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Die Armee Wenck

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AutorBeitrag

waldi44


13.2.05 20:48:36
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Befehlsgemäß traten die Divisionen der Armee Wenck, zumeist aus 16- oder 17-jährigen "Soldaten" zusammengewürfelt, in der letzten Aprilwoche zum letzten deutschen Großangriff des Zweiten Weltkriegs an. Bis in den Raum Potsdam stieß die Armee vor, dann entschied General Wenck, die Jugendlichen nicht in der Schlacht um Berlin zu opfern.

Bei Beelitz warteten seine Truppen auf den Durchbruch der Überlebenden der Kesselschlacht von Halbe. Nur wenige tausend Mann(20.000 von rd. 200.000) kamen durch...
Gemeinsam mit den Resten der 9. Armee setzte sich die Armee Wenck in Richtung Elbe ab. Hitlers letzte Befehle aus dem Bunker, den Belagerungsring zu durchbrechen und Berlin zu entsetzen, wurden von Wenck ignoriert, lieber handelte er mit den Amerikanern eine Übergabe aus. 118.000 zumeist sehr junge Soldaten entgingen so in letzter Minute dem Marsch in Stalins Gulag oder dem Tod auf dem Schlachtfeld.

Als die Wenck mit den Amerikanern über die Kapitulation verhandelte, zeigten die sich nicht sehr begeistert. Gefangene hatten sie selbst genug und es drohte ärger mit den Russen.
Dennoch liess man die über 100.000 Mann unter russischem Beschuss über die Elbe! Tausende Zivilisten, darunter viele Frauen in Militärkleidung folgten ihnen. Viele davon wurden später wieder zurück geschickt....

Nun eine Frage dazu: War es Verrat? Befehlsverweigerung oder wie würdet ihr das nennen? Wann wäre dieses Verhalten Verrat gewesen und hätte es die Armee Weck eventuell doch schaffen können den Belagerungsring zu durchbrechen? Wenn ja, was dann??

Mandalay


13.2.05 21:26:27
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An den Vorschriften gemessen war es Befehlsverweigerung, aber moralisch die einzig richtige Entscheidung. Der Krieg war verloren, Berlin würde so oder so fallen! In dieser Situation noch Soldaten in den sicheren Tod zu schicken war nicht mehr zu verantworten. Und ein Befehlshaber hat auch eine Verpflichung seinen Soldaten gegenüber. So eine Entscheidung zu treffen spricht auch für persönlichen Mut, es war ja immer noch möglich deswegen vors Erschießungskommando gestellt zu werden. Wenck hat richtig gehandelt.

waldi44


13.2.05 21:28:20
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Und VOR welchem Zeitpunkt wäre es noch Verrat gewesen?

Mandalay


13.2.05 21:54:47
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Wenn man Befehlsverweigerung als Verrat ansieht, hat er selbst in dieser Situation Verrat begangen. Aber wie gesagt, zu dieser Zeit war es die einzig richtige Entscheidung, Verrat/Befehlsverweigerung hin oder her.

Guderian


13.2.05 22:31:50
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Aus der Sicht Hitlers und seiner treuen Generale war es sicherlich Verrat, aber meiner Meinung nach hat Wenck das einzigst richtige getan.
Für mich ist er daher schon eine Art Held.

Ich finde es ärgerlich das sich kaum einer für diese Ereignisse zu ineressieren scheint.
Einen Film oder wenigstens eine Doku darüber habe ich noch nie gesehen.

P.S.:
Zu diesem Thema würde ich euch das Buch "Berlin 1945: Das Ende" von Anthony Beevor empfehlen. Dort wird alles sehr Detailgenau beschrieben.

[ Editiert von Guderian am 13.02.05 22:32 ]

waldi44


13.2.05 23:05:50
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Aber nicht nur Wenck verweigerte gegen Kriegsende seinem obersten Kriegsherren seinen Gehorsam!

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14.2.05 11:45:52
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Also bitte, für mich weder Befehlsverweigerung noch Verrat !
Fakt ist das Wenck für eine Armee wenig bis überhaupt nicht motorisiert war.
Den Überraschungsmoment nutzend, war er aber schon vor der Einnahme Beelitz-Heilstätten (und Befreiung tausender Verwundeter)taktisch in der Defensive, weil wenig beweglich!
Die Umgruppierungen der schnellen sowj. Kräfte einschließlich der Panzerkräfte, hätten jeden Schlag auf Berlin vereitelt, da sie immer schneller an den Brennpunkten gewesen wären, als sich die Keile bewegten.
Das war Wenck spätestens am Autobahndreieck Potsdam klar, die Flanken waren da schon reichlich überdehnt!
Als Beispiel, die noch gut geordneten und ausgerüsteten Verbände der Kampfgruppe(Div.) Kurmark (GD)hat etwa 10 Tage vorher noch nicht mal geschafft, die überdehnten Linien der Russen bei Pätz (Königswusterhausen)zu durchstoßen. So weit zum Kräfteverhältnis.
Es war klar das er nicht mehr zur Stadtgrenze, geschweige nach Berlin hineingekommen wäre, es ging einfach nicht, also kein Verrat, noch Befehlsverweigerung!
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Mandalay


14.2.05 13:26:51
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Trotzdem ist es Befehlsverweigerung. Wenck hatte vom Oberbefehlshaber der Wehrmacht den Befehl mit seiner Armee auf Berlin vorzurücken und die Stadt zu entsetzen. Diesen Befehl hat er nicht befolgt. Das erfüllte den Tatbestand der Befehlsverweigerung.

