Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Ein kleines Zwischenhoch und D- Day!

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AutorBeitrag

waldi44


21.5.02 20:00:40
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Daß eigentlich ausgerechnet Meteorologen die Sieger des "D- Day" waren, wissen die wenigsten Leute und deswegen möchte ich hier einen Beitrag dazu posten und gleichzeitig meine Bewunderung über die Macher vom "Der Längste Tag" zum Ausdruck bringen, die sich tatsächlich verdammt gut an die Tatsachen hielten!
Die Alliierten wünschten sich natürlich klares Sommerwetter mit unbegrenzter Sicht für die Flieger, dazu möglichst wenig Wind, wegen dem hohen Seegang, der Fallschirmjäger und Lastensegler und das möglichst am 5., 6. oder 7. Juni, denn dann traf alles zusammen, was man sonst noch brauchte: Mondhelle Nächte und einsetzende Flut im Morgengrauen!
Aber Anfang Juni zog ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet mit Sturm, Regen und dichten Wolken vom Atlantik kommend über westeuropa hinweg.
Die zunächst für den 5. Juni angesetzte Landung wurde daraufhin gestoppt. Wenig später teilten die Meteorologen jedoch Eisenhower mit, daß für den nächsten Tag ein kleines Zwischenhoch mit leichter Wetterbesserung zu erwarten sei.
Eisenhower ergriff diese Chance und befahl die Fortsetzung der eben gestoppten Operation "Overlord"!
Da den deutschen Wetterfröschen nur eingeschränkte Informationen über die Großwetterlage vorlagen, sagten sie für die nächsten Tage nur schlechtes Wetter vorher und das Schicksal man nun auch auf deutscher Seite seinen Lauf!
Der Oberbefehlshaber der 7. Armee befahl allen Generalen nebst je zwei unterstellten Kommandeuren zu einem Planspiel nach Rennes. Rommel ließ sich vom OB West beurlauben und fuhr nach Deutschland.
An diesem Tag empfing die Nachrichtenstelle der 15. Armee am Pas de Calais, den zweiten Teil eines Gedichtes, dessen erste Zeile am 1.2. und 3. von der BBC gesendet worden war und den französischen Widerstand in Alarmbereitschaft versetzen sollte.
Die deutsche Abwehr war darüber informiert und als der zweite Teil gesendet wurde, der besagte, daß die Landung innerhalb der nächsten 48 Stunden zu erwarten sein, versetzte Generaloberst Salmuth seine 15. Armee in Alarmbereitschaft und verständigte das OKW in Rastenburg, OB West, Heeresgruppe B und alle militärbefehlshaber in Belgien und Frankreich!
Der Westwall am Pas de Calais war verteidigungsbereit, die 15. Armee bezog ihre Stellungen und wartete vergebens...
Rundstedt äußerte lediglich verächtlich:"Eisenhower kündigt die Invasion doch nicht über BBC an!"
Die Generäle Hellmich (243. ID), Falley (91. Luftlandediv.) und v. Schlieben (709.ID) fuhren von der Halbinsel Cotentin
nach Rennes zum Kriegsspielen, während der richtige Krieg unaufhaltsam näher kam und der marineoberbefehlshaber West Admiral Kracke reiste nach Bordeaux, also auch nicht gerade in Krisengebiet!!
Die heftige Aktivitäten der alliierten Luftwaffe beunruhigen zumindest den Stab der, des zur 7. Armee gehörenden LXXXIV Armeekorps in St.Lo. Dort beging General Marcks seinen Geburtstag im Gefechtsstand. Er war noch nicht nach Rennes abgefahren. Die Lage schien ihm zu undurchsichtig!!
Derweilen herrschte im HQ des 26. Jagtgeschwaders in Lille ausgesprochen schlechte Stimmung und Oberst Josef ("Pips") Priller, ein Fliegerass mit 96 Abschüssen und sein Rottenkamerad Heinz Wodarczyk vernichteten wütend eine Flasche Cognac.
