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Hitler als Heerführer.

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AutorBeitrag

waldi44


27.3.03 19:53:32
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Viele zT kriegswichtige Entscheidungen des 2.Wk wurde von Hitler persönlich getroffen, oft gegen die Meinung seiner Generale.
Woraus resultierten diese Entscheidungen, was beeinflusste sie wohl am stärksten? Ich meine der Schlüssel für viele seiner Entscheidungen ist in seiner Dienstzeit während des 1. Wk zu suchen.
Eine der ersten Entscheidungen, die er traf und von vielen nicht verstanden wurde/wird, war der Stopp bei Dünkirchen, der es hunderttausenden alliierter Soldaten gestattete zu entkommen.
Nun muss man wissen, dass Hitler in Flandern den Stellungskrieg erlebte und das Land war flach, zT. unter dem Meeresspiegel gelegen und der Grundwasserspiegel hoch und somit für schwere Fahrzeuge denkbar ungeeignet.
Dieses Bild und das von im Schlamm versinkende Panzer muss er vor Augen gehabt haben, als er seine Panzerspitzen stoppte und auf Göring vertraute. Er wusste nicht, dass die Gegend alles andere als moorastig war, aber seine Panzer waren für ihn der garant, ein zweites Traume aus dem 1.Wk nicht wahr werden zu lassen, den Stellungskrieg!
Nach dem erfolgreichen Westfeldzug, rühmte er sich damit, dass erreicht zu haben, wofür im 1. Wk millionen deutscher Soldaten gefallen waren und zwar mit geringsten Verlusten und dieser Stolz darauf, aber natürlich auch die Sorge um sein innenpolitischen Image war es, dass der Fallschirmjägertruppe nach Kreta das Genick brach!
Hitler war ein Mann des Landkrieges. Da kannte er sich aus (meinte er wenigstens). Panzer waren für ihn Mittel zu Zweck, vermeidung eines langwierigen und verlustreichen Stellungskrieges und auch der Artillerie war er zugeneigt, wie die immer grösser werdenden Kanonen zeigten, während die Raketenentwicklung zeitweilig ein Schattendasein fristete und auch die Bedeutung des Düsenjägers war ihm nicht nahe zu bringen - Bomber, ja Bomber das brachte was, aber Jäger?!
Das "Fleissige Lieschen" sagte ihm mehr zu, als die "A-4"!
Mit seiner militärischen Weitsicht war es nicht so weit her und als es zurück ging, mag ihm vielleicht Verdun vorgeschwebt haben, als er alle grösseren Städte zu festen Plätzen oder Festungen erklärte. Er hätte besser an die belgischen Forts denken sollen oder die Magniotline!
War Hitler vielleicht zu sehr in der Gedankenwelt des 1.Wk verhaftet, so dass er die Anforderungen des moderneren 2. Wk gar nicht meistern konnte?