Ich persönlich sehe Befehlsverweigerung nicht zwangsläufig als Verrat, wie aus meinem vorherigen Beitrag zu ersehen ist.

Auch vertrete ich die Meinung, dass Wenck in Anbetracht der Situation, die einzig richtige Entscheidung getroffen hat!

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14.2.05 13:42:45
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Natürlich befolgte er den Befehl, solange es ging !
Es ging einfach nicht mehr, es wäre vielleicht noch bis nach Potsdam gegangen, dann wäre er aber seiner einzigen gepanzerten Spitze verlustig gegangen.
Wenn also Befehle ausgeführt worden wären,die einfach nicht mehr gingen, hätte es tausende Befehlsverweigerungen gegeben!
Also nochmals sie lagen am Autobahndreieck Potsdam im Dreck ,ohne noch den Kopf heben zu können.
Eine Umgruppierung hätte vielleicht noch den Stoß in Höhe Potsdam geschafft, aber definitiv nicht mehr weiter, da die Russen schon flankiert angriffen.Wer sich das durch den Kopf gehen lassen will, soll sich mal eine Karte zu Gemüte führen, da kann er dann sehen wie weit es eigentlich noch war....
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Hoth


14.2.05 14:37:15
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Unrealistische oder praktisch nichterfüllbare Befehle nicht auszuführen mag vielleicht im krassesten Sinne des Wortes durchaus Befehlsverweigerung sein, aber Verrat war Wencks Verhalten meiner Meinung nach nicht.

Leutnant


14.2.05 17:25:34
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Wo kein Kläger, da kein Täter!

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14.2.05 17:36:45
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Nachtrag: es war nicht die PzG Div. Kurmark die bei Pätz /Königswusterhausen am 24.4.45 angriff,sondern die 21. PzD verstärkt von wenigen Sturmgeschützen, die Kurmark abstellte.
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Spetz Instruktor


14.2.05 21:42:22
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Gepostet von Mandalay
Trotzdem ist es Befehlsverweigerung. Wenck hatte vom Oberbefehlshaber der Wehrmacht den Befehl mit seiner Armee auf Berlin vorzurücken und die Stadt zu entsetzen. Diesen Befehl hat er nicht befolgt. Das erfüllte den Tatbestand der Befehlsverweigerung.

Ich persönlich sehe Befehlsverweigerung nicht zwangsläufig als Verrat, wie aus meinem vorherigen Beitrag zu ersehen ist.

Auch vertrete ich die Meinung, dass Wenck in Anbetracht der Situation, die einzig richtige Entscheidung getroffen hat!


He Ihr !

Verstehe ich es falsch ( möglich , Deutsch ist schwierig )

Jedoch " Befehlverweigerung " bedeutet einen Befehl nicht zu akzeptieren udn nichts zutun , diesen überhaupt erfüllen zu wollen

" Nichterfüllung " von Befehlen kann jedoch zutreffender sein .... einfach weil man antrat , aber an einer Stelle dann einfach nicht die Kraft und mittel hatte den Befehl zu erfüllen

letztlich sind unendlich viele Befehle an den Umständen .... von Versorgungsschwierigkeiten über Personalmangel , unterschätzte Stärke des Gegners bis hin zu Wetter - Bedingungen nicht " Erfüllt " worden .......
undzwar auf beiden Seiten

Was jedoch nicht bedeutet , daß das alles Befehlsverweigerungen wahren

................................
und letztlich bleibt auch - nach gewissenhafter Prüfung aller Umstände und Facktoren - dem Kommandeur nicht erspart abzuwägen ........ seine Einmheiten / Soldaten zur Erfüllung eines undurchführbaren Befehles zu " verheizen "
( was moralisch einem Verbrechen gleichkommt )

oder einen undurchführbaren Befehl nicht auszuführen ...... wobei er da sich sehr aus dem Fenster lehnt , kann das doch sehr schnell als Befehlverweigerung asgelgt werden .

Man kann trefflich drüber streiten ..... was erfodert mehr Mut ? bis zum bitteren Ende alle Befehle auszuführen ala Paulus in Stalingrad ... undseine Armee draufgehen zu sehen

oder irgendwann zu sagen , stop bis hierher ... weiter währe es ein Verbrechen an den mir anvertrauten Menschen

meine Meinung neigt zu letzterem

Thomas1968


26.2.05 10:28:35
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Für mich ist er daher schon eine Art Held.


Noch ein Held:
http://www.tvmovie.de/tv-programm/sendung.html?SendungID=4670490
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