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Zünderstellmaschine

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AutorBeitrag

Richtschuetze


21.4.04 12:26:57
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Habe eben ein Buch von einem Kollegen gekauft(Die 8,8 Flak im Erdkampf)
Jetzt habe ich eine Frage was ist die Zünderstellmaschine!?
Wie muss ich mir das "arbeiten damit vorstellen"?
Das die Granaten eingestellt werden müssen habe ich verstanden,aber was wird eingestellt?(Reichweite???)
und gab es so was im Panzer auch?Waren das denn nicht die selben Granaten?Konnte man nicht Granaten verfeuern ohne Einstellung?Wer hat denn im Einsatz Zeit dazu!!!
Leider habe ich in dem Buch nichts darüber gelesen!(oder übersehen!!)
Vielleicht hat einer da einen kurzen Bericht darüber oder kann mir einen Link nennen!:dito:

und natürlich schonmal Smiley mit Danke-Schild
Gruß

waldi44


21.4.04 13:30:25
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An der Granatspitze befindet sich unter einer Kappe verborgen der Zünder. Den kann man durch drehen der Kappe einstellen- die Zeit bis die Granate Explodiert(als Zeitzünder sozusagen) oder die Empfindlichkeit(reguliert die Zeit bis zur Explosion NACH dem Aufschlag der Granate, um zB eine Panzerung zu durchschlagen).
Da das mit Hand erstens wohl zu ungenau und zweitens zu lange gehen würde, steckt man den Geschosskopf in die Zündereinstellmaschine, die man vorher nach Wunsch eingestellt hat und verfeuert erst dann die Granaten.
Besonders wichtig bei der Flak und schweren Pak.

FritzR


21.4.04 17:03:42
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Besonders wichtig bei der Flak


Genau (bei der schweren). Woher sollte die Granate wissen, wann sie zu explodieren hat, damit die Splitter dann das Flugzeug treffen (oder das Flugzeug in den Splitterregen fliegt)? Es wurde die Flughöhe benötigt, daraus die Flugzeit der Granate errechnet und danach der Zünder eingestellt. Und wie Waldi schon schrieb:
Da das mit Hand erstens wohl zu ungenau und zweitens zu lange gehen würde...



reguliert die Zeit bis zur Explosion NACH dem Aufschlag der Granate, um zB eine Panzerung zu durchschlagen


oder um erst NACH dem Durchschlagen zu explodieren, wenn möglich. Macht nicht nur ein Loch in der Panzerung sondern richtig "kaputt" (was auch immer).
Nachzulesen in einigen Erfahrungsberichten von Panzerbesatzungen z.B. in "Tiger, eine legendäre Waffe"

waldi44


21.4.04 20:06:53
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Hm, denke gerade angestrengt nach und bin zu der Meinung gekommen, die Zünder der Granaten bei anderen Kanonen, ausser der Flak, wurden doch mit der Hand eingestellt oder es wurde keine weitere Einstellung benötigt, da die Art des Geschosses die Explosionsart bestimmten(Hohlladung zB.).

Bei der Flak wurden einem die Flugdaten der anfliegenden Verbände gemeldet, so dass die Zünderstellmaschine immer nachgestell werden konnte/musste(oder ging's auch automatisch?)- bei anderen Kanonen denk ich, wäre das Blödsinn!

FritzR


21.4.04 20:13:55
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Na klar, Waldi, da bin ich auch im Eifer des Gefechts jetzt erst drüber gestolpert. Es ging ja um die Zünderstellmaschine und die kenne ich auch nur von der Flak.

Beim der Panzerkanone wurden die z.B. per Hand mit einem Schlüssel eingestellt (Verzögerung - Keine Verz.)

Hoover


21.4.04 21:35:12
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Die Flak hatte das Kommandogerät, bei der mittleren und schweren Flak meistens das kdoGer 40.

