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Holzkohlevergaser und Treibstoffknappheit

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AutorBeitrag

Indy


18.4.03 17:36:47
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Wieso hat man eigentlich nicht auch angefangen die Frontfahrzeuge (LKW...)auf Holzkohlevergaser und Co. umzustellen...den hochwertigen Sprit hätten ja Königstiger verfahren können...dadurch hätte man den mot.Grad auch wieder steigern können.

Gruß Phillip

Axel43


18.4.03 21:28:07
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Die Technik war damals noch ziemlich primitiv und unzuverlässig, spez. für militärische Aufgaben, abgesehen vom enormen Verbrauch an Holz/Holzkohle. Diejenigen, die diese Sache wohl am weitesten getrieben haben, waren die Schweden, die noch bis in die 1960iger Jahre immer neue Modelle und Aggregate entwickelt haben und für den Kriegsfall bereitgestellt haben. Die haben allerdings auch jede Menge Holz !

Balsi


18.4.03 21:44:52
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Im deutschen Bestreben nach Unabhängigkeit von Erdöl-Importen, gab die Reichsregierung schon frühzeitig Aufträge an die Industrie zur Entwicklung von Kfz.-Antrieben unter Verwendung heimischer Kraftstoffe. Als Brennstoff stand Holz, Holzkohle, Braunkohle, Anthrazit u.a. zur Verfügung. Der Kriegsausbruch beschleunigte die Entwicklung und Anwendung dieser sog. Gasgeneratoren in stärkstem Mafk. Der verbreiteste Kraftstoff war Holz, das über die »Gesellschaft für Tankholzgewinnung u. Holzabfallverwertung AG« über 3000 Holztankstellen (geplant) ausgeliefert werden sollte. Am 30.5.1942 wurde die »Zentralstelle für Generatoren« gegründet: Flüssigkraftstoff gab es nun nur noch für Frontfahrzeuge, Partei, Polizei u. dergleichen, für alle Heimat-Kfz. war durchwegs Generator-Betrieb vorgesehen.
Bis Kriegsende wurden ca. 200.000 Gasgeneratoren hergestellt, die hauptsächlich beim Ersatzheer (es gab sogar Fahrschul-Panzerkampfwagen mit Holzgasantrieb) beim RAD, der OT, dem NSKK und bei lizensierten Privatfirmen liefen.
Das Prinzip des Holzgasgenerators.
Im badeofenförmigen Gaserzeuger werden luftgetrockene, faustgroße Holzstücke unter Luftabschluß verschwelt. Das entstehende hochgiftige CO-Gas wird über Filter, Kühler und Gasluftmischer vom Motor angesaugt und hier mittels Zündkerze gezündet. Grundsätzlich war jeder Diesel- oder Ottomotor mit entsprechenden Umbautellen auf Generatorgas umzurüsten.
Die Beschickung, Reinigung und besonders das Anlassen mit dem Anfachgebläse waren eine recht langwierige und schmutzige Arbeit. Marktführer in Deutschland war die Fa. Imbert, Köln.
Der Kraftstoffverbrauch eines 5-Tonners auf 100 km betrug 100 kg Buchenholz bzw. 50 kg Anthrazit.
Der Leistungsabfall der Motoren wird mit ca. 20 % angegeben.

Quelle: Lastkraftwagen der Wehrmacht, Reinhard Frank, Karl-Müller Verlag

waldi44


18.4.03 23:36:41
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Da sieht man es mal wieder gaaaaanz deutlich: In Zeiten des Mangels wird der Mensch/die Menschheit kreativ, in Zeiten des Überflusses träge und denkfaul!
Kann man das auch auf die Evolution ganz allgemein ausweiten?

Indy


19.4.03 01:07:28
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Jetzt neulich lief auf RTL2 (NEIN, das ist nicht mein Lieblingssender!) eine Doku über Erfinder...
Zu Gast war dann auch ein Herr Jehrens, der Erfinder der Doppelschußpatrone, der seinen alten (Opel?) LKW mit Güllebriketts 'tankte'...diese Idee war aber erst bei Kriegsende erfolgreich...
Gab es evtl. Planungen des OKW/Hitler/... wo Holzvergaser verstärkt eingeplant wurden?
Es ist doch immer noch besser einen LKW mit o.g. Problemen zu fahren als gar keinen.
LKWs kann die Industrie ohne Probleme bauen, nur halt nich das nötige Benzin dazu, auf welchen die Luftwaffe noch vielmehr angewiesen ist. Wie hätte die Situation beim Heer ausgesehen ,wenn man Ende ´44, wo man nur noch ca. 16% der bisherigen Treibstoffproduktion hatte, Troßfahrzeuge u.ä. auf Holz umgestellt hätte?
NSU hat ja selbst fürs KettenKrad eine entspr. Anlage konstruiert.

Wo wir hier schon beim Thema Treibstoff sind:
Wieweit gingen die Forschungen am 'perpetuum mobile'?
Den einzigen offiziellen Bericht darüber hab ich von Kriegsanfang...wurde die Arbeiten im Krieg eingestellt?

Gruß Phillip

Balsi


19.4.03 07:01:50
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also ich hab in der Schule gelernt, das ein "perpetuum mobile" nicht möglich ist, sprich ein Gerät, das einmal in Bewegung gesetzt wurde und fortan ewig weiterlief, ohne Zuführung von neuer Antriebsenergie....

Quintus


19.4.03 07:03:42
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Indy


19.4.03 12:27:03
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Das Problem des perpetuum mobile 2.Art Vortrag am 6.2.40 im NSBDT-Wien
Dr. Ing. Rud. D.
meine damen und herren!
Herr GFM Göring hat die wissenschaftler, ingenieure und erfinder aufgerufen, in dieser schweren zeit des existenskampfes des dt. volkes ihr geistiges rüstzeugin den dienst der guten sache zu stellen...
ich würde es mit interesse der forschung und der wissenschaft begrüssen, wenn meine weiteren arbeiten auf diesem gebiet entspr. gefördert würden...
mir ist es physisch und finanziell kaum möglich, dieses sicherlich interessante problem allein zu lösen. es gibt noch auf theoretischem und praktischem gebiet viel zu arbeiten, um dieses verfahren endgültig in die praxis einzuführen...
aber wie der soldat an der front, der flieger in der luft und der seemann selbst unter wasser in der jetzigen zeit ihr bestes hergeben müssen, so sollen sie auch mich nicht müßig sehen, ein einmal aufgegriffenes problem zu ende zu führen...
ich glaube, dass es der mühe wert ist, eine neue idee zur wirtschaftlichen krafterzeugung unserem großen vaterland gerade in dieser schweren zeit zu bringen...

Fritz Hahn, 'Waffen und Gehemwaffen des dt.Heeres' S.184

Axel43


19.4.03 20:13:31
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Das erste Auto, mit dem ich überhaupt gefahren bin, war ein LKW mit Generatorgasantrieb. Es muß etwa 1947 gewesen sein. Ich nehme an, es war ein Opel Blitz. Ich erinne mich noch an den großen Kessel hintendran.
Der Verschleiß der Motoren soll allerdings viel höher als normal bei diesem Antrieb gewesen sein (bilde ich mir ein).
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