Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Mit dem Wissen von heute...Patriotismus!

zurück zur Themenübersicht
AutorBeitrag

The Real Blaze


26.2.03 16:40:13
Direktverweis
Ich würde zu gern mal die Meinungen wissen,wie Deutsche von heute,mit dem Wissen über die Geschehnisse des Dritten Reiches,damals reagiert hätten.Ich hoffe das war keine komplizierte Fragestellung(hypothetische Zeitreise usw.)Mir geht es nur um den Kern der Frage,wie weit heute Patriotismus gehen würde.Also wie hätte man reagiert,wenn man alles gewußt hätte,was hinter den Kulissen verbrochen wurde.Hätte man sich gegen die Heimat gestellt und womöglich desertiert,wenn ja wohin?Oder hätte man sich erst einspannen lassen ,um die Heimat vor der Vernichtung zu bewahren und dann was unternohmen gegen oben?Kann sein ich treff da ein sensibles Thema für uns Deutsche,aber hochinteressant!
mfg The Real Blaze

waldi44


26.2.03 17:31:19
Direktverweis
Das heutige Wissen um die Verbrechen des 3. Reiches zur damaligen Zeit gehabt, hätte wohl nichts geändert- ich gehe davon aus, Du meinst nur die betreffende Person, die hier postet.
Es gab ja damals auch genug Menschen, die ahnten was da auf sie zukam und man glaubte es ihnen auch nicht wenn sie es prophezeiten und machte sie mundtot oder noch töter ;)! Warum also sollte man mir Glauben schenken?
Auch macht das Wissen allein noch keinen Helden aus mir und wenn ich nicht gerade Jude gewesen wäre, hätte ich wohl auch das Maul gehalten, bzw "Heil Hitler" gebrüllt!
Wäre ich mit meinem heutigen Wissen Jude gewesen, hätte ich so schnell wie möglich versucht das Weite zu suchen und vielleicht noch einige Glaubensgenossen zur Flucht oder, als es noch möglich war, zu Emigration geraten!
Allerdings wäre ich mit meinem heutigen Wissen auch als Deutscher nicht in Deutschland und wohl auch nicht in Europa geblieben und das hat nun mit mangelndem Mut oder fehlender vaterlandsliebe nichts zu tun! Wenn ich schon weiss, dass da Verbrechen begangen werden sollen und ich es nicht verhindern kann, dann würde ich wenigstens nicht mitmachen wollen!
Andere Menschen mögen anders gehandelt haben, wenn sie damals GEWUSST hätten, was Deutschland blüht. Ich für mich kann aber nur sagen, ich wäre ein schlechter Retter gewesen, aber manchmal wächst man ja auch über sich hinausSmiley mit verdrehten Augen !
Patriotismus hätte für mich bedeutet, Hitler zu beseitigen und nicht im zu folgen und zu helfen. Die Zeit der Patrioten war 1939 abgelaufen, aber wer hätte ihre Tat zu diesem Zeitpunkt als patriotisch bezeichnet bzw erkannt??

ralph


26.2.03 18:32:30
Direktverweis
hmm, daß ist eine verdammt schwere frage, mit dem wissen über die verbrechen im hinterkopf auf der einen seite hätte ich innerlich sicher geweint und mich dagegen gesträubt.
auf der anderen seite hätte mich das elitäre und soldatenhafte sicher sehr gereizt. ich halte mich für leicht begeisterungsfähig und das wäre mir wahrscheinlich zum verhängniss geworden, damit meine ich den eintritt in die wehrmacht, wenn nicht sogar XX. das klingt jetzt selbst für mich sehr erschreckend, was ich da schreibe, ich hoffe ihr versteht das richtig, den nationalsozialismus und seine verbrechen würde ich NIEMALS gutheißen das wisst ihr, hier geht es mir lediglich um das soldatentum !

waldi44


26.2.03 22:14:10
Direktverweis
Wenn man aber um die Nazigräul in den KZ's gewusst hätte, ist es moralisch seeehr fragwürdig, auch noch für die Nazis in den Krieg zu ziehen!
Unsere Vorderen haben ihre Haltung zu Hitler und Nationalsozialismus ja immer damit begründet, sie hätten von nichts gewusst!!

