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SPIEGEL: "Hitlers Stalingrad"

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AutorBeitrag

PsychoJoker


20.12.02 23:20:32
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Im aktuellen Spiegel ist ein recht ausführlicher Artikel über Stalingrad enthalten. Außerdem ist auch ein Interview mit einem ehemaligen Offizier der Wehrmacht abgedruckt, der im Dezember '42 von Paulus zu Hitler geschickt wurde, um den "Führer" dazu zu bewegen, der 6. Armee den Ausbruch zu erlauben.
Die Reaktion Hitlers auf diese Bitte - wie der Interviewte sie schildert - zeigt wie sehr Hitler damals schon den Bezug zur Realität verloren hatte.
Ich fand den Artikel udn das Interview sehr lesenswert, obwohl er eigentlich nichts neues enthielt. Besonders interessant und erschütternd zugleich fand ich die Ausschnitte aus Feldpostbriefen von Stalingrad-Kämpfern nach Hause die inenrhalb des Artikels auszugsweise abgedruckt wurden.

panzerjaeger


20.12.02 23:23:02
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Also im grossen und ganzen nichts neues?
keine neuen erkenntnisse?

PsychoJoker


21.12.02 16:18:59
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Na ja, allzuviel neue Erkenntnisse wird es bei Stalingrad nicht mehr geben, oder? Ich meine, im großen und ganzen gibt's da nicht mehr viele Unklarheiten.
Jedenfalls fand ich das oben erwähnte Interview besonders interessant.
Ach ja, es gibt auch einen kurzen Artikel (1 Seite) über die deutschen Kriegsgefangenen von Stalingrad. Unter anderem wird auch erklärt wieso so wenige die Gefangenschaft überlebt haben.

Quintus


27.1.03 04:11:58
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Am Freitag (24.01.03) kam auf VOX SPIEGEL TV Spezial über Stalingrad - hab mir die zwei Stunden gerade reingezogen.
Dort wird recht dürftig über die eigendliche Schlacht berichtet. Aber die Filmaufnahmen sind ganz interessant. Dort sieht man die großen Gräben (von denen in diversen Büchern berichtet wurde) ganz deutlich, die die Stadt durchzogen und den Verteidigern beste Möglichkeiten gaben - und den Angreifern höchste Verluste bei deren Einnahme. Hatte nicht gedacht, dass diese so gewaltig sind (mindestens 30 Meter breit und 8 Meter tief).
Es wird auch angegeben, dass 91.000 Soldaten der 6. Armee in Kriegsgefangenschaft gingen. Meines Wissens sind das russische Angaben. Deutsche Historiker errechneten, dass ca. 200.000 Soldaten in Gefangenschaft gegangen sein müssten.
Diese Gefangenschaft überlebte nur jeder hundertste Soldat, aber jeder zehnte Offizier - sofern man die russischen angaben von 91.000 Gefangenen zur Grunde legt.
Von den 22 Generalen starb nur einer - an Magenkrebs in einer Moskauer Klinik.
Übrigens: Das neue Stalingrad wurde von deutschen Kriegsgefangenen aufgebaut.
Zeitzeugen (ehemalige Soldaten der 6. Armee) berichten in besagter Dokumentation, dass Paulus Ende Januar 1942 völlig apathisch und Handlungsunfähig war und eigendlich niemals den Oberbefehl erhalten hätte dürfen (er war kein bewährter Truppenführer, wurde nur auf Wunsch Reichenaus zum OB der 6. Armee).
Nach vier Wochen Gefangenschaft bestellte Paulus beim deutschen Generalkonsul in der Türkei 6 paar Schulterstücke eines Feldmarschalls und eine Generalsmütze, da ihm seine abhanden gekommen war.
Für seine ehemaligen Soldaten hatte er keinen Gedanken, jedenfalls keinen überlieferten.

Balsi


27.1.03 07:56:12
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also 200.000 sind eindeutig zuviel...
Gehen wir einmal von den neuesten Schätzungen aus, so verfügte die 6. Armee über 260.000 Mann, davon wurden 40.000 ausgeflogen, und dann kommen die Gefallenen hinzu ich schätze bestimmt so an die 100.000 Mann, dann kommt die Zahl vonm 91.000 schon gut hin.

