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Erbeutetes Gerät und Waffen

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AutorBeitrag

Balsi


5.8.04 16:13:36
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Was mich immer wieder grübeln lässt ist der Punkt, das es Berichte gibt wo gegen Kriegsende Soldaten bzw. Volkssturm, teilweise mit gewehren aus der Jahrhundertwende, ja sogar aus dem 19.Jh ausgerüstet wurden.. da es an gewehren fehlte. Schaut man sich aber nun mal die Zahlen und Bilder alleine des Westfeldzuges an.. so hatte man doch Gewehre usw. im Überfluss.. aus in Russland gab es doch unerhörte Zahlen..

Wie kommts?

Tobias


5.8.04 16:47:01
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Meinst du warum sie keine Beutewaffen, die ja sicherlich noch moderner waren als die von dir angesprochenen, verwendet haben ?

Ich versteh das aber auch nicht. Ich kann mir nicht vorstellen daß ein soldat im monat 3,4 gewehre verbraucht hat, so daß irgendwann mal eine knappheit entstanden wäre. Möglich wäre es natürlich, daß bei den beutewaffen irgendwann die munition ausgegangen ist. Und im letzten kriegsjahr wurde ja nicht mehr sonderlich viel beute an munition gemacht. Die munition die man den toten russen oder amis abgenommen hat, reicht ja auch nicht für wochen. Geschweige denn das sie von der front ins rückwärtige gebiet zu den volksturmen gelangt wäre.

Verlorene Siege


5.8.04 17:17:59
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Hi


Ein Hauptproblem in der Armierung,der Soldaten lag darin,dass im Osten bei den Rückzugskämpfen unvorstellbare Mengen an Munition,Gewehren und sonstigen Ausrüstungsgegenständen verloren gegangen sind.
Im Jahre 1944 verlor die Wehrmacht Material im "Wert" von 225 Inf.Div. und 45 Pz.div.
Ich glaube,dass spricht Bände.

Mfg

waldi44


5.8.04 20:40:36
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Verbrauch von Waffen ab Kriegsbeginn bis 1. März 1945.
Pistolen..........2.965.387
Mpi's...............851.486
Sturmgewehre........135.767
K98...............8.587.093
MG34................346.152
MG42................241.052
Sonst. MG's..........33.805
K41+43..............286.249

Die Produktionszahlen müsste ich erst noch raussuchen. Jedenfalls gab es Monate, in denen weit über 200.000 Karabiner verloren gingen!

Balsi


5.8.04 22:24:06
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die Produktionszahlen wären mal ganz interessant..


auch die Soldaten unter Waffen der eroberten Länder...

Hoover


5.8.04 23:21:21
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Also, bei uns im Orte war der Volkssturm (der vor den Kämpfen nach Hause ging) mit franz. Berthier M15 und ital. Carcanos ausgerüstet. Die finden wir öfters im Wald.

Verlorene Siege


5.8.04 23:41:59
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HI


Produzierte Karabiner,Gew.,Sturmgew. und MP von
1940-45 = 11.805.710.

Mfg

steffen04


7.8.04 01:09:07
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Produktionszahlen 98k:
Kriegsrekord Juli 44: 235.070
sonst um 200.000 St./Monat

Bedarf Wehrmacht:
1942: ca. 37.000St./Monat
1944: ca. 300.000St./Monat

Allein die Wehrmacht benötigte also mehr, als produziert wurde.

Bereits 1898 (daher der Name) ins kaiserliche Heer eingeführt, entsprach die Konstruktion des Mauser eher den Anforderungen eines Manufakturbetriebs als einer Massenfertigung. Mauser kalkulierte den 98er daher trotz ständiger Qualitätsminderung 1944 mit 56 RM, den 1942serienreifen Halbautomaten Mauser 45 (entspricht technisch dem Bundeswehr-G3) nur mit 40RM. (Vergesst die 16RM: tatsächlich bedeutet das: Bei gleichem Einsatz an Material und Arbeitszeit 1,3Mio G3 statt 1Mio 98er !!)

Der Ausweg der Heeresspitze war bereits ab 1941 die Ausrüstung von West-Divisionen mit Beutewaffen. Anzumerken ist, daß diese Beutewaffen oft (insbesondere die zahlenmässig bedeutenden aus der Tschechoslowakei) Mauser-Klone waren.

Es ist typisch für das deutsche Rüstungswesen, daß wegen dämlicher Vorurteile (Zu hoher Munitionsverbrauch) und undurchschaubarer Entscheidungsprozesse die Fertigung eines billigeren Waffensystems unterdrückt wurde, mit der Folge, daß der deutsche Soldat nicht einmal mehr genug Infanteriewaffen zur Verfügung hatte.

Der Gründungsbedarf Volkssturm hätte ca. 4 Mio Stück betragen - no way! Er wurde daher mit allen länglichen Gegenständen ausgerüstet, die an einem Ende ein Loch hatten. Neben Beutewaffen und Zivilwaffen wurden auch diverse Volkssturm-Gewehre projektiert (z.B. ein Nachbau der britischen Sten): fertigungstechnisch billig herzustellende Schießprügel. Die logistischen Probleme bei Munitions- und Ersatzteilversorgung kann man sich vorstellen.

Man fragt sich immer wieder, ob die deutschen Rüstungsverantwortlichen schon verblödet auf die Welt kamen oder nur 6 Jahre lang vom Beute-Cognac nicht genug kriegen konnten.

Indy


7.8.04 01:23:24
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v.a. wurden die Volkswaffen ja nicht von RMRK beschafft sondern von den Gauleitern :tzzzz:

Markus Becker


7.8.04 16:58:40
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Die Zeitschrift Visier brachte vor einigen Jahren einen guten Artikel über das Mauser 98k. Kurzes Fazit: Bereits lange vor dem 2.WK völlig veraltet zu keinem Zeitpunkt in ausreichender Menge hergestellt. Auch die Übernahme polnischer und tschechischer Bestände und der Weiterführung der Produktion in den beiden Ländern und bei FN in Belgien konnte den Bedarf nicht decken, da man zu lange an zu aufwendigen Produktionsmethoden festhielt.

Mangels ausreichender Produktion hat die Wehrmacht schon zu Kriegsbeginn beutetechnisch alles Mögliche benutzen müssen. Das reichte von den tschechischen LT-35 und LT-38, die noch 1940 das Rückrat der Panzerwaffe bildeten, über russische Flak und Pak, belgische und niederländische LKW und polnische Panzerbüchsen bis zu französischen Gewehren und LMG´s mit denen die dt. Besatzungstruppen ausgerüstet wurden.

Beutepanzer


Markus
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