The Real Blaze


26.2.03 22:47:12
Direktverweis
Das ist es ja was ich auch meine...Wenn einer irgendetwas gewußt hat oder geahnt und trotzdem weitergekämpft hat,hat wohl eine Art Verdrängungsmechanismus eingesetzt.Nach dem Motto,naja erst mal mit den kameraden den Krieg überstehen und danach sehen wir weiter.Ich wüßte selbst auch nicht was ich tun würde:Auf der einen Seite bedroht der Feind das Land,wo deine Familie lebt.Du hast nur den einen Wunsch:Sie zu beschützen!jetzt wegzulaufen oder desertieren weil man einen beweis für Verbrechen hat,würde sich dann gnadenlos rächen,wenn deiner Familie was zustößt,obwohl du es verhindern hättest können.ich muß da echt reintreten,wenn da Typen wie Remtsma so pauschalisierend alles in den Dreck ziehen und sich nicht die Mühe machen die Umstände von damals zu erläutern.bei dem war jeder Wehrmachtssoldat ein Verbrecher!Peinlich als in der ersten Ausstellung der Fotoskandal war.Kriegsverbrecher gab es wirklich,man muß aber eine klare Linie ziehen zwischen Befehlsausführenden und dem Befehlsgebenden.
mfg The Real Blaze

waldi44


26.2.03 22:55:42
Direktverweis
Vielleicht haben wir heute aber auch eine etwas andere Wertevorstellung als damals?
The Real Blaze, es währe der Lesbarkeit Deiner Beiträge sehr zuträglich, wenn Du nach den Satzzeichen "." und "," jeweils ein Leerzeichen setzen würdest!

Schweinchen Dick


27.2.03 09:26:23
Direktverweis
...ich würd es anders sagen, waldi.
ich wäre nicht für "die nazis", sondern für mein land, mein volk in den krieg gezogen, bzw. hätte es in den letzten jahren verteidigt. so, wie ich heute nicht für "die demokraten", sondern ausschliesslich für mein land, meine familie kämpfen würde. ich glaube auch nicht, daß die zeit der patrioten 1939 vorbei war. für mich wurden höchste patriotische leistungen gerade in den abwehrkämpfen auf deutschem boden erbracht. vor allem glaube ich, daß in den letzten kriegsjahren die bevölkerung andere sachen im kopf hatte, als sich um die begebenheiten in den lagern zu kümmern. sie haben schlicht und ergreifend ihr eigenes leben jeden tag zu sichern versucht. leider gibt es überall, in jedem system und staat verbrechen, nur kommen die verbrechen der siegermächte, auch gegen ihr eigenes volk nicht heraus, bzw. nur spärlich. der sieger schreibt eben die geschichte.

Leutnant


27.2.03 11:13:28
Direktverweis
Moin Leute,
ich möchte zu bedenken geben, dass die Reichswehr und spätere Wehrmacht als unpolitisch galt. Viele junge Menschen die nichts von den Linken und Rechten hielten flüchteten sich geradezu in die Armee. Somit konnte man seinem Land treu dienen, ohne irgendetwas mit den Machenschaften der Partei zutun zu bekommen.

waldi44


27.2.03 11:58:39
Direktverweis
Die Fragestellung war aber eine etwas andereSmiley mit verdrehten Augen! Ausserdem meine ich, man kann auch so unpolitisch sein, dass es schon wieder politisch ist!

Leutnant


27.2.03 12:32:36
Direktverweis
Ist diese Aussage nicht eher ein Statement der Nachkriegszeit und damit schwer auf den Krieg anwendbar?!
Aber um wieder auf den Ausgangspunkt zurückzukommen, wahrscheinlich hätten sich viele Soldaten und besonders die alten kaiserlichen Generale gegen den Krieg und Hitler gestellt, wenn sie von den Verbrechen (abgesehen vom Angriffskrieg)alles gewußt hätten.

ralph


27.2.03 13:02:06
Direktverweis
tja, dann möchte ich mal differenzieren, wäre ich vor 1939 schon mitglied der reichswehr, bzw. wehrmacht gewesen, so wäre ich wohl aus vaterlandsliebe und entuisiassmus dabeigeblieben. hätte ich aber von den kommenden verbrechen gewußt und auch gewußt was der krieg mit all seinen konsequenzen für deutschland und vor allem für mich persönlich bringt ( Hunger, Tod, Greueltaten und die totale niederlage ) und ich wäre ein einfacher bürger gewesen, so hätte ich mit all meinem hab und gut und vor allem meiner familie das land verlassen. und das dann sicher bereits 1933 kurz nach der machtübernahme hitlers.
da hätte patriotismus für mich nicht gezählt !