Ihre Maschinen, 2 FW 190 waren die letzten ihres Geschwaders, die letzten zwei von vormals 124, die vor wenigen Stunden wegen der alliierten Luftgefährdung verlegt wurden.
Um 01.11 Uhr klingelte bei Marcks das Telefon und im Minutentakt kamen die Meldungen über alliierte Luftlandungen. Für Marcks war alles klar: Es ging los!
Sofort wurden alle übergeordneten Dienststellen benachrichtigt und wieder geschah nichts! Man hatte nämlich auch die Meldungen über die abgeworfenen Scherzartikel (Soldatenpuppen mit Knallkörpern) erhalten und hielt alles für einen großen Bluff.
Allerdings hatte man bei der 716.ID. und der 709.ID. Gefangene gemacht und die waren doch recht lebendig und gesprächig! Aber das schien niemanden zu interessieren und so schlief der Wüstenfuchs in Deutschland ruhig und auch sein Führer!
Immerhin wurde vom OB West die 12 SS- und die Panzer- lehr- Division alarmiert und ohne besonderen Nachdruck um deren Freigabe gebeten! Das dauerte aber bis 16.40 Uhr und auch die 21. Pzdiv. südlich von Caen mußte lange auf ihren Einsatzbefehl warten. Inzwischen befanden sich aber schon 18.000 alliierte Soldaten in ihren Zielräumen und zerstörten systhematisch alles was nach Nachrichtenkabel aussah!
Zwar waren viele Fallschirmjägerangriffe auf die Küstenbatterien fehlgeschlagen, aber die Orne- und die Kanalbrücke konnten genommen werden.
Der Erste der die gewaltige Armarda, die gewaltigste der Geschichte zu Gesicht bekam, war Artilleriemajor Werner Pluskat. Er saß in der Mitte der Seine - Bucht, bei St. Honorine, in einem vorgeschobenen Gefechtsstand und wollte beim Hellwerden einen letzten Rundblick machen, als der zerflatternde Morgennebel eine gigantische schwimmende Wand aus Stahl und Eisen frei gab.
Unmittelbar darauf brach die Hölle los und die alliierte Luftwaffe begann die Strände umzupflügen! 10.743 Einsätze wurden an diesem schicksalschweren Tag von den Alliierten geflogen und dabei 11.912 Tonnen Bomben auf die deutschen Stellungen geworfen!
Lediglich auf "Omaha" vielen keine Bomben. Die für diesen Strandabschnitt bestimmten, gingen 5 Km landeinwärts nieder,
was die 1. US-ID. blutig zu spüren bekam als sie im heftige Abwehrfeuer der 352. ID., fast 50% ihrer Mannschaft verloren.
Nur vier Stunden nach dem Angriff lagen 3.000 Tote oder Schwerverwundete, die keiner bergen konnte, am nur 6Km langen Strand!!
Ein deutscher MG Schütze gab später an, daß er bis zum Mittag 12.000 Schuß Munition mit seinem MG 42 verschossen habe.
Nun will ich hier nicht den ganzen Schlachtverlauf wiedergeben, aber es soll nicht unerwähnt bleiben, daß es auch "mächtige" deutsche Gegenschläge gab!
So griffen 2 (in Worten Zwei!) FW 190 den "Sword"- Strand an! Priller und Wodarczyk verteidigten den Ruf der deutschen Luftwaffe und das Luftabwehrfeuer der alliierten Schiffe setzte erst ein, als es schon zu spät war. Allerdings war dieser Angriff so "bedeutungsvoll", daß er in den Memoiren von Montgomery keine Erwähnung fand!
Aber auch die deutsche Marine leistete ihren Beitrag in der "Abwehr" der Landung! Gegen die Armade von 5.000 Schiffen brauste Korvettenkapitän Heinrich Hoffmann mit seinen drei Torpedobooten aus Le Havre, aus der von den Alliierten selbst gelegten künstlichen Nebelwand heraus und feuerte seine Torpedos ab und versenken sogar einen Zerstörer. Sie entkamen wieder im Nebel!
"Ich kam mir vor wie in einem Paddelboot" soll er später gesagt haben!

