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Panzerjägerkanone 3,7 cm - Panzeranklopfgerät

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AutorBeitrag

waldi44


4.5.03 23:05:35
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Das Panzeranklopfgerät
Nach dem 1.Weltkrieg erkannte man in der Reichswehr schon sehr schnell, die Bedeutung
der neuen Panzerwaffe. Deutschland, bzw dessen Heer, hatte als erstes Land die Macht eines
massierten Panzerangriffs erleben müssen und stand dieser neuen Waffe fast wehrlos ge-
genüber.
Um das in einem zukünftigen Krieg zu vermeiden ging man in der neuen Wehrmacht schon
frühzeitig den Weg, im Geheimen natürlich, eine Panzerabwehrwaffe mit entsprechenden
Strukturen zu schaffen.
Das Ergebnis war die "Tankabwehrkanone" 3,7 cm mit Spreizlafette, die man korioser weise
trotz Geheimhaltung(es fanden noch nicht einmal Truppenversuche statt) doch den Russen in
Kummersdorf vorführte, die von der Kanone so angetan waren, dass sie die Lizens dafür er-
warben und das Teil selber bauten- später sogar bis Kaliber 4,5 cm!
Die Kanone wurde dann ab den frühen 30er Jahren in die Wehrmacht eingefürt und erhielt den
Namen Panzerabwehrkanone (statt Tankabwehrkanone). Zwecks kostengünstigen Schiesstrai-
ning, gab es einen 5,6 mm Kleinkaliber.
Mit der 0,685 kg "schweren" Granatpatrone konnte man auf einer Entfernung von 500 m bei ei-
nem Aufschlagwinkel von 60° 29mm Panzerstahl durchschlagen, was bereits mitte der 30 Jah-
re schon nicht mehr ausreichend war, da der 1930/31 eingeführte französische Panzer D-1
über eine Frontpanzerung von 40mm verfügte!
Weitsichtige Kreise verlangten schon damals ein grösseres Kaliber, von mindestens 5 cm und
es gab auch ettlicher verheissungsvolle Versuche, die aber alle nicht weitergeführt wurden.
Der Bestand dieser zwar guten, aber unzureichenden Waffe stieg bis 1938 auf 8449 Stück
und Monatlich kamen 120 dazu. Mit ein Grund, warum man einfach "weitermachte"!
Ein weiterer Grund war die Fehleinschätzung durch die Ergebnisse des spanischen Bürger-
krieges, wo man nur auf leicht gepanzerte Fahrzeuge traf und diese erfolgreich bekämpfen
konnte und somit die Meinung vertrat, das Geschütz reiche zur Panzerabwehr aus!
Zum Kriegsbeginn verfügte die Wehrmacht über 11.200 3,7 cm Pak, bei einer monatlichen
Auslieferung von 309 bis 371 Stück. Davon verlor man im Polenfeldzug 94 Stück und ver-
schoss 1.793.000 Schuss - worauf haben die bloss geschossen?
Beim Überfall auf den Westen verfügte man schon über 13.131 Geschütze, was bei ca.
3.400 Feindpanzer ein Verhältnis von 4 : 1 ergab, aber diese hatten eine Frontpanzerung
von 40 bis 80 mm. Da half nur noch ein Schuss aus allernächster Nähe oder von der Sei-
te bzw hinten und mehrmals half das auch nicht, so dass es teilweise durchaus zu sehr
brenzlichen Situationen kam, die nur durch das Eingreifen grösserer Kaliber(10,5 und 8,8
cm Haubitzen und Flak) bereinigt werden konnten!
Um diesen Mangel zu beheben, wurde die 3,7 cm Panzergranate 40 entwickelt, die zwar
auf 400 m 37 mm Panzerstahl durchschlug(auf 100 m sogar 64 mm). Wurde die Entfernung
grösser, wurden die Werte eher schlechter- also keine Lösung!
Die Munitionsausstattung bestand aus:
120 Panzergranatpatronen
30 Panzergranatpatronen 40
100 Sprenggranaten
Zu Beginn des Russlandfeldzuges gab es zwar schon die 5 cm Panzerabwehrkanone 38
aber nur mit 1047 Stück. Demnach standen den geschätzten 18.000 russischen Panzern
jeweils nur eine unzureichende Panzerjägerkanone gegenüber. Neuer Name für alten
Schrott, den man spöttisch auch "Panzeranklopfgerät" nannte, weil man mit diesem Kanön-
chen gegen die schon Vorhandenen T-34 und KW Panzern(Panzerund von 45 bis 100
mm) nichts mehr ausrichten konnte!
Wieder wurde improvisiert und man entwickelte die Stielgranate 41, ein Überkaliberge-
schoss, dass auf das Rohr aufgesteckt wurde, ähnlich einer Gewehrgranate. Das
Geschoss wog 8,5 Kg! Damit war es zwar möglich eine Panzerung von 180 mm zu
durchschlagen, aber nur bis 100 m(!)
Die schlechten "Panzerabwehreigenschaften" dieser "Panzerabwehrkanone" führten
örtlich zu einer gewissen Panzerpanik unter den deutschen Truppen, wenn man auf die-
se "Panzerabwehr" angewiesen war!
Deshalb wurde die Fertigung dieser Kanone im März 1932 eingestellt. Lediglich Ersatz-
teile wurden noch gebaut. Sie blieb aber bis Anfang 44 im Fronteinsatz und wurde spä-
ter vom Ersatzheer, dem RAD und Volkssturm/Alarmkompanien genutzt. Im November
44 gab es noch 1.309 Kanonen.
Ein sehr schönes Beispiel, mit welchem Schrott man die Soldaten in den Krieg schickte!