Bei Nachtangriffen waren das Horchgerät und die Flakscheinwerfer die "Sucher". Wenn ein Horchgerät ein Ziel (Bomberpulk, einzelne Flieger waren schwer zu orten) gefunden hatte, wurden die Daten an ein KdoGer weitergegeben. Später im Kriege gab es auf Großbatterie-Ebene dann auch das Würzburg-Gerät, ein etwas einfaches Radargerät. Weitere Funkmeß-Geräte waren das Mannheim und der Würzburg-Riese. Wenn die Radar-Geräte ein Ziel aufgefasst haben, wurden die Daten dirket an die Flak-Geschütze gegeben, die dann an den Zünderstellmaschinen die Flugzeit eingeben konnten. Die Schußrichtung sollte so bemessen sein, dass die Feindbomber in den Splitterregen hineinfliegen sollten. Direkte Treffer waren gar nicht geplant.

Wenn die Scheinwerfer einen Bomber aufgefasst haben, musste das KdoGerät diesen auf Sicht anpeilen und die Daten manuell an die Flak-Geschütze geben, wenn kein Radar verfügbar war.

Den kompletten Abluf eines Einsatzes habe ich in dem Buch "Die bremische Flugabwehr" gefunden. Bei Bedarf kann ichs zusammenfassen.

waldi44


21.4.04 22:27:27
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Also wurden die Daten zwar direkt an die Flakstellung, nicht aber an die Züderstellmaschinen durchgegeben? Die mussten dann per Hand ein- nachgestellt werden- richtig?

Richtschuetze


22.4.04 07:30:42
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Jo das ist doch schon was!!Smiley mit Danke-Schild
@Hoover wenn Du das machen könntest!!:dito:
Aber was ich jetzt nicht verstanden habe mußte jede Granate ob im Panzer oder an der Flak/Pak erst eingestellt werden??
Ich meine der Feindpanzer(der Gegner überhaupt)kommt doch näher??Der Wert ändert sich doch immer wieder!!(ich meine der Zeit wegen)Sorry aber da blicke ich noch nicht durchKopf-an-die-Wand-hau-SmileyMein Vater war zwar Richtschütze(Tiger I) , aber der ist seit 10 Jahren tot.weinender Smiley

Gruss

FritzR


22.4.04 07:41:46
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Nein, im Panzer wurde nur nachgestellt, wenn unbedingt eine (größere) Verzögerung gewollt war. Die Sprenggranate für die Panzerkanone explodierte (d.h. der Zünder reagierte) beim Auftreffen.
Beim Einsatz gegen Infantrieziele wurden z.B. manchmal "Aufpraller" geschossen. Die Granate sollte dabei in flachem Winkel auf die Erde treffen und wieder hochsteigen. Beim Aufprall wurde der Zünder ausgelöst und die eingestellte Verzögerung sorgte dafür, dass die Granate erst explodierte, wenn sie wieder in der Luft war und so der Splitterregen weit gestreut zur Wirkung kam.

Auf Panzer schoß man weniger mit Sprenggranaten.

waldi44


22.4.04 15:44:46
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Der Richtschütze hat ja auch mit der Granate nichts zu tun.
Der Kommandant gibt dem Ladeschützen den Befehl, welchen Granatentyp er als nächstes Laden soll. Bei einer Sprenggranat gibt er zusätzlich die Zündereinstellung an, die dann der Ladeschütze per Schlüssel einstellt, bevor er das Teil lädt.
Wie das heute bei den modernen Panzern mit Ladeautomatik funktioniert weiss ich auch nicht. Bei der Flak weiss ich noch nicht einmal, ob es heute noch so grosskalibrige Geschütze gibt, da ja meistens mit Raketen gearbeitet wird!

Casi


22.4.04 21:51:43
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@ Fritz

...ich glaube Du meinst Abpraller? :Schulter:

Hab noch einen Link für Euch - Flakturm HH-Wilhelmsburg - ist ein Augenzeugenbericht mit einem Haufen Bildern. Vielleicht hilft Euch das weiter...
Laola-Smileys

Gruß Casi

Hoover


22.4.04 21:57:16
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Zur Flak (mal einen Angriff Sommer 1944 angenommen):

Lage: Die FuMeßGer an der Kanalküste haben einen Verband einfliegender Bomber ausgemacht. Richtung Bremen.