waldi44


21.5.02 21:28:21
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Fertig :D !

~Rainer


22.5.02 02:01:20
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hallo, auf welche batterien gab es denn Fallschirmjägerangriffe?
Gruss
Rainer

~Rainer


22.5.02 02:06:31
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Hallo,
Pluskat war an diesem Morgen sehr wahrscheinlich im Bett seiner französischen Geliebten zu finden, sein Aufenthalt in der Nähe des Strandes ist durch nichts belegt.
Die Aufnahmen für den Film" Der längste Tag" fanden im Feuerleitbunker der Batterie Longues-sur-Mer statt, und da musste noch kräftig Erde und Fels abgetragen werden bevor man aus dem unteren Beobachtungsstand etwas sehen konnte.
Gruss
Rainer

~Rainer


22.5.02 02:10:24
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Hallo,
der MG-Schütze war Hein Severloh aus Norddeutschland und er ist 1955(wenn ich lch mich recht entsinne) den KDVern beigetreten.
Gruss
Rainer

waldi44


25.5.02 17:05:04
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Nachtrag:D-Day Maps

THE NATIONAL D-DAY MUSEUM_
______________________________
„Du sollst aus Bösem Gutes machen

Quintus


26.5.02 06:45:57
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Waldi44:
Ist Dir auch bekannt, dass ein Unwetter am 19.06.1944 so ziehmlich alle Ladungsstege der Alliierten beschädigte, so dass die Truppen der Allianz letztendlich ohne jeden Nachschub standen?
Ich zitiere das jetzt mal aus meinem Gedächtnis, (da mir die Erinnerung fehlt, wo ich es las, b.z.w. ich jetzt keine Zeit und Lust habe, stundenlang meine Aufzeichnungen zu durchforschen).
Aber es sah folgendermaßen aus: der Nachschub für die Alliierten war völlig zusammen gebrochen. Hätte es in dieser Situation einen konzentrierten Großangriff deutscher Truppen gegeben, hätte das eine entscheidende Wende im Krieg ergeben, - womöglich hätten die Alliierten kapitulieren müssen!!!
Das ist kaum bekannt, aber Tatsache!
Und vorallem war es den Deutschen (heute muss man sagen: glücklicherweise!) entgangen. Hätten sie es gewußt...
Eine andere Sache ist die, das irgendwann (und da sind wir wieder bei meinen Quellen: wo hab' ich es gelesen und wann aufgezeichnet???) während der Invasion der Alliierten in der Normandie, den deutschen ein Boot in den Händen fiel, deren Besatzung Tod war. Allerdings befanden sich unter den Toten höchste Militärstabsoffiziere der Alliierten und sie hatten interessante Dokumente bei sich: Nämlich fanden die deutschen Befehlshaber darauf detaillierteste Informationen der Alliierten, wo sich die einzelnen deutschen Truppen befanden, wie deren stärke und Kampfkraft aussah und wie die Vorgehensweise der Alliierten aussah.
Das heisst: Man wußte von diesem Zeitpunkt an auf deutscher Seite genau, wie die Vorgehensweise der Alliierten sein wird und dass den Alliierten die deutschen Einheiten exakt bekannt waren.
Allerdings hatte man dem nicht im geringstem etwas entgegen zusetzen! Den Deutschen fehlten die Kräfte...
Deshalb waren die erbeuteten Informationen zwar interessant, aber nutzlos!

panzerjaeger


26.5.02 18:56:53
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Mhh sowas weis ich zu der landung bei Arnheim....
da haben die einen Lastensegler gefunden wo so geheime Dokumente waren...

