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Enigma

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AutorBeitrag

Balsi


25.1.02 07:54:07
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Hab den Thread mal hierhin verschoben um das auch alles einheitlich zu lassen...
habe mir eine Spezialausgabe des Spektrum-Magazins (4/2001-Sonderheft - Dossier bestellt ... dort geht es ausschliesslich um Kryptographie, dabei in spezieller Weise um Enigma und der heutigen verschlüsselung... werde dann mal zu den Dingen den ein oder anderen Kommentar scannen...ist ein interessantes Thema und wohl ja augenscheinlich ein wichtiger Meilenstein im Krieg

DER Alte


25.1.02 15:05:04
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ich hatte die Ausgabe am Kiosk auch schon in den Händen aber hat mir net so zugesagt.

xmen


25.1.02 17:26:39
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Oh das ist interessant, mal grundsätzlich habe ich persönlich nichts von der Enigma gehalten und auch heute zeigt uns doch die Tatsache das ständig alles geknackt wird das es mit solchen techniken keine Sicherheit gibt!:)

waldi44


1.2.02 19:31:18
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Wie britische Codebrecher Hitler besiegten
Kryptografie, der Schlüssel für das neue Jahrtausend - Heute: Die verlorene Luftschlacht der Deutschen gegen die Engländer
Von Christiane Schulzki-Haddouti

Um Funksprüche zu verschlüsseln, benutzten die Deutschen im 2. Weltkrieg die Chiffriermaschine Enigma.

