutz eigener Soldaten vom gegnerischen ideologischen Eifluss.

Und warum galt bei der Beurteilung der Frage, ob schuldig oder nicht schuldig, grundsätzlich der persönliche Eindruck von der Gesinnung und Haltung des Kommissars höher,
***Bolschewismus hatte man als Religion der Juden verstanden

als der vielleicht nicht zu beweisende Tatbestand?
***??? was wird gemeint? Komissar (spaeter Politruk) im Jahre 1941 - im Gegenteil zur Zeit des Buergerkrieges - war ein ausgebildeter Militaer im Offizierrang.

[ Editiert von T34 am 19.12.04 1:48 ]

Warg


20.12.04 08:29:15
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jo thx

Westwall


1.1.05 13:11:28
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Es ist vielleicht in diesem Zusammenhang noch zu erwähnen dass der Kommissarbefehl an vielen Stellen einfach ignoriert wurde.
Ja eigentlich gar nicht exsistierte, in den Papieren und Dokumente der 6.Panzer-Division zum Beispiel taucht das Wort Kommissarbefehl in 4 Kriegsjahren im Osten noch nicht einmal auf.
In anderen Dienststellen wiederum wurde der Befehl striktgemäß weiter gegeben und auf die Ausführung gehofft, von Generalfeldmarschall von Reichenau sogar in verschärfter Form.
Letztendlich lag es aber an den Kommandeuren vor Ort diese Anordnung auszuführen oder nicht, offiziell war es von Hitler nur eine Richtlinie für die Behandlung politischer Kommissare die von Keitel in Form eines Befehls weiter gegeben wurde, wobei aber bei einem außer Kraft setzen des „Befehls“ mit keiner Strafe zurechnen war.

AndyW


3.1.05 23:05:32
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Gepostet von Westwall
Letztendlich lag es aber an den Kommandeuren vor Ort diese Anordnung auszuführen oder nicht, offiziell war es von Hitler nur eine Richtlinie für die Behandlung politischer Kommissare die von Keitel in Form eines Befehls weiter gegeben wurde, wobei aber bei einem außer Kraft setzen des „Befehls“ mit keiner Strafe zurechnen war.


Echt?

Ich bestreite ja nicht, dass der "KB" in Form der "stillen Opposition" nicht überall ausgeführt wurde, aber mir ist nicht bekannt, das der untergeordnete Kommandeur den Befehl schlichtweg "offiziell" ausser Kraft setzten durfte, so nach dem Motto: "Lieber Herr GFM Keitel, danke für ihren Befehl, aber machen wir nicht..."

Gibt's da Beispiele?

Cheers,

Westwall


4.1.05 01:49:14
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Es gibt reichlich Beispiele, eines ( 6.PD ) habe ich ja schon genannt.

Westwall


4.1.05 01:52:37
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Vielleicht war aber auch meine Erläuterung falsch „den Befehl außer Kraft setzen“,natürlich konnte ein Frontkommandeur diesen Befehl nicht außer Kraft setzen, aber einige haben ihn einfach nicht ausgeführt.

waldi44


4.1.05 12:02:39
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AndyW


4.1.05 20:32:20
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Die Forschung kennt – wie ich ja schon erwähnt habe – tatsächlich einige Beispiele von Einheiten, bei denen der KB bis zu seiner Aussetzung 1942 nicht durchgeführt wurde, bzw. keine Durchführung in den überlieferten Aktenbeständen zu finden ist.

Hingegen ist die Aussage, der KB wäre weitgehend nicht ausgeführt worden, durch die Forschung seit vielen Jahren wiederlegt und entstammt überwiegend den apologetisch geschönten Nachkriegsaussagen höherer deutscher Offiziere. So konnten z.B. die in den jeweiligen Erinnerungen MANSTEINS und GUDERIANS („Verlorene Siege“; "Erinnerungen eines Soldaten") aufgestellten Behauptungen, der KB wäre in ihrem jeweiligen Befehlsbereich nicht ausgeführt worden, nicht der wissenschaftlichen Überprüfung standhalten. Auch die nach dem Ende des Krieges vor allierten Vernehmungsoffizieren an Eides statt gegebenen Versicherungen höherer dt. Offiziere, man hätte den KB nicht umgesetzt, stellten sich oftmals als (verständliche) Schutzbehauptung heraus.

Die derzeitige Forschung, die auf Dokumentenstudium und nicht auf den nicht verifizierbaren (Schutz)-Aussagen der Handelnden basiert, kommt zu dem Schluss, das der KB weitestgehend befolgt wurde. Zahlreiche Studien unterstützen diese Aussage, als Beispiel sei vor allem genannt:

Horst ROHDE: „Politische Indoktrination in höheren Stäben und der Truppe - untersucht am Beispiele des Kommissarbefehls“ in: Hans POEPPEL, Wilhelm-Karl Prinz von PREUSSEN, Karl-Günther v. HASE (Hg.):“Die Soldaten der Wehrmacht“, (1998)

Jürgen FÖRSTER: „Die Sicherung des 'Lebensraumes'“, in: „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 4: Der Angriff auf die Sowjetunion“ (1983)

Hans Adolf JACOBSEN: „Kommissarbefehl und Massenexekutionen sowjetischer Kriegsgefangener“ in: Martin BROSZAT / Hans-Adolf JACOBSEN / Helmut KRAUSNICK: „Anatomie des SS-Staates“, (Neuauflage 1994)

Christian GERLACH: „Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941-1944“, (1999)

Helmut KRAUSNICK: „Hitlers Einsatzgruppen. Die Truppe des Weltanschauungskrieges 1938 – 1942“ (1985)

Christian STREIT: "Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941 - 1945", Neuauflage 1991.

Alfred STREIM: „Die Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener im ‚Fall Barbarossa’. Eine Dokumentation“, (1981)


POST hingegen ignoriert bzw. relativiert den derzeitigen Forschungsstand betreffend der nachgewiesenen Durchführung des KB und kommt zu einem anderen Ergebnis:

Walter POST: „Die Erschießung sowjetischer Kommissare“ in: Franz W. SEIDLER / Alfred M. de ZAYAS (Hrsg.): „Kriegsverbrechen in Europa und im Nahen Osten im 20. Jahrhundert“ (2002)

Cheers,

[ Editiert von AndyW am 04.01.05 20:34 ]

waldi44


10.1.05 20:42:55
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Möglich aber auch, dass manche, ähnlich wie nach einem schweren Unfall, eine andere Erinnerung an das Geschehene hatten!
Im umgekehrten Fall, den Fall eines Sieges, hätte man sich womöglich mit der gezeigten Härte und Rücksichtslosigkeit gegen die Kommissare gebrüstet, so aber....
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