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was zum Thema Pferde in der Wehrmacht

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AutorBeitrag

Balsi


2.7.03 10:51:11
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folgender Artikel stammt von Wilhelm Pregler:
Ich habe die Treue, Einsatzbereitschaft und Genügsamkeit unserer Pferde im Krieg als unentbehrliche Helfer miterlebt, hatte ich doch als Komp.Chef einer bespannten ID als Soll-Bestand über 65 Pferde im Dienst. Alle Tiere sind entkräftet oder erschossen umgekommen. Es war grausam und traurig! Untenstehender Artikel ist mir aus dem Herzen geschrieben.
Ferdinand Schröder, München

Was nur noch die Alten wissen, muss hier einmal gesagt sein. Eine MGK, wie wir, die 8. Komp. des IR 170, war bespannt. Die Kompanie hatte so etwa 120 Pferde, wir aber marschierten zu Fuß. Ich selbst war Granatwerferführer und jeder Granatwerfer wurde von einem Zugpferd mit einachsigem Karren gezogen. Dazu kamen drei Munitionswagen mit je 2 Zugpferden. Der Zugführer, sein Vertreter und die drei Gruppenführer hatten je ein Reitpferd.
Mein erster und letzter Ritt war seinerzeit nach dem Balkanfeldzug in Belgrad. Diese Pferde marschierten mit uns durch Polen, Luxemburg, Belgien, Frankreich, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, Griechenland, Ukraine bis in den Kaukasus und wieder zurück. Die Kilometerzahl möge jeder selbst ausrechnen.
Im Raum Dsankoi, nach dem ersten Rückmarsch von der Krim, kam für meine unmittelbare Umgebung noch ein herber Schlag. Unsere Pferde, die Tag für Tag nur für uns da waren, die treuergeben ihre Lasten zogen, die Unmenschliches, um nicht zu sagen Untierisches ertragen mussten, waren am Ende ihrer Kraft. Längst gab es keine Reitpferde mehr und russische Beutepferde wurden eingesammelt und eingespannt.
Mein Munitionswagenfahrer hieß mit Vornamen Wilhelm. Er und seine eigenen zwei Ackerpferde, schweres belgisches Kaltblut, wurden gemustert und dienstverpflichtet, wobei man das Zugeständnis gab, dass Wilhelm bei seinen Pferden, die er einst selbst großzog, bleiben durfte. Längst war die Mehrzahl unserer aktiven Pferde tot und jetzt bei Dsankoi kam Wilhelm mit seinen eigenen Pferden nicht mehr weiter. Das Sattelpferd, Hans, war schon wiederholt zusammengebrochen. Jetzt lag es im Schlamm der Rollbahn und war einfach nicht mehr auf die Beine zu bringen. Stallmeister und Veterinär wurden gerufen, doch beide sahen keine Hoffnung mehr. Hans war "ausgelaugt' und die Anweisung zum Töten war gegeben. Das Pferd war zwischenzeitlich aus dem Geschirr geschnitten und reagierte weder auf Zucker noch auf die Flüsterungen seines selbst vor dem Zusammenbrechen stehenden Herrn.
Der Fahrer Wilhelm war ein Bild des Jammers wie er so am Kopf seines Pferdes im Schlamm kniete und die Tränen ihm während des Betens über sein altes Gesicht rollten. Das Handpferd Liese wusste genau um die Situation und ständig war ein pferdeliebender Landser bei ihr, um sie zu beruhigen. Sie wurde ausgespannt und zu Hans geführt, den sie zärtlich an Kopf und Hals beschnupperte. Doch wenn sie mit ihren Nüstern dem Schlamm zu nahe kam, konnte sie empört schnauben.
Die Kompanie musste weiter. Selbst Futter- und Schirrmeister
heulten wie junge Hunde und sie waren die Rauhesten der Kompanie. Wilhelm bat mich um meine Pistole - mit seinem Karabiner wollte er es nicht tun. Jeder von uns klopfte mehr oder weniger zärtlich den Hals des Pferdes, dann marschierte die Kompanie weiter.
Später meldete sich Wilhelm zurück, aber es war nichts mit ihm anzufangen. Neben Liese war ein fremdes Pferd eingespannt. Vier Wochen später lag Liese tot im Stall. Im Kaukasus, in der Atakakaskajaschlucht wurde der Tross von Partisanen überfallen und Wilhelm erschlagen.
Ich erinnere mich eines Regimentsbefehls, der vor der angetretenen Kompanie nach dem Kommando "Helm auf" verlesen wurde. Sinngemäß wurde folgendes angeordnet:
"Höchste Anerkennung und größtes Lob allen Pferden für ihre Hingabe und Leistung. Bei allen Marschpausen müssen zuerst die Pferde getränkt und gefüttert werden. Vorher darf keine Verpflegung für die Mannschaft ausgegeben werden. Tunlichst ist nicht mehr vom Fressen und Saufen der Pferde zu sprechen, sondern vom Füttern und Tränken. Es wurden die Namen der verstorbenen Pferde verlesen."
Man mag über eine solche Anordnung lächeln, aber sie ist ein Maßstab für das Verhältnis zwischen Pferd und Mensch in der damaligen Zeit.
Wilhelm Pregler
Quelle: Das Riitterkreuz 1/2003

indy


2.7.03 14:21:09
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Das glorreiche Team von 'FRONTAL 21' meinte ja auch kürzlich wieder ihre moralisch hochwertige Meinung kund tun zu müssen.
Es ging um Kriegsverbrechen der Gebirgstruppen, diese hatten nun ein Denkmal für ihre Muhlis in Garmisch (oder Mittenwald?) aufgestellt...konnte man natürlich nicht verstehen das man "Tieren" ein Denkmal setzt, während die Opfer von Kriegsverbrechen keins kriegen...

Sniper


3.7.03 02:08:50
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Sind die armen Tiere nicht auch irgendwie Opfer von Kriegsverbrechen? Welches normale Pferd würde wohl freiwillig mit einem Munitionswagen von links nach rechts und wieder zurück durch Europa ziehen?
Es sollte viel mehr solcher Gedenkstätten geben!

Axel43


3.7.03 17:14:43
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"Das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde", oder so ähnlich hieß wohl ein Buch über Pferde beim Militär, herausgegeben in den 30iger Jahren; ich erinnere mich es als Kind gelesen zu haben. Man vergißt leicht, daß die Wehrmacht/Heer weit in den Krieg hinein und teilweise noch bis zum Ende Pferdebespannt war, nicht zumindest die Artillerie. Und ein besonderes Verhältnis zwischen Mensch und Pferd hat es wohl schon immer gegeben. Dabei soll allerdings nicht vergessen werden, daß Pferde sehr empfindliche und resursenbedürftige Tiere sind, was natürlich im Krieg zum Problem wird.

sniper 74


11.7.03 10:10:18
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Ich nu wieder...
Der andere Sniper, bin nicht ICH !!
Ich persönlich habe keinen besonderen Bezug zu Pferden, weil die so groß sind und der Rückwärtsgang so schwer rein geht.
Aber es ist eine Tatsache, daß Europa zwar industialisiert war seit der Erfindung der Dampfmaschine, aber ebenso war es unmöglich jedem Einwohner einen VW zu schenken.
Die Gäulen gehörten sogar noch ins Stadtbild wie ein Fahrrad in Peking.
Ein Artillerist, der sich bei Leningrad eingebuddelt hat, sagte mir mal, daß fast die komplette Ari mit Pferden ging, bis zum bitteren Ende. Aber auch die anderen Einheiten, ausser PZ und mot, hatte alle zum größten Teil Fuhrwerke.
Als nächstes sollten wir einen Bericht über Hundeführerstaffeln bringen und ein Denkmal setzen, dem besten Freund des Menschen. Sowas gabs doch auch? Bei den Russen auf jeden Fall !

FritzR


30.7.03 16:30:01
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Hallo!
Das Thema Pferde gehört wirklich mit zu einem der Hauptthemen bei Waffen und Geräte der Wehrmacht.
Bei den 10 Mill. Soldaten, die die Wehrmacht in ihren besten Zeiten hatte, war gleichzeitig ein Bestand von 2Mill. Pferden vorhanden. Stellt man sich das mal bildlich vor, so hatte jeder fünfte Soldat ein Pferd an der Hand! Also ohne Pferde wäre die an sich schon untermotorisierte Wehrmacht völlig inmobil gewesen!
Selbst mot. Divisionen griffen auf Pferde zurück. Mein Vater war Nachschubfahrer (Opel Blitz) in der 10. SS PzDiv "Frundsberg". Als die im Frühjahr 1944 nach Lemberg verlegt wurde, wurde die 3. Nachschubkompanie wieder auf Pferdebespannt umgerüstet!
Später in der Normandie hat er auch überall bespannte Einheiten und haufenweise pferdebespannte zusammengeschossene Artillerieeinheiten gesehen.
Also ohne Pferde hätte die Wehrmacht gar nicht in den Krieg ziehen können.
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