schaefchen1971


28.3.03 08:36:10
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Moin Waldi,
interessante Theorie.
In größten Teilen stimme ich Dir zu.
Nur finde ich es unfair, alle Fehler Hitler zuzuschreiben.
Wäre es nicht Görings Augabe gewesen, Hitler von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Jagdwaffe zu verstärken
und die Düsenjägerproduktion bereits 1941,42 zu forcieren ?
Hätte nicht der Generalstab dafür sorgen müssen, daß die Deutschen (spätestens nach dem Feldzug in Frankreich, als man auf den
Char B traf) einen mittelschweren Panzer produzieren ließ ?
Und mit der Raketenproduktion hätte man zwar schneller vorankommen können, aber trotz allem waren es die Deutschen,
die als erste diese Raketen einsetzten konnten.
Trotz der Bomenangriffe der Allierten auf Peenemünde.
Hat Hitler nicht entgegen weiten Teilen des "feigen" Generalstabs den "Sichelschnitt" (in Frankreich) unterstützt ?
Hatte er nicht lange versucht, die USA aus dem Krieg herauszuhalten, weil er um deren Stärke wußte ?
Hat er nicht, aus der Notwendigkeit "seinen" Krieg beginnen zu können, den "Pakt mit Satan" (Stalin) gesucht -
trotz aller politischen Gegensätze ?
Ich bin der Ansicht, daß Hitler zumindest bis Ende 1941 für seine Berater ein offenes Ohr, und ein Faible für mutige Lösungen hatte.
Als da wären:
- Großzügiger Aufbau der Luftwaffe (den bsw.Frankreich versäumt hatte)
- Operation Weserübung, um die Erzlieferungen sicherzustellen
(Hätte die Marine sich nicht so armselig abschlachten lassen, wäre das ein voller Erfolg geworden)
- Sichelschnitt mit "Scheinangriff" über Belgien/Niederlande
-Eroberung Eben Emanel mit Spezialkräften
- Förderung mutiger Ideen und Generäle (Guderian, Manstein, Rommel, Dönitz,)
- weitgehend frei operierende Panzerverbände
- Ausstattung der Panzer mit Sprechfunk usw.
Da wo er gut beraten wurde, konnte er Erfolge verbuchen.
Wo er von Diletanten umgeben war, kam es zu Fehlern
- Luftversorgung der 6. Armee (die Ihm Göring versprochen hatte)
- Entsatz der 6. Armee (soll zumindest Manstein ztw. für möglich gehalten haben.)
- Zerschlagung der Briten in Dünkirchern durch die Luftwaffe (Göring)
- Kriegserklärung an die Amis (Ribbentrop, Dönitz)
- Feindaufklärung in Russland: Wußte man bei FHO wirklich nicht, daß die Russen deutlich größere Panzer und vor allem deutlich mehr davon hatten ?
(Es gibt da ein Gespräch, daß die Finnen "aufgenommen" haben; in dem Hitler 1942 davon spricht man habe 36000 (?) Tanks vernichtet ?
Und damit indirekt zugibt, man habe die Russen unterschätzt ?)
- Haben Ihm seine Marinefachleute jemals gesteckt, wie wichtig Murmansk war ?
- Hat Gehlen den Gegenangriff vor Moskau rechtzeitig vorausgesehen ?
-hat sich der RM für den Aufbau einer starken Jagdwaffe zum Schutz der deutschen Bevölkerung und Inustrie eingesetzt ?
Nach dem Scheitern vor Moskau wurde Hitler zunehmend mißtrauischer und selbstgefälliger.
Medikamente und Generäle (Jodl,Keitel) die wider besseren Wissens seine Maßnahmen und Entscheidungen unterstützen
taten ein übriges.
Generell würde ich sagen: Hitler war gerade in den Anfangsjahren des Krieges offen für neue Ideen und Entwicklungen;
Als militärisches Handwerk notwendig war (ab 1942) war Hitler zunehmend von Prestigedenken (Halten von festen Plätzen)
bestimmt.
Seine größten Fehler waren aus meiner Sicht,
die Überschätzung Mussolinis als Bundesgenossen
die unzureichend Ausrüstung der deutschen Wehrmacht mit Panzern, gepanzerten Fahrzeugen
Hätte man nur 1.000 Panzer mehr aufbieten können, hätte man sich 1941 nicht für Kiew ODER
Moskau entscheiden müssen, sondern hätte mit 2,3 Panzerdiviosnen weiter Richtung Moskau vorrücken können)
eine miserable Logistik (Nachschub)
wehrwirtschaftliche Fehler: statt auf Massenproduktion und große Stückzahlen zu setzen, versuchte man
durch Wunderwaffen und hochmoderne Waffen, den Gegner zu übertreffen.
Nur was bring es mir, meine Panzerproduktion umzustellen, einen nicht ausgereiften Panther nach Kursk zu schicken, der dann auch noch mit
Kinderkrankheiten kämpft, wenn im gleichen Zeitraum die Russen 10 T-34 produzieren,
die dann einsatzfähig sind. ?
Oder tolle Artillerie zu bauen,um Sevastopol niederzukämpfen, wenn dann Hunderte Soldaten mit einer Superrakete beschäftigt sind und
zig Eisenbahnwaggons damit beladen werden, die man auch anderweitig gebraucht hätte ?