The Real Blaze


27.2.03 17:13:44
Direktverweis
Aus Patriotismus wäre ich wohl oder übel mitgezogen,aber sicher nicht als Freiwilliger.Ein kleines Rädchen im Getriebe hätte mit dem Wissen nicht viel anfangen können,aber seine Umgebung aufklären versuchen.Auch wenn das lebensgefährlich gewesen wäre.
Im späteren Verlauf hätte der Überlebenswille und Schutzinstinkt das Wissen um die Verbrechen zunächst verdrängt.Aber das Wissen hätte gearbeitet und Handlungen beeinflußt.Subjektiv für mich wäre ich weder emigriert noch desertiert.Schließlich gab es ja auch den Wiederstand im Land,den man hätte unterstützen können.Die Kameraden in der Sch... sitzen zu lassen,wäre überhaupt nicht in Frage gekommen.Man wußte ja auch schon damals was speziell im Osten Gefangenenschaft bedeutete.
Irgendwie kann ich für die politischen Emigranten,die glaubten es besser zu können kein Verständnis aufbringen.Um etwas zu verändern zu wollen und das wollten sie ja,hat noch niemals ein Davonlaufen geholfen.Ihr Wirken vom Ausland aus,war auch deshalb überwiegend bedeutungslos.Egal ob von Moskau oder London aus.
mfg The Real Blaze

waldi44


27.2.03 17:39:24
Direktverweis
Mit den politischen Emigranten ist das so eine Sache. Im 3. Reich hätte man mit ihnen kurzen Prozess gemacht! Im Reich zu bleiben wäre gleichbedeutend mit KZ oder Tod und veränmdern konte man von innen, ausser durch ein Attentat wohl nicht!
Es gab ja überhaupt keine politische Plattform, von der aus man überhaupt hätte versuchen können was zu ändern.
Von aussen konnte man da schon eher was bewegen, zB durch Rundfunksendungen.

The Real Blaze


27.2.03 17:57:47
Direktverweis
Das bestreitet ja auch niemand,daß Widerstand gefährlich war im Dritten Reich.Als Wissender hätte man aber einen Weg gefunden auf welcher Ebene im Land was zu machen war.Und viele Emigranten sind ja auch weg,weil sie was wußten.Da hat einfach der Überlebensinstinkt über die politische Sache gesiegt.
mfg The Real Blaze

Sukram


14.3.03 21:32:59
Direktverweis
Rundfunksendungen hätten auch nicht viel genützt. Ich gehe das mal gedanklich durch :
- Rundfunksendung wird, sagen wir, im BBC, gesendet.
- Einige Deutsche hören sich das trotz Verbot an.
- Sie wissen jetzt, was abläuft, aber nutzt das was? Wenn sie es erzählen, sind sie potenzielle "Staatsfeinde" für Hitler. Also bleiben sie still und die Sendung hat eigentlich nicht viel gebracht.
Es ist doch so, oder sehe ich das falsch?

Chavez


17.3.03 00:19:05
Direktverweis
Hmmm, ich denke mal Anzahl der Anschlagsversuche auf Hitler hätten zugenommen und vielleicht wäre dann einer erfolgreich gewesen.
Ist für mich die einzig "vernünftige lösung" des Problems, Krieg gegen Feinde von außen auf der einen Seite, aber Verbrecher an der Macht auf der anderen Seite.
Naja, wenn Hitler weg, dann halt einen guten Frieden aushandeln wäre dann der nächste Schritt denke ich.
Ob ich allerdings den Mut gehabt hätte Hitler wegzuputzen weiß ich nicht.
Nagut, mit _genau_ dem Wissen von heute hätte ich es wohl versucht. Allerdings isses ja nicht ganz leicht gewesen...
Hätte es wohl mit nem K98ZF versucht...naja das nur so nebenbei.
Gruß
Chavez
zurück zur Themenübersicht