Quintus


28.5.02 04:33:31
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Also, hab' die zwei oben genannten Ereignisse in meinen unendlichen Aufzeichnungen tatsächlich gefunden, und zitiere wie folgt:
1.:
Am 8. Juni 1944 trieb ein zerschossenes alliiertes Landungsboot mit toten amerikanischen Seeoffizieren bei Géfosse - Fontenay in die Mündung der Vire. Einer der Toten war der für den gesamten Operationsplan des VII Corps im westlichen Landekopf "Utah" zuständige Beachmaster. Er lag über einem Koffer mit allen Geheimunterlagen für die Zeitpunkte der Teillandungen und die konkreten Ziele des D-Day im Raum der Halbinsel Cotentin. Diese Top Secret Papiere enthielten auch sämtliche strategischen und taktischen Maßnahmen zur Verschmelzung mit dem östlich davon im zweiten Landekopf "Omaha" operierenden V Corps bei der Stadt Carentan. Anschließend sollte die Vereinigung mit dem aus den Landeräumen "Gold" und "Juno" nach Südwesten vorstoßenden XXX britischen Corps bei Bayeux erfolgen.
Den deutschen Feindlagespezialisten war zumute wie Alice im Wunderland, sie wussten mit einem Schlag, was ihnen ein Heer bester Agenten nicht zu liefern vermochte: VII US-Corps dreht nach Westen auf Coutance ein, bildet nach Süden Abwehrfront, greift nach Norden an. Strategische Ziele: der Hafen von Cherbourg.
Seite für Seite offenbarte sich ihnen alles Wissenswerte über den Angriff, dazu vielfältiges anderes Material. z.B. "The German Forces", ein Handbuch über die deutschen Streitkräfte im Invasionsraum, wo sich jeder der Lesenden mit seinem Verband präzise eingeordnet sah.
Die Divisionskommandeure erhielten auszugsweise Abschriften über sie unmittelbar betreffende Einzelaktionen. Ein Stabsoffizier raste zu Rommel, er berichtete, legte vor. Raste am gleichen Tag weiter nach St. Germain zu Rundstedt.
Man nahm zur Kenntnis und besaß damit die wesentlichen Planteile über den Ablauf der Invasion. Leitete wiederum weiter bis ganz nach oben. Man konnte dort ebenfalls nur zur Kenntnis nehmen und - zusehen. Es gab keine strategische und keine taktische Luftwaffe zur Verhinderung der Operationen.
Zwei Tage später legte die Rote Armee ein dreistündiges Trommelfeuer von bisher ungekanntem Ausmaß auf die finnischen Stellungen beiderseits der Eisenbahnstrecke Leningrad - Wiborg, drückte in wenigen Stunden die Hauptkampflinie auf vierzig Kilometer breite ein und zertrümmerte die Sperre auf der karelischen Landenge.
Damit wurde die Hand auf den Riegel zwischen Ladoga- und Onegasee gelegt, und die Bewegungsfähigkeit des deutschen Generalstabes war entscheidend eingeschränkt.
Diese Großoffensive der Roten Armee wurde gemäß der Vereinbarung mit den Alliierten geführt, um ihre Operation in der Normandie mit einem machtvollem Schlag an der sowjetisch-deutschen Front zu unterstützen. Dadurch waren die deutschen Truppen im Osten gebunden und es konnte von dort keine Verstärkung in die Normandie abgezogen werden.
2.:
Die Amerikaner hatten bereits am zweiten Tag der Invasion, dem 7. Juni 1944, begonnen, Teile eines künstlichen "Maulbeer-Hafens" über den Kanal zu schleppen und vor St. Laurent zu montieren, während die Engländer Senkkästen und pressluftgefüllte stählerne Wellenbrecher für ihren Hafen bei Arromanches verankerten und die Piere ineinanderfügten.
Am Morgen des 19. Juni brach ein orkanartiger Sturm los. Riesige Wogen warfen die Fährschiffe gegen die zerbrechenden Anlagen; 300 Schiffe gingen unter; 800, vor allem Panzerlandungsfahrzeuge, wurden hoch auf den Strand geworfen und fielen bis zur Springflut im Juli aus. Der amerikanische Hafen war völlig zerstört, der englische blieb seltsamerweise durch die vielen gesunkenen Schiffe in wesentlichen erhalten.
In drei Tagen waren die Schiffsverluste der Westalliierten an den beiden Häfen und im gesamten Kanalgebiet durch den Sturm fünfmal größer als die Totalausfälle durch Kampfhandlungen.
Das Ausladen wurde fast eine Woche lang unterbrochen. Der Munitionsbestand sank auf den kritischen Punkt. Alle Angriffsoperationen mußten eingestellt werden. Die Existenz der Verbände in ihren Landeköpfen war ernsthaft gefährdet.
Die deutsche Generalität ahnte von allem nichts.

waldi44


24.7.02 13:52:38
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@Quintus, ich erlaube mir mal deinen Beitrag auf meiner HP mit meinem "Zwischenhoch" zu verewigen!

Quintus


25.7.02 07:46:17
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Ach herje! Hab' ich erst jetzt endeckt.
Normalerweise dulde ich es überhauptnicht, wenn meine Texte einfach benutzt werden, - denn da steckt 'ne Menge Arbeit drinn, bezüglich Recherchen u.s.w.u.s.f., ganz zu schweigen von *Urheberrechten*!!!
Aber irgendwie, waldie44, bist Du mir ans Herz gewachsen, obwohl wir uns garnicht kennen! Mag eventuell mit unserer identischen 'Herkunft' (DDR) zusammenhängen...
Insofern - ich möchte es kurz machen - gestatte ich Dir nachträglich, meine von Dir bereits verwendeten Texte, verwenden zu dürfen...

waldi44


25.7.02 12:53:21
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Danke! Hab auch 'nen Link zu deiner HP gelegt :D !
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