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Warum verschob Hitler Frankreichfeldzug?

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AutorBeitrag

Quintus


3.6.02 04:57:53
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Warum musste Hitler den Frankreichfeldzug verschieben?
Durch eine merkwürdige Fehlleistung, wurde Hitler gezwungen, den Kampf um sein Hauptziel - die Eroberung Frankreichs - vorerst hinauszuschieben. Dieser Fehler, der zunächst katastrophal erschien, trug in Wirklichkeit am Ende dazu bei, dass Hitler seine beiden größten Triumphe erringen konnte, nämlich die Besetzung Norwegens und der Sieg über Frankreich.
Im Siegestaumel nach dem grandiosen Sieg über Polen im September 1939 hatte Hitler im November Frankreich angreifen wollen. Schlechtes Wetter und die Notwendigkeit, das Heer für den Aufmarsch im Westen umzugruppieren, hatten jedoch eine mehrmalige Verschiebung des geplanten Angriffs bewirkt. Ein paar klare und sonnige Tage im Januar 1940 hatten Hitlers Ehrgeiz jedoch erneut entfacht. Als neues Angriffsdatum wurde der 17. Januar festgesetzt. Die deutschen Oberbefehlshaber trafen ihre Vorbereitungen - aber nur widerstrebend, denn sie wussten, dass die Wehrmacht erst bedingt angriffsbereit war.
Am 10. Januar wurde der gesamte Plan jedoch durch einen bizarren Vorfall zu Makulatur. Als Werkzeug des Schicksals diente ein junger ehrgeiziger Luftwaffenoffizier: Major Helmut Reinberger. Als Reinberger mit brisanten Akten auf der Reise zu einer in Köln angesetzten Stabsbesprechung in Münster aufgehalten wurde, entschloss er sich, das Angebot anzunehmen, in einer Kuriermaschine der Luftwaffe mitzufliegen, um sich die lange Fahrt mit dem Nachtschnellzug zu sparen. Damit verstieß er gegen einen eindeutigen Befehl Hermann Görings, der als Oberbefehlshaber der Luftwaffe Kurieren untersagt hatte, Geheimsachen auf dem Luftweg zu überbringen - und Reinbergers gelbe Aktentasche enthielt den streng geheimen Plan für einen wichtigen Teil des deutschen Einfalls in Frankreich und die Niederlande.
Bald nach dem Start der Messerschmitt Me 108 vom Flugplatz Münster-Lodenheide verdichteten sich dünne Nebelschleier zu einer geschlossenen Wolkendecke, und starker Ostwind bewirkte eine Windversetzung von etwa 30 Grad von dem auf dem Flug nach Köln einzuhaltenden Südwestkurs. Der Rhein, eine wichtige Orientierungslinie, wurde bei schlechter Sicht unbemerkt überflogen. Der Flugzeugführer, Major Erich Hönmanns, sichtete schließlich einen Flusslauf, erkannte aber, dass es nicht der Rhein sein konnte. Sie hatten sich verflogen.
Unterdessen vereisten in der feuchten, kalten Luft Tragflächen und Vergaser ihrer Maschine. Der Motor stotterte und setzte dann aus. Hönmanns fand gerade noch rechtzeitig ein kleines Feld. Die Me 108 verfehlte beim Landeanflug nur knapp einige Bäume, setzte auf und holperte bis zu einer Hecke, in der sie zum Stehen kam. Als die beiden Deutschen mitgenommen, aber unverletzt aus der zu Bruch gegangenen Maschine kletterten, tauchte ein alter Mann auf und erklärte ihnen auf französisch, dass sie bei Mechlin in Belgien gelandet seien. Der überflogene Fluss war die Maas gewesen - 80 Kilometer westlich von Köln.
Reinberger dachte sofort daran, dass er seine Papiere verbrennen musste. Aber da Hönmanns und Reinberger Nichtraucher waren, hatten sie keine Zündhölzer bei sich. Schließlich gab der alte Mann sein Feuerzeug heraus. Als es Reinberger eben gelungen war, die Papiere trotz des starken Windes in Brand zu setzen, trafen belgische Gendarmen auf Fahrrädern ein und löschten die Flammen.
Als Reinberger kurz danach auf dem zuständigen Polizeirevier vernommen wurde, unternahm er einen weiteren verzweifelten Versuch, die kostbaren Papiere zu vernichten. Er wischte sie plötzlich vom Tisch und stopfte sie in den Ofen. Der Polizeichef zog sie jedoch ebenso schnell wieder heraus, obwohl er dabei Verbrennungen erlitt. Reinberger versuchte nun, sich der Dienstwaffe des Polizeichefs zu bemächtigen, aber der Belgier stieß ihn auf den Stuhl zurück und befahl ihn, sitzenzubleiben und sich nicht mehr zu rühren. Reinberger schlug die Hände vors Gesicht und sagte beinahe schluchzend, er wolle die Pistole, um sich zu erschießen; in Deutschland gebe es für ihn "kein Pardon".