Svenson


27.1.03 21:01:35
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Ja an die 100 000 Soldaten gingen in Gefangenschaft und die letzten von den 6000 Überlebenden kamen 1955 wieder heim.
In einem anderen Bericht über Stalingrad hat sich ein Lanser über die Russen "beschwert" das die Offiziere besser behandelt wurden als sie selbst,denn die hatten sie ja erst da reingeritten. Also war er wütend über die Offiziere und die Russen.
Und der hat auch erzählt das sich deutsche Einheiten gegenseitig fast selbst vernichtet haben nur um an die Versorgungsbomben ranzukommen,wo meistens doch nur Kondome,Bonbons,Orden und Essbesteck drin war.
Da muß doch jede Versorgungsbombe wie ein Überraschungsei gewesen sein,makaber...

PsychoJoker


28.1.03 18:41:36
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Ja, diese "Versorgungsbomben" waren oft nicht viel mehr als ein Akt des Zynismus.
Paulus war kein Soldat geschweige denn ein Offizier, er war ein Bürokrat. Leider verhielt er sich im Kessel dementsprechend rückgratlos. Das mit den Schulterstücken hab ich auch in verschiedenen Dokus und Büchern gehört/gelesen. Ich finde sowas ist einfach nur empörend. Was sind schon 90.000 Soldaten, die kaum überleben... immerhin ist Herr Generalfeldmarschall ohne Schulterstücke! :(

KinG Artur


31.1.03 00:17:36
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Ich lese so eben ein bericht in der "Moskauer Deutsche Zeitung"
----> hier der link falls jmd. interesse hat
http://www.mdz-moskau.de/Geschichte/2003/01/22/17.22.28.htm

Quintus


31.1.03 07:59:57
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Paulus war die größte Trophäe Stalins.
Und - entgegen der Darstellung in oben genanntem Bericht! - MUSSTE Paulus nicht in Nürnberg aussagen, sondern er WOLLTE aus freien Stücken dort aussagen! Speziel für diesen Entschluss wurde er für einige Tage nach Nürnberg ausgeflogen - um nach seinem Auftritt vor dem Tribunal wieder nach Russland geflogen zu werden.
Damit entzog er sich allerdings möglicherweise einem Prozess vor einem sowjetischem Gericht wegen Kriegsverbrechen - immerhin wurde Seydlitz als Gründer des BDO 1950 zu 25 Jahren verurteilt.

Schuetzewuerger


2.2.03 17:50:50
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Also für mich gibt es um stalingrad öffter mal was neues(siehe Aßplatz).Aber für mich war auch neu das die Wehrmacht und damit Paulus keine Kapitulationsurkunde unterschrieben hat!Warum haben die Russen nicht dafür gesorgt,oder hatte das polit.Gründe?Das mit den Schulterstücken zeigt doch nur das Paulus ein armes Würstchen war und ein Schreibstubenhengst der sich nur um seine nähere Umgebung gekümmert hat.Solche Leute die Scheuklappen tragen und trotzdem(oder gerade deshalb)hohe Posten bekleiden hat es immer gegeben und wird es auch weiter geben.
Nun zu ein anderes Thema was neu für mich war.
In der stalingraddoku. hieß es das sich noch mehrere hundert Deut.über 4 Wochen in der Kanalisation verteidigt haben.Die Tatsache ist ja nicht Überraschend ,aber die Menge der Leute und die Zeit bis die letzten erledigt waren.Nach Meinung des russ. soldaten muß es noch ganzschön heftig zugegangen sein.Die müssen doch noch ganz gute Reserven gehabt haben um in der allgemeinen Argonie noch solange kämpfen zu können!!!Kann man so verzweifelt sein?Da war doch absolut nichts mehr zu gewinnen!

xmen


2.2.03 18:12:59
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Na bei allem darf man aber auch nicht vergessen das die Beförderung Paulus eigentlich ne Aufforderung zum Selbstmord war!

Schuetzewuerger


3.2.03 19:55:59
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Ja schon aber ich hätte es auch nicht getan.Warum?Bloß er hät sich mehr um seine Soldaten einsetzen müssen auch wenn es vieleicht nichts gebracht hätte.
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