Axel43


5.5.03 16:30:26
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Waldi sollte vielleicht auch die (Mauser) Panzerbüchse, die schon Ende des 1. Weltkrieges entwickelt wurde und wohl auch noch zum Einsatz kam, erwähnen. Es handelt sich also hier nicht um ein Geschütz sondern um ein großkalibriges Gewehr. Ich glaube, es kam noch 39 zum Einsatz. Auch auf englischer Seite gab es so ein Gewehr (Boys).

Leutnant


5.5.03 21:47:55
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Zum Thema Panzerabwehr kann ich das Buch von Oberst (ja Oberst!!) Walter Nehring aus dem Jahr 1937 empfehlen. Darin wird noch das Kaliber 20 mm propagiert...dieses als Maschinenkanone eingesetzt sollte alle Panzertypen stoppen, aber auch die Idee der Panzerabwehr aus der Luft wird bereits erwähnt.

waldi44


6.5.03 00:26:27
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Bei diesem Beitrag ging es mir weniger darum etwas über die Panzerabwehr als solche zu schreiben, denn dann wäre ich ja auch um die 8,8 nicht rumgekommen ;), sondern ich wollte mal wieder eines der vielen Probleme, mit denen die Wehrmacht und somit der einfache Landser zu kämpfen hatte aufzeigen und das ihm von seiner Führung (nicht mal von Hitler) eingebrockt wurde!
Da wurde eine völlig untaugliche Waffe produziert(für diesen Krieg und zu dieser Zeit 1939- 1942) und schlimmer noch, man schickte die Soldaten damit gegen zT. weit überlegene Gegner ins Feld und hoffte, dass sie es schon schaffen würden!
Je mehr ich mich damit beschäftige, um so mehr bröckelt da das Bild von der Überlegenheit der deutschen Wehrmacht und seiner Führung und übrig bleibt ein verarschter und verheizter Lanser!

Sniper_74


6.5.03 15:21:16
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Ich habe auch einiges über diese kleine Taschen-PAK gelesen. Auch, daß sie vollkommen nutzlos gegen mittler bis schwere Panzer war.
Aber so wie ich das Kaliber einschätze, sollte es doch locker durch einen SPW oder LKW oder einen Schild einer Ratusch-Bum und sogar eines T-26 durchkommen. Es braucht ja nicht mal viel Sprengkraft, sondern ein Vollmantelgeschoß, das einfach durch die Panzerrund dringt und die Besatzung erledigt.
Auch was das Teil "nur" 450kg schwer, was sie zu einen fast transportablen Gerät machte.
Abgesehen davon, wurde die Effektivität ja "schnell" bemerkt, als die Panzerwaffe die des I.WK übertroffen hatte (die Franzmänner hatten auch noch echt alte Kisten aus dem vorherigen Krieg) und somit wurden die Geräte ab Ende 1940 gegen die zumindest etwas bessere 5-cm PAK 38 ausgetauscht. Daß die 12 Geschütze/Kompanie nicht von heute auf morgen ersetzt werden konnten ist klar, oder?
Da die PAK 38 ja auch bald getauscht werden mußte, muß ich ja nicht erst erwähnen..
Bis bald
Ich bin ...Smiley mit dagegen-Schild