Am gleichen Abend lagen die noch völlig lesbaren Dokumente dem belgischen Generalstab vor, der sofort die Mobilmachung der belgischen Streitkräfte anordnete. Die Belgier übermittelten auch den französischen und englischen Armeen in Nordfrankreich eine Zusammenfassung des Inhalts der bei Reinberger gefundenen Unterlagen. Aus diesem Operationsplan ging hervor, dass das deutsche Heer in einer Umfassungsbewegung durch Belgien nach Frankreich hinein vorstoßen sollte - ähnlich wie die Armeen Kaiser Wilhelms II. zu Beginn des Ersten Weltkrieges.
Die Hiobsbotschaft von Reinbergers Pech zog in Berlin rasch und lautstark Reaktionen nach sich. Hitler machte Göring wegen der Dummheit seiner Untergebenen Reinberger und Hönmanns heftige Vorwürfe und befahl ihm, den Kurier bei seiner Rückkehr an die Wand stellen zu lassen (Reinberger hatte jedoch Glück und verbrachte den Rest des Krieges in einem sicheren kanadischen Kriegsgefangenenlager). Die allgemeine Verwirrung führte freilich auch zu einer der wichtigsten Entscheidungen: Der deutsche Angriffsplan musste völlig neu ausgearbeitet werden. Er sollte auf Befehl Hitlers auf neuer Grundlage überarbeitet und vor allem auf Geheimhaltung und Überraschung abgestellt werden.
Aufgrund dieser Weisung Hitlers arbeitete der brillante General Erich von Manstein einen Angriffsplan aus, den ein bekannter Historiker "einen der genialsten Siegespläne, der je von Strategen ersonnen worden ist", genannt hat. Manstein verwarf den alten, vorausberechenbaren Plan eines durch Belgien führenden Hauptstoßes. Wie er Hitler am 17. Februar 1940 bei einem Abendessen auseinander setzte, sollte der deutsche Angriffsschwerpunkt statt dessen in den Ardennen liegen - dem bewaldeten Bergland im Grenzgebiet zwischen Belgien, Frankreich und Luxemburg. Nach herkömmlicher militärischer Auffassung stellte dieses Gebiet ein für Panzer unüberwindbares Hindernis dar, Manstein war jedoch anderer Überzeugung. Durch die unerwartete Angriffsrichtung hatten die Deutschen nicht nur den Vorteil des Überraschungsmoments auf ihrer Seite, sie standen dann auch vor dem verteidigungsschwächsten Abschnitt der französischen Grenze. Die deutschen Panzer würden die französischen Stellungen bei Sedan durchstoßen, einen Keil bis zum Ärmelkanal vortreiben und die anglo-französischen Armeen aufspalten.
Die deutsche Luftwaffe sollte die Panzer- und Fahrzeugkolonnen auf dem Marsch über die engen Ardennenstrassen schützen und dann einen Bombenteppich vor die Panzer legen, wenn sie nach Frankreich vorstießen. Solange die fliegende Artillerie in den feindlichen Reihen Verwirrung stiftete, ohne den Gegner zur Ruhe kommen zu lassen, musste dieser Vorstoß erfolgreich sein.
Der Angriff nach Nordbelgien und Holland hinein sollte nach Mansteins Vorstellungen wie geplant durchgeführt werden, aber vor allem als Ablenkungsmanöver dienen, um die Truppen der Alliierten von den Ardennen abzuziehen. Generaloberst von Bocks im Norden eingesetzte Heeresgruppe B würde ihre Panzerdivisionen bis auf eine an Rundstedts Heeresgruppe A abgeben, die den Panzervorstoß bei Sedan führen sollte.
Das war ein kühner, beinahe tollkühner Plan von der Art, für die Hitler sich so begeisterte. Mansteins Vorschlag wurde am 24. Februar 1940 offiziell als Grundlage der deutschen Angriffsplanung akzeptiert und erhielt den Decknamen "Sichelschnitt". Während der durch die Umgruppierung der beiden Heeresgruppen entstehenden Zwangspause wandte sich Hitler nach Norden, um Dänemark und Norwegen zu besetzen.
Dazu später mehr, muss meine Aufzeichnungen weiter über- oder durcharbeiten...

waldi44


3.6.02 18:21:41
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Na dann arbeite mal ;)!

Quintus


26.6.02 06:48:03
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Deutsche Offiziere in Paris 1940 (zweiter v.l.: General Georg Küchler, dritter v.l.: General Fedor von Bock):

Nightwish


27.6.02 00:02:17
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@ Quintus
Hast du dazu mal eine Quellenangabe? Das kommt mir so bekannt vor!
Angriffshöhe 4000? Deutsche Fallschirmjäger? Blitzkrieg? Zufällig eines der Bücher?

Quintus


28.6.02 07:51:21
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Tja, die Quelle; 'ne interessante Frage. Quellen gib's unendlich viele, und meine Quellen bezüglich Postings in diesem Forum sind überwiegend meine eigenen Aufzeichnungen zu einem nie vollendeten Buch, die etwa 18 Jahre alt sind (bestehend aus ca. 2.000 beidseitig handbeschriebnenen, sowie ca. 1.000 Schreibmaschinen-Seiten), - sie endstanden aus etlichen - 1000 und einer - Quellen. DIE jetzt hier alle aufzuführen, wäre wahnsinn und geradezu unmöglich.
Aber die von Dir benannten Bücher sind nicht darunter (vielleicht zu neu...), möglicher Weise benutzen diese selbige Quellen, wie meine Wenigkeit...

Nightwish


28.6.02 19:29:38
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Anriffshöhe 4000 von Cajus Becker
Blitzkrieg von Len Deighton
Ich habe die Bücher gerade nicht hier, aber si müssten aus den sechzigern sein spätestens siebziger!
Haben mich beide in meiner militärgeschichtlichen Bildung sehr voran gebracht!
Len Deighton ist (war?) ein sehr angesehener Historiker! Müsstest du eigentlich kennen!? Das Buch gilt eigentlich als Standard Werk zum Aufbau der deutschen Wehrmacht bis Dünkirchen!
Das Fallschirmjäger Buch ist, glaube ich, aus den achzigern!

Gast


15.6.04 01:19:42
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Frankreich erklärte Deutschland den Krieg ,eine Tatsache die ständig versucht wird zu verschleiern.

Parabellum


15.6.04 01:40:29
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Frankreich erklärte Deutschland den Krieg ,eine Tatsache die ständig versucht wird zu verschleiern.


Wurde das hier verschleiert ?

Axel43


15.6.04 04:23:10
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Bisher jedenfalls habe ich nur die nackte Wahrheit ueber die Kriegserklaerung der Englaender und Franzosen gehoert.

Richtschuetze


15.6.04 07:52:36
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und nicht nur diese Länder haben Deutschland den Krieg erklärt!

Gruss

Axel43


15.6.04 16:25:04
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Ja, San Marino hat erst vor ein paar Jahren den Kriegszustand mit dem Deutschen Reich beendet.

Tobias


15.6.04 20:01:58
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Die usa hat noch immer keinen friedensvertrag mit deutschland.

Und über den grund der verzögerung des feldzuges habe ich auch schon gelesen. Interessant ist immer nur die begleitgeschichte, die immer irgendwie anders ist. Einmal wurde das gesagt, dann wurde diese reaktion gezeigt, etc. Leider weiß ich nicht in welchem buch ich das gelesen habe, sonst könnte man einmal den genauen wortlaut überprüfen.
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