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US Task Force Baum

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AutorBeitrag

Petronelli


30.6.05 07:09:37
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Hallo,
aus aktuellem Anlass hier mal eine kuriose und bis heute nicht ganz geklärte Begebenheit aus meinem näheren Heimatgebiet.Erstmal nur kurze die Zusammenfassung, ohne genaue Einheiten und Daten. Genaueres folgt morgen.
Erfahren habe ich davon in Hammelburg vor zwei Wochen, als 50Jahre BW gefeiert wurde.
Im Frühjahr 1945 wurde von Patton eine Battlegroup aus verschiedenen Untereinheiten seines Einflussbereiches zusammengestellt um einen Vorstoß nach Mainfranken, resp. bis Lager Hammelburg durchzuführen. Es sollten dort im Oflag VIII Gefangene befreit werden. Die Aktion wurde zum Fiasko, da die Deutsche Aufklärung gut funktionierte und man Schuleinheiten aus Hammelburg (ein Scharfschützenlehrgang und eine Führerlehrgang, sowie eine Abteilung Hetzer-Panzerjäger aus Schweinfurt herangeführt hatte.)
Die Amerikaner hatten insg. 294 Mann Verluste, die Gefangenen wurden befreit, aber da man gestellt wurde gerieten quasi auch die Befreier in Gefangenschaft.
Man munkelt, dass Patton seinen Schwiegersohn (Nachnahme Waters) befreien wollte, der im Lager war. Patton hat sich darüber ausgeschwiegen und nannte diesen Befehl einen seiner zwei schwersten im Krieg.
Es ist also nie rausgekommen warum der wirklich den Befehl dazu gab. Nachkriegliteratur vermutet auch nur und widerspricht sich, wie sooft. Ein Waters war auch nicht unter den Gefangenen.
Unbehelligte deutsche Luftaufklärung (ständige Überwachung der US-Truppenbewegung) und die Kenntnis des Geländes der ortskundigen Ausbilder und Abfangeinheiten in der Gegend von Hammelburg, trotz unterleger Truppenstärke, sowie die überaus unvorsichtige Vorgehensweise der US-Einheit (schon bei Lohr und Gemünden viel Spektakel, leider auch mit unsinnigen Zivilverlusten, auch wenn es kaum Widerstand gab)machten die Aufklärung aufmerksam und führten zum Untergang der Einheit. Laut US-Akten sollte es sich um ein streng geheimes Kommando handeln, dass aber sich so wiederum nicht verhalten hat.
Allerdings waren die Amis keine zwei Wochen später eh an Ort und Stelle.
Gruß
Peter

Hoover


30.6.05 08:26:54
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Peter, du verwunderst mich. Da gibt es zig gute Literatur zu dem Thema, zwei seien hier genannt:

After The Battle "The Hammelburg Raid" (mit zig detaillierten Karten und einer genauen Aufstellung der US-Gliederung und Verluste

sowie "Kommandounternehmen Hammelburg", geschrieben von Baum, dem Kdr der Amis, selbst. Ist fast wie ein Roman und hat einige Fehler, die aber durch das After the Battle leicht korrigiert werden.

Die Aktion wurde zum Fiasko, da die Deutsche Aufklärung gut funktionierte

Nein. Die Deutschen schossen in Gemünden einen Sherman ab, n dem eine detaillierte Karte mit den Eintragungen des Weges bis nach Hammelburg gefunden wurde.

...eine Abteilung Hetzer-Panzerjäger aus Schweinfurt herangeführt hatte


Die waren aber nicht erfolgreich und konnten nur einige Halbketten und eine PzHaubitze ausschalten. Die Hetzer waren schlecht versorgt und kamen wegen dem hügeligen Gelände nicht an die Amis ran.

Dem Befehlshaber, Abraham Baum, wurde von Patton die Ehrenmedaille versprochen, die er aber nicht bekam, weil es sich um ein "Privatunternehmen" Pattons handelte und nicht von höherer Stelle befohlen wurden. Die Aktion war als Befreiungsunternehmen für Pattons Schwiegersohn Colonel Waters geplant, aber natürlich als allgemeine Befreiung bezeichnet.

Auf einem Hügel bei Bonnland stehen noch die Reste von 3 US-Halbketten und einem HVSS-Sherman, die bei den Kämpfen abgeschossen wurden.

Petronelli


30.6.05 10:45:35
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Hi Hoover,
muss zugeben, dass ich an dem Wochenende zum ersten Mal auf die Story gestoßen bin (Schande über mich), liegt aber wohl daran, dass ich mehr deutsche Literatur zum WK 2 gelesen habe und dann komischerweise auch nicht so begrenzt
örtlich bezogene Geschichten. Aber ich interessiere mich leider auch für viel zu viel.
An die Wracks der M3er kann ich mich aus der BW-Zeit erinnern.
Danke für die Korrekturen und Richtigstellungen, sowie die Literaturangabe.
Aber dann scheint es ja recht eindeutig eine Privatsache Pattons gewesen zu sein.
Ich habe aber von durchaus mehr Verlusten gehört.
Aber gut da scheiden sich wohl wiedermal die Quellgeister und von jeder Seite ist oft mehr der Wunsch der Vater der Aussage.
Aber dennoch ist die Sache doch offensichtlich ziemlich schiefgegangen, ich meine weil Du diese Aussage verneinst.
Gruß
Peter

[ Editiert von Petronelli am 30.06.05 10:51 ]

Hoover


30.6.05 11:37:44
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Die Sache ist total schiefgegangen. Es wurden keine Gefangen befreit und das Kommando wurde auf dem heutigem Übungsplatz aufgerieben. Hauptgrund war das schlechte Wetter über Frankreich und Deutschland, da konnten keine alliierten Jabos eingreifen. Nur 2 deutsche Störche kamen ab und zu mal vorbei.

Die Verlustlisten muss ich mal zusammenfassen, waren von den knapp 300 Amis des Kommandos etwa 30-40 Tote, der Rest wurde gefangen genommen, viele davon verwundet.

Balsi


30.6.05 11:52:44
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Niwre


30.6.05 12:38:45
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Gepostet von Balsi
http://www.balsi.de/Weltkrieg/Verlauf/Deutschland/Bayern/Hammelburg.htm


Den Teil musst Du aber nochmal ueberarbeiten. Waren die Umschalttaste und die Satzzeichentasten kaputt?
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