Axel43


6.5.03 19:37:38
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Panzer und Pak stehen wohl in dem selben Verhältnis zueinandet wie Schiffspanzer und Schiffsartillerie, d h es war ein ständiges Hinundher zwischen verbesserter Panzerung und größeren Geschützen. Und, wie schon mehrmals gesagt, wenn man von einem kurzen Krieg ausging, und das tat man, so war das Panzeranklopfgerät immerhin noch passabel. Die Finnen hatten 39-40 noch gute Erfolge mit ihren 20 mm Lahti PAKs. Dann aber kam der große Sprung vorwärts, so wie es in der technischen Entwicklung oft vorkommt (vgl Dreadnought !), und damit war dann alles andere veraltet.
Der technische Stand der Wehrmacht allgemein war 1939 noch sehr eindrucksvoll. Dann aber haben die Feinde sehr schnell aufgeholt, und dann auch überholt.

sniper 74


8.5.03 20:42:47
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Hmm,
ich will nun keine Grundsatzdiskussion starten, aber ich habe mal gehört und bestätige es mir selber immer wieder und IHR wißt es auch alle...
Die Wehrmacht ist NIEMALS zuvor so schlecht gerüstet in einen Krieg gezogen!!!!
Die Propagandamaschine hat ja alles hochgelobt und die kleinen Einheiten, die gut bestückt waren vor die Linse gelockt. Aber wie Waldi schon öfters betont: Es tut weh, daß der Landser sich mit solch einem SCHEISS herumschlagen mußte.
Bilder vom Anfang des Krieges zeigen 100e verschiedene Geräte, die zusammen geschustert, von Schrott geholt, beschlagtnahmt oder sonstwie geklaut/erbeutet worden sind.
Aber, es mag auch schon oft behandelt worden sein, aber ich bin nicht überzeugt, daß der Krieg nur kurzfristig geplant war. Ich bin überzeugt, daß Korruption von Politik und Industrie, den Kriegsverlauf- und ausgang entscheidend beeinflusst haben.

Leutnant


9.5.03 17:34:47
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Die Theorie ist schön und gut, aber ist das durch (Primär-)quellen nachweisbar? Ich wage dies zu bezweifeln. Ein interessanter Aspekt - im Gegensatz zur Militärtechnologie - ist die wirtschaftliche Ausrichtung auf den Krieg, aber das passt leider hier nicht zum Thema.

Balsi


9.5.03 17:52:23
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hier mal ne Übersicht zu dem geschütz: http://balsi.de/37pak.htm

sniper 74


10.5.03 00:58:19
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@Leutnant
- über das Thema, daß der 2. WK nur die Rache für die Schmach vom 1. WK war und daher nur zur Sanierung gewisser Unternehmen und Parteigenossen geführt hat, wurde schon genug diskutiert. Ich denke nur Hitlers Tagebücher werden darüber Aufschluß geben. Ansonsten ist in einem Board, neben techischen Daten eh alles nur reine Mutmassung.
@Balzi
- Du hast für alles ne passende Seite, was? Gut zu wissen :D
@Thema
zu Balzis Link: GANZ unten, im Mai 45, wurde erwähnt, daß die 3,7cm PAK zu was gut war: zum Beschissen von "Softtargets"
Na immerhin etwas :D
Was für eine Wirkung hatten denn diese kleinen Sprenggranaten? (nein, nicht das plötzliche Ableben der getroffenen Person)
Ich bin ... Smiley mit dagegen-Schild
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