The Real Blaze


28.3.03 10:07:47
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Dünkirchen war eine Verkettung von Zufällen und schließlich Hitlers richtige Erkenntnis, daß Mansteins Plan das einzige erfolgreiche Konzept, war um den Stellungskrieg zu vermeiden.
Der erste Plan sollte ebenfalls durch Belgien führen,aber nicht als Sichelschnitt Richtung Kanal.Durch eine Fehllandung(Rheinberger und Höhnmanns,beide Nichtraucher-->hatten keine Streichhölzer dabei um die Pläne zu verbrennen!) bei Mechelen gelangten diese Pläne in die Hände der Allierten.(Sie bereiteten sich auf Grund dieser Pläne in ihrer Verdeitigung entsprechend vor).Hitler tobte,als er davon erfuhr.Der Sichelplan Mansteins,der seit Ende November in einem Panzerschrank verschwunden war,weil Brauchitsch und Halder ihn als utopisch bezeichneten,gelang aber gerüchteweise zu Hitler,der nach einem Ersatzplan suchte.Am 24.2.40 wurde auf dem Sichelschnittplan hin,die ganze OP "Gelb" geplant.
Nur...erster Angriffstermin war schon der 19.November 39',den das defetistische Offizierskorps Hitler wieder ausredete.Zweiter Termin war der 17.1.40 den die Fehllandung bei Mechelen am 10.1 durchkreuzte.Was ich damit sagen will,wäre die Kuriermaschine nicht in Mechelen auf einem Sturzacker gelandet,hätte die Wehrmacht ohne Sichelschnitt angegriffen und womöglch viel länger gebraucht sich nach Frankreich reinzuboxen.Aber ich denkemal im Laufe des konventionellen Plans hätten trotzdem die moderneren Waffen der Wehrmacht den Ausschlag gegeben,dazu noch die jüngeren mutigen Panzerführer die wohl Durchbrüche egal wo ausgenützt hätten.Der Vorteil eines Angriffstermins vom 17.1 wäre noch ein anderer.Operation Weserübung wäre wohl ohne allierte Gegenlandung zu Stande gekommen,es hätte also kein Narvik-Fiasko gegeben zum Beispiel.
alles nur weil eine Me 108 sich verflog...
Dazu noch die gewonnene Zeit, die woanders später kriegsentscheident gewesen wäre...
mfg The Real Blaze

KrattMelder


16.4.03 14:30:04
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Hi Leutz,
für mich war Hitler als Oberbefehlshaber der Wehrmacht vollkommen sinnlos bzw. ein totaler Trottel. MAn hat ihm im ersten Weltkrieg gesagt, dass er keine Führungsperson sei und damit konnte er auch kein Offizier werden!
Angefangen bei dem Stop vor Dünkirchen, denn wenn er hier den Sack zugemacht hätte, hätte er die gesamte Armee der Briten gehabt, dann hätte er nur noch auf England landen müssen und den Sack entgültig zumachen müssen, dann hätten sich auch die Amis nicht eingemischt!
Später der totale Fehler zu schnell ins Landesinnere von Russland einzudringen und bei Lenningrad die Stadt sturmreif bomben zu lassen anstatt zu stürmen, wie es seine Generäle gesagt haben! Auch seine Treusten Freunde, wie Göring haben Fehler gemacht! 41 bei der Luftschlacht um England wäre die Me262 einsatzbereit gewäsen, doch Göring sagte, der Luftkampf ist ein Ritterkampf Mann gegen Mann!
Alles war der totale Sinnlosigkeit, unsere Spione waren nicht in der Lage die T34 zur orten und Hitler hat gesagt in 5 Monaten haben wie den Russen besiegt, ein vollkommender Schwachsinn!

schaefchen1971


16.4.03 14:43:16
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Hallo Krattmelder,
Hitler hat sicherlich gegen Ende des Krieges Fehler gemacht;
wo handwerkliches Können gefragt war,hat er Strategien aus dem 1. WK ausgegraben.
Ich denke mal er wollte die Allierten verbluten lassen, wie die Deutschen vor Verdun (im 1. WK)
Dumm nur, daß der Iwan von Manstein und Co.gelernt hatte, wie man sowas umgeht.
Ich persönlich finde aber Stalin war ein noch größerer Dilletatant (Kiew, Wjasma).

Indy


16.4.03 15:51:20
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Me-262 1941 einsatzreif?:tzzzz:

Axel43


16.4.03 18:06:32
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Dünkirchen ist wohl eher politisch als militärisch zu sehen, d h Hitler hat aus außenpolitischen Gründen seine Militärs zurückgehalten. Praktisch die gesamten Waffen der engl Armee gingen ja verloren, weswegen Hitler kühl damit rechnen konnte, daß diese Armee wenigstens für einige Zeit lahm sein würde. Die geretteten Soldaten waren dann ein guter Ausgangspunkt für einen Separatfrieden mit England.
Jodl, der auf diesem Gebiet Fachmann war,hat zwar viele Beschlüsse Hitlers kritisiert, war aber trotzdem von Hitlers militärischen Einsichten und unkonventionellem Denken beindruckt.
Es ist eine gewöhnliche Erfahrung, daß die Generäle immer den vorherigen Krieg führen.