Die Herren der 8. Flakdivision werden alarmiert. Der Divisionsgefechtsstand alarmiert die 2 Flakgruppen Nord (mit den 3 Untergruppen) und Süd (6 Untergruppen). Jede Untergruppe wurde von einer s.FlakAbt gebildet, z.B. die Untergruppe Oberweser der Flakgruppe Süd, die durch die s.FlakAbt 606 in der Großbatterie Uphusen gebildet wurde. Ausgerüstet mit ortsfesten KdoGer 40, 10,5cm Flak als haupt- und 2cm Flak als Nahverteidigungswaffen.

Um Bremen herum (wichtiger Werften- und Flugzeugbaustandort) standen Funkmeßgeräte Typ Würzburg-Riese (3 Stück, große Reichweite, aber ungenau) und Freya (9 Stück, geringere Reichweite, aber genaue Erfassung zur Feuerleitung), die die Feuerleitung übernahmen.

Wenn die Bomber vom Freya aufgefasst wurden, bekamen die Scheinwerferverbände (150cm-Scheinwerfer) die Daten, die nun ihrerseits versuchten, die Bomber aufzufassen.
Die Radar-Geräte gaben die Höhe und Position an die Flagleitstände, die diese Angaben per Kabel an die Geschütze gaben. Die Ladeschützen steckten die Granaten mit dem Kopf nach unten in die Zünderstellmaschinen, worauf automatisch der vorgebene Zeitwert eingestellt wurde. Die Leitstelle errechnete einen Feuervorhang, durch den die Bomber hindutch mussten. Waren sie hindurch, wurden neue Daten gegeben. Der Ladeschütze bekam also die Granate von einem Kanonier, steckte sie in die Zünderstellmaschine und gab gab sie weiter an den Ladeschützen, der die Granate in das Patronenlager wuchten durfte.

Was das hieß, sollen folgende Daten zeigen:

Am 01.01.1941 griffen einige britische Bomber das Industriegebiet Hemelingen von Bremen an. Die Flak verschoss:
30 Schuss 10,5 cm
19.921 Schuss 8,8cm
8.398 Schuss 3,7cm
67.995 Schuss 2cm
85 Schuss 7,92mm

Die Briten griffen im Vorfeld die Flak-Anlagen an, was sicher zu dem Verbrauch von 2cm und 3,7cm Munition führte.

Abgeschossen wurden: O Flugzeuge!

Quelle: Bremische Luftabwehr, R.Thiel.

waldi44


22.4.04 22:26:39
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Na prima, JETZT sollten wir aber das mit der Zündstellmaschine von DAMALS geklärt haben- wie aber sieht das HEUTE aus- siehe Frage oben!?

Zu den "0" Abschüssen: Das heisst aber nicht "0" Treffer!!
Viele Maschinen stürzten weitab von dem Trefferpunkt ab(zählten zumindest nicht für diese Flakbatterie), andere, weil sie beschädigt waren, mussten abdrehen, bevor sie ihre Bomben auf die eigentlichen Ziele werfen konnten und nicht wenige vollführten eine Bruchlandung, weil man zB das Fahrwerk nicht ausfahren konnte, wieder andere wurden aufgrund ihrer Beschädigungen Opfer der deutschen Jäger...

Hoover


22.4.04 22:44:40
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Gut, das konnte damals wohl niemand sagen.

Es gibt ein Buch von Stephen Amborse "Bright Blue Sky" über eine B24-Besatzung, die von Italien her Österreich und Ungarn anflogen. Da steht geschrieben, dass die B24 und die B17 sehr robust waren und sogar nur mit 2 Motoren nach Hause kamen.

In meinem Bereich (SÖ Bremen) wurden am 07.04.45 zahlreiche Ramm-Versuche von dt. Jägern unternommen ("Schulungslehrgang Elbe"). Damals sind Bomber, die von Jägern gerammt wurden mit halben Tragflächen, ohne Seitenleitwerken usw. heimgekehrt. Diese Maschinen wurden dann aber meistens außer Dienst gestellt, man hatte wohl genug Maschinen. Die englischen Flugzeuge waren anfälliger, wenn man Len Deighton und anderen Luftfahrthistorikern glauben kann.

FritzR


23.4.04 08:15:23
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@Casi: Richtig, wußte ich beim schreiben nicht mehr genau, daher auch Anführungszeichen. Danke!
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