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Waffenfunde

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AutorBeitrag

Kübelfan


5.3.05 13:11:08
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Vorweg: Ich hab keine Waffe!!

Trotzdem würde mich folgendes interessieren: Was wäre wenn man in einer alten Scheune eine Pistole oder Gewehr,... aus dem WK 2 finden würde? Aus interesse zu der Thematik würde man natürlich gern die Waffe behalten wollen, dazu müsste man das Teil natürlich entmilitarisieren. Könnte man dies so einfach machen, oder muß man die Waffe bei der Polizei abgeben, auf nimmer wiedersehen. Wie würde sich so eine Sache verhalten? Weiß jemand darüber Bescheid? Wie würde es sich bei einer MP verhalten?

Merlin61


5.3.05 13:34:04
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@Kübelfan
Wenn es sich um einen Bodenfund handelt - und so könnte man
es einordnen - "darfst" du diesen auch bei den Behörden abgeben.

Hier =>PDF-Datei: Schatzfunde und ihr rechtlich- konomischer Kontext
findest du sicher ausführliche (und "rein" rechtliche) Informationen dazu.


P.S.
Ein Bekannter von mir, hat beim Bezug seines Hauses eine K98 auf dem Speicher gefunden.
Keine Ahnung, wo diese verblieben ist - die Behörden haben sie aber ganz sicher nicht :D

steffen04


5.3.05 13:43:51
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Nach dem alten Waffenrecht ´konnte man sogenannte "Dachbodenfunde"legalisieren, d.h. man konnte (mußte!!)den Fund anmelden und durfte die Waffe behalten. Kriegswaffen nach Kriegswaffenkontrollgesetz (Automaten und Waffen, die so aussehen) mussten aber entschärft werden.

Konkret: einen 98er oder eine P38 durftest du scharf behalten, eine MPi musstest du zur Deko-Waffe umbauen.

Dies ist eine Ausnahme im Waffengesetz. In der Regel darfst du Waffen nur besitzen, wenn ein Bedürfnis vorliegt (Jäger, Sportschützen, Sammler). Dieses Privileg sollte dafür sorgen, daß diese gar nicht so seltenen Funde nicht illegal in der Gegend herumschwirren.

Wie es nach dem neuen Waffengesetz (seit 1.4. 2003)aussieht, weiß ich nicht.

Niwre


5.3.05 13:46:59
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Nicht ganz. MMn handelt es sich um eine Feuerwaffe. Folglich _muss_ er sie abgeben oder "unschaedlich" machen lassen und darueber eine Unbedenklichkeitsbescheinigung besitzen. Alles andere verstoesst gegen das Waffengesetz:


WaffG 2002 § 37 Anzeigepflichten

(1) Wer Waffen oder Munition, deren Erwerb der Erlaubnis bedarf,
1. beim Tode eines Waffenbesitzers, als Finder oder in ähnlicher Weise,
2. als Insolvenzverwalter, Zwangsverwalter, Gerichtsvollzieher oder in
ähnlicher Weise

in Besitz nimmt, hat dies der zuständigen Behörde unverzüglich anzuzeigen. Die zuständige Behörde kann die Waffen und die Munition sicherstellen oder anordnen, dass sie binnen angemessener Frist unbrauchbar gemacht oder einem Berechtigten überlassen werden und dies der zuständigen Behörde nachgewiesen wird. Nach fruchtlosem Ablauf der Frist kann die zuständige Behörde die Waffen oder Munition einziehen. Ein Erlös aus der Verwertung steht dem nach bürgerlichem Recht bisher Berechtigten zu.

(2) Sind jemandem Waffen oder Munition, deren Erwerb der Erlaubnis bedarf, oder Erlaubnisurkunden abhanden gekommen, so hat er dies der zuständigen Behörde unverzüglich anzuzeigen und, soweit noch vorhanden, die Waffenbesitzkarte und den Europäischen Feuerwaffenpass zur Berichtigung vorzulegen. Die örtliche Behörde unterrichtet zum Zweck polizeilicher Ermittlungen die örtliche Polizeidienststelle über das Abhandenkommen.

(3) Wird eine Schusswaffe, zu deren Erwerb es einer Erlaubnis bedarf, oder eine verbotene Schusswaffe nach Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.2 nach den Anforderungen der Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 1 Nr. 1.4 unbrauchbar gemacht oder zerstört, so hat der Besitzer dies der zuständigen Behörde binnen zwei Wochen schriftlich anzuzeigen und ihr auf Verlangen den Gegenstand vorzulegen. Dabei hat er seine Personalien sowie Art, Kaliber, Herstellerzeichen oder Marke und - sofern vorhanden - die Herstellungsnummer der Schusswaffe anzugeben.


@Edit: Steffen war schneller :) - aber ich denke das 2003er hat den Paragraphen noch.

[ Editiert von Administrator Niwre am 05.03.05 13:50 ]

steffen04


5.3.05 14:03:56
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Steffen war schneller

Nur weil ich nicht nachgelesen habe. Ihr habt recht: man darf sie zwar erwerben, muß sie dann aber unverzüglich weiterleiten. Auch nach dem alten Waffengesetz. Sorry.

Walter23


5.3.05 14:29:07
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Moin

Ich habe irgendwo bei mir eine Ausgabe der DWJ, welche auf Kriegswaffen von vor 1945 im Rahmen der neuen Gesetzgebung darauf eingeht.

Bei Bedarf könnte ich das mal beizeiten heraussuchen.

Gruß

Walter

Edit: Änderungen
DWJ nicht Visier
überfliege gerade den Artikel
Es handelt sich um die Ausgabe 6/Juni 2003

[ Editiert von Walter23 am 05.03.05 14:38 ]

Niwre


5.3.05 14:29:50
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Dann mal los :).

Smiley mit dafür-Schild

steffen04


5.3.05 15:04:25
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Jau, interessiert mich jetzt auch!

Kübelfan


5.3.05 15:24:37
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Schließe mich an, das wäre toll. Smiley mit dafür-Schild

Walter23


5.3.05 15:50:14
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Habe den Artikel schonmal grob sondiert.

Vorab

Bei Einzelladern und Repetierern (z.B. K98) greift das KWKG (Kriegswaffenkontrollgesetz) schonmal nicht. Eine solche Waffe kann man sich mit entsprechender WBK (Waffenbesitzkarte) oder Jagdschein je nach Kaliber ab 18 oder 21 Jahren erwerben.

Wie es jedoch bei "im Schuppen gefundenen Waffen" aussieht steht da jetzt nicht, aber "da könnte vielleicht was gehen". Bei Halbautomaten