The Real Blaze


16.4.03 19:19:24
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Dünkirchen war eine der wichtigsten Schnittstellen der 2WK Geschichte.Ein anderer Ausgang durch keinen Panzerstop war fast logisch.England hatte nur noch Ausbildungskader und sowas ähnliches wie unseren Volkssturm auf der Insel.Schon der Zeitpunkt Juni 1940 als Knock out für England,wäre welterschütternd gewesen.Selbst wenn sie den wohlwollenden Friedensvorschlag Hitlers angenommen hätten,wäre weltweit das koloniale Empire stückweise zerbrochen.Auf der anderen Seite hätte man sich den Afrikafeldzug gespart und Rommel kein Wüstenfuchs geworden.Er wäre wohl nur berühmt geworden,wenn England nicht eingelenkt hätte und die Landung durchgezogen worden wäre.
Mit dem Ausscheiden Englands wären eine Reihe von Ländern offiziell der Achse beigetreten.Die Einflusssphäre hätte im Süden von Französisch Westafrika bis zur persischen Ostgrenze gereicht.Das Öl des Nahen Ostens wäre nach Deutschland geflossen,weil England bei Raschids(Irak) Revolte nicht eingegriffen hätte.England hatte zu tun Indien zu halten und als besiegte oder besetzte Macht wäre das gegen die Japaner(aus Burma vorstoßend) nicht gelungen. Ghandi wäre wohl nie in der Welt bekannt geworden,denn er zog den Engländern alles vor,selbt eine japanische Armee.(großasiatische Idee)
Im Rücken frei im Osten mit dem Klassenfeind verbündet.Hitler hätte es beim kleinsten Anlass gewagt.Aber...Russland hätte eher unter dem Eindruck eines Sieges über England zurück gesteckt,als gierige Außenpolitik betrieben.Bessarabien hätten sie wohl deshalb nicht bekommen und Molotow wäre im November 40'(wenn er überhaupt gekommen wäre)viel kleinlauter gewesen als Balkanpositionen zu beanspruchen.
Ein Russlandfeldzug selbst wäre nach dem Ausscheiden Englands viel früher losgebrochen,weil es keine englisch inszenierte Jugorevolte gegeben hätte.Alles wäre nach Osten gerollt,Rommel nicht in Afrika sondern in der ukrainischen Steppe gekämpft.Wie das dann ausgegangen wäre liegt auf der Hand(keine englischen Konvois nach Murmansk oder über Persien)
Ob dann Amerika die Russen unterstützt hätte wäre mehr als fraglich gewesen und selbst wenn zwecklos.
Der U-Bootkrieg wäre 1940 bei einem Ausscheiden Englands(Frieden oder Besetzung) auch zu Ende gewesen.Entscheidente Ressourcen wären dem Heer zu gute gekommen.
Also das kann man noch weiter fortsetzen,letztendlich wiederlegt dieses Szenario die meinung jener leute die bis heute behaupten,daß Deutschland den krieg schon verloren hatte,als er begann.
mfg The Real Blaze
Laola-Smileys

Leutnant


16.4.03 22:19:04
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@ schaefchen1971
Stalin hat die wichtigsten Aufgaben immerhin seinen Generalen überlassen und nicht wie Hitler selbst Krieg "gespielt".

Indy


17.4.03 00:17:07
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@Real Blaze
Das mit Jugoslawien waren die Amis.
@Leutnant
Aber erst nachdem Stalin´41 Millionen Soldaten verloren hatte...
Davon mal abgesehen war Stalin auch ein jämmerlicher Feigling - oder hat der Genosse irgenwann mal die Front durch ein Scherenfernrohr o.ä. gesehen?