Foto: Schulzki-Haddouti

Nur zwei Monate dauerte die legendäre Luftschlacht über England im Jahre 1940. Dann hatten die Briten Hitlers Wehrmacht geschlagen. Der Sieg war vor allem ein Sieg der Kryptologen. Wussten doch die Engländer dank ihrer Experten zur gleichen Zeit wie die deutschen Empfangsstellen von den Plänen «Adler» und «Seelöwe». Sie wussten auch, dass Hitler England als Basis gegen Deutschland ausschalten wollte. Wenn nötig, wollte Hitler sogar England vollständig besetzen, wenn im Frühling 1941 der Angriff auf die Sowjetunion erfolgen würde.
Im Juni 1940 befand sich England allerdings in einer nahezu aussichtslosen Lage: Die Armee hatte kaum Waffen, die Luftwaffe war schwach, allein die Marine war gut ausgerüstet. Umso wichtiger war es, die deutschen Pläne zu kennen. In Bletchley Park versammelten sich deshalb die besten britischen Kryptologen und Mathematiker, um die deutschen Funksprüche zu entziffern.
Die meisten Sprüche waren mit der Enigma verschlüsselt, die die Reichswehr ab 1934 als Standard-Chiffriermaschine einsetzte. Auf der Basis der Kryptierscheibe hatten Ende des 19. Jahrhunderts Erfinder wie Wheatstone oder Bazier diese sogenannten Kryptografen entwickelt.
Noch im Ersten Weltkrieg verschlüsselten die Deutschen ihre Nachrichten mit Hilfe von Codebüchern, eine Art Telefonbuch, in dem ein Originalwort durch eine bestimmte Zeichenabfolge ersetzt wurde. Der Schwachpunkt dieser Methode lag darin, dass jeder, der über das Codebuch verfügte, die ganze verschlüsselte Kommunikation entziffern konnte. Dies war dann auch der Fall: Die Russen brachen die deutsche «Magdeburg» auf der Baltischen See auf, fanden das Codebuch der deutschen Marine und gaben es an die Briten weiter. Diese konnten so alle Marinenachrichten während des Krieges entschlüsseln. Für den Sieg über die deutsche Flotte war dies entscheidend.
Nicht zuletzt das «Magdeburg»-Desaster führte dazu, dass man nun nach einem neuen Verfahren suchte. Hinzu kam, dass die bisherigen Chiffriermethoden personal- und zeitaufwendig waren. Mit der neuen Chiffriermaschine sollte das anders werden. Die Enigma war die im Zweiten Weltkrieg meist gebrauchte Chiffriermaschine auf deutscher Seite. Etwa 100 000 bis 200 000 Stück waren im Einsatz. Zu Kriegsbeginn 1939 ging man davon aus, dass hochqualifizierte Mathematiker mehr als einen Monat brauchen würden, um die Lösung für einen Schlüssel zu erhalten, der allerdings jeden Tag gewechselt wurde.
Die Standard-Enigma bestand aus vier rotierenden Chiffrierwalzen, einer Umkehrwalze, einem Steckerfeld und einem Glühlampenfeld. Entsprechend den 26 Buchstaben des Alphabets besaßen die Chiffrierwalzen auf jeder Seite 26 Kontakte. Jeder Kontakt war mit einem Kontakt auf der anderen Seite der Walze durch innere Verdrahtung verbunden. So wurde ein Buchstabe mit einem anderen vertauscht.
Acht Walzen standen zur Verfügung und konnten beliebig vertauscht werden. Gab der Funker nun einen Buchstaben auf der Eingabetastatur ein, wurde der Strom auf den entsprechenden Kontakt der ersten Chiffrierwalze geleitet. Er wurde dann über die Kontakte durch die anderen Walzen umgeleitet. Die letzte Walze, eine sogenannte Umkehrwalze, reflektierte den Stromfluss und lenkte ihn erneut durch die Walzen. Das bewirkte, dass ein Buchstabe nicht in sich selbst umgesetzt werden kann.
Für die Codebrecher von Bletchley Park war das ein wesentlicher Ansatzpunkt, um die Enigma zu entschlüsseln. Am Ende des Verschlüsselungsdurchgangs leuchtet auf dem Glühlampenfeld der Geheimtextbuchstabe oder bei Entschlüsselungen der Klartextbuchstabe auf. Da sich die Stellung der Walzen bei jedem Schritt ändert, wird ein Alphabet durch viele andere verschlüsselt. Dadurch erreicht man eine sogenannte polyalphabetische Substitution.
Die Entschlüsselung der Enigma wurde erheblich dadurch beschleunigt, dass der Spion Hans-Thilo Schmidt den Franzosen Chiffrierunterlagen der Enigma übergab. Die Franzosen gaben diese an die Polen weiter. Damit konnten die Polen, die bereits in den zwanziger Jahren eine Enigma abgefangen und analysiert hatten, Entzifferungsmaschinen bauen. Diese sogenannten Bombars bestanden aus mehreren parallel geschalteten Enigma-Maschinen.
Nach der Niederlage Polens unterstützten die polnischen Kryptoexperten ihre Kollegen in Bletchley Park. Der Mathematiker Alan Turing konstruierte dort die britische Bomb, eine große elektro-mechanische Maschine, die die Entschlüsselung wesentlich beschleunigte. Sie verglich parallel viele Buchstaben miteinander und prüfte, ob bestimmte Wörter, die die Deutschen oft in ihren Funksprüchen benutzten, auftauchten.
Eine zusätzliche Hilfe für die Entzifferer war, dass die deutschen Funker bis 1940 die Ausgangsstellen ihrer Walzen doppelt übermittelten: Erst im Klartext, dann noch einmal chiffriert. Die Zeitspanne zwischen dem Abhören eines verschlüsselten deutschen Funkspruchs und seiner Entzifferung wurde mit Hilfe immer effektiverer Maschinen von vielen hundert schließlich nur auf wenige Stunden verkürzt.
Aufgrund ihrer Entzifferungserfolge konnten die Briten die Aufstellung der feindlichen Luftkampfverbände erfassen und Görings Absichten erkennen: Er wollte mit Luftangriffen so viele britische Jäger wie möglich auf sich lenken und sie so innerhalb weniger Tage in der Luft und am Boden zerstören.
Da die Briten davon wussten, konnten sie eine wirksame Abwehrtechnik erarbeiten: In einem Angriff wurden nur gerade so viele Jäger entgegen gestellt, um gerade noch standhalten zu können. Die Piloten stiegen oft bis zu dreimal am Tag auf und kämpften gegen eine zehnfache Übermacht. Die Royal Air Force (RAF) akzeptierte diese Verteidigungspolitik nur zögernd, da sie den Grund nicht wusste.
In Bletchley Park wurden die Verluste der deutschen Luftwaffe errechnet und die Zeit abgeschätzt, bis Göring seine Angriffe aufgeben musste. Am 15. September 1940 brachten die Entzifferungen der Funknachrichten die Entscheidung: Göring war davon überzeugt, dass der englische Bestand an Jagdflugzeugen zerstört war. Daher schickte er alle zur Verfügung stehenden Kräfte in den Kampf.
Dem RAF-Kommando waren aber Datum, Stunde und Angriffsräume bekannt. Daher konnte es alle Flugzeuge zusammenziehen und die massiven Angriffe zurückschlagen. Am 17. Dezember entschlüsselte Bletchley Park einen Befehl Hitlers zur Räumung der Landebasen auf den niederländischen Flugplätzen. Damit war die Schlacht um England gewonnen und die Invasion abgewendet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gaben die Briten die erbeuteten Enigmas an die Commonwealth Staaten, unter anderem Indien und Pakistan. Erst 1974 erfuhren die Deutschen durch eine britische Veröffentlichung, dass die Enigma geknackt worden war.

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:flamethrower:
Enigma

bobo


21.2.02 22:34:35
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Gibt es eigentlich eine Software, um alte Code´s der Deutschen (Enigma) z.B. einzugeben, und dann die Übersetzung zu erhalten?

xmen


22.2.02 07:24:09
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glaub ich kaum aber im Hein Nixdorf Forum Paderborn gibts eine Ausstellun zum Thema Codes und natürlich der Enigma
Link:)
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