Gruß Phillip

KrattMelder


17.4.03 00:37:52
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War das ein Tipfehler? 41 millionen Soldaten????
Neuste Schätzungen gehen bis auf 25 millionen Tote auf Russischer Seit, von denen auch noch knapp 7 oder waren es doch "nur" 4 millionen Zivilisten? Naja aber die Russen waren genau wie wir ziemlich am Ende

Quintus


17.4.03 06:11:43
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@ Krattmelder:
Indy meinte: (19)41 hat Stalin den Verlust Millionen von Soldaten zu verantworten.

Gepostet von Axel43
Dünkirchen ist wohl eher politisch als militärisch zu sehen, d h Hitler hat aus außenpolitischen Gründen seine Militärs zurückgehalten.

Politische Beweggründe für das Anhalten des deutschen Vormarsches bei Dünkirchen durch Hitler werden immerwieder gern hineininterpretiert. Tatsache ist jedoch, dass keiner so richtig weiß, was Hitler bewog, seine Panzer anzuhalten.
Kein Historiker fand irgendwelche Dokumente oder Überlieferungen. Somit bleiben bloß Spekulationen, wobei das Gros namenhafter Historiker militärische Gründe anführt.
Siehe beispielsweise: Chester Wilmot "Der Kampf um Europa",
oder bei Richard Overy, auch Joachim Fest in "Hitler" Seite 892:
"Der Anhaltebefehl Hitlers, der zwar auf heftigen Widerstand im OKH stieß, doch vom Befehlshaber der Heeresgruppe A, v. Rundstedt, befürwortet wurde, lag vielmehr die Absicht zugrunde, die von den vierzehntägigen Kämpfen mitgenommenen Panzerverbände für die bevorstehende Schlacht um Frankreich zu schonen.
Görings renommistische Redensart, er werde mit seiner Luftwaffe den Hafen von Dünkirchen in ein Flammenmeer verwandeln und jedes anlegende Schiff versenken, bestärkten Hitler in seinem Entschluß."
*

Gepostet von KrattMelder
für mich war Hitler als Oberbefehlshaber der Wehrmacht vollkommen sinnlos bzw. ein totaler Trottel.

Hier möchte ich mal mit einer zitierten Passage betreffs erfolgreicher Frankreichfeldzug antworten.
Joachim Fest in "Hitler", Seite 897:
Gewiß lassen sich die Erfolge des Feldzugs nicht lediglich dem persönlichen Feldherrnverdienst Hitlers zugute halten, doch waren sie auch keineswegs nur das Ergebnis von Glück, Beraterverstand oder gegnerischem versagen. Die Bedeutung gepanzerter Verbände war während der dreißiger Jahre auch in Frankreich und anderswo erkannt worden, doch nur Hiler hatte die Folgerungen daraus gezogen und, nicht ohne Widerstände, die Wehrmacht mit zehn Panzerdivisionen auszurüsten; weit scharfsichtiger als seine in überkommenen Vorstellung befangene Generalität, hatte er Frankreichs Schwäche und demoralisierte Ohnmacht duechschaut,und wie gering sein persönlicher Beitrag zum Feldzugplan v. Mansteins auch gewesen sein mag: er hatte unverzüglich dessen Bedeutungerfaßt und das deutsche Operationskonzept danach umgestellt. Überhaupt bewies er, mindestens zu dieser Zeit, einen Blick für unkonventionelle Möglichkeiten, der durch seine autodidaktische Unbefangenheit noch geschärft wurde. Er hatte sich lange und intensiv mit militärischer Fachliteratur beschäftigt, seine Nachttischlektüre fast während der ganzen Dauer des Kriegesbestand aus Flottenkalendern und militärwissenschaftlichen Handbüchern. Aus seinem stupenden Gedächtnis für kriegsgeschichtliche Theorie und militärisches Detailwissen machte er wirkungsvolle Auftritte: Die Sicherheit, mit der er Tonnagen, Kaliber, Reichweiten oder Armierungen der verschiedensten Waffensysteme hersagen konnte,hat häufig genug seine Umgebung verblüfft und verwirrt. Gleichzeitig vermochte er diese Kenntnisse aber auch phantasievoll anzuwenden, er besaß einen durchdringenden Sinn für die Einsatz- und Wirkungsmöglichkeiten moderner Waffen, der gepaart war mit einem hohen Einfühlungsvermögen in die Psychologie des Gegners, und alle diese Eigenschaften kamen in sicher gesetzten Überrumpelungseffekten, in der treffenden Voraussicht taktischer gegenzüge sowie im blitzartigen Erfassen günstiger Gelegenheiten zum Ausdruck. [...] Nicht ganz zu unrecht hat man ihn einen der 'kenntnisreichsten und vielseitigsten militärtechnischen Spezialisten seiner Zeit' genannt, und sicher war er nicht nur jener 'kommandierende Korporal', als den ihn vor allem die hochmütigen Apologien eines Teils der deutschen Generalität später dargestellt haben.*
* Joachim Fest "Hitler - Eine Biographie", Verlag Ullstein GmbH & Co. KG, Berlin 1973.

Axel43


17.4.03 21:14:48
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Das Fehlen von Dokumenten erlaubt intelligente Spekulation, dh in diesem Falle die klassische Frage Cui bono ? Wem kommt es zugute ? Hitlers Lieblingswort war "rücksichtslos", dh besondere Rücksichtnahme auf die Panzertruppe liegt nicht auf der Hand, besonders da die Truppe selbst weiter wollte. Aber außenpolitisch gesehen gab es Vorteile, und da Hitler den Krieg immer unter politischen Gesichtspunkten sah (vgl Clausewitz, wie immer)scheint das mir eine logische Erklärung. Auch innenpolitisch war eine "weiche" Haltung zu England von Vorteil, speziewll in Norddeutschland.

Quintus


18.4.03 05:43:36
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Da hast Du schon recht, Axel43, aber, wie gesagt, die bedeutensten Historiker, die Hitlers militärisches und politisches Vorgehen analysierten - sich also herausragend mit der Person Hitler auskennen - führen militärische Gründe an.

waldi44


18.4.03 10:05:18
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Hitler brauchte "seine" Panzer für Frankreich, nicht für Dünkirchen und seine schlechten Erfahrungen mit dem flandrischen Morast aus dem 1. WK(den es in und um Dünkirchen aber nicht gab!) liessen ihn um dies und somit den Sieg über Frankreich, fürchten.
Somit war die "Rüchsichtnahme" auf die Panzer eine Rücksichtslosigkeit zugunsten einer anderen Operation. Dass er beides hätte haben können traute er der Wehrmacht nicht zu, so wie er hingegen Görings Lufzwaffe überschätzte!

The Real Blaze


20.4.03 12:43:21
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Ich habe neulich eine Erstausgabe des Landsers über Dünkirchen gelesen.Da wird das ganze Hickhack im deutschen Generalstab ausführlich behandelt.Auch wie die Guderian geschnitten hatten.Dabei spielten die flandrischen Sümpfe überhaupt keine Rolle.Es ging nur um Nachschub,Geostrategie und Hitlers Gedankenhergang der zum Panzerstop führte.Der erste Panzerstop ging ja auch nicht von Hitler aus!!! sondern von Rundstedt.Er wurde nach Rücksprache nur später bekräftigt und vorerst bestätigt.Dann als der Stop wieder aufgehoben wurde,sollte Dünkirchen ausgespart und nur beschossen werden,was auch wieder entscheidente Zeit verstreichen ließ.Letztendlich brachte das alles nicht und rollte zu spät durch.Die Chance auf einen Westsieg war durch eine Meinungskrise im OKW vertan.Man erkannte das ganze Ausmaß dieser vertanen Chance aber erst als man in Paris einrollte und von Küchler die Siegesparade abnahm.Den Panzerstop politisch auszuschlachten halte ich auch für einen Fehler.Innerhalb von 48 Stunden wo dieser Stop wieder schrittweise aufgehoben wurde,war kein Frieden machbar zumal es auch keine diplomatische Mission gab.Erst Tatsachen,also die Kassierung des ganzen Korps hätte ein Faustpfand geschaffen um England einen ernsthaften Friedensvorschlag zu unterbreiten.
mfg The Real Blaze

Quintus


21.4.03 05:51:27
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@ The Real Blaze:
Kannst Du die Nummer des Landserheftes nennen? (Dann erspar ich mir Stunden- oder gar Tagelanges wühlen)

The Real Blaze


21.4.03 12:09:34
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Heißt "Brückenkopf Dünkirchen" Nr.2332. In der Beschreibung wird auch von Hitlers Panzerstop gesprochen,aber im Heft wird der Hergang eben anders beschrieben,was auch mich erstaunt hat.
mfg The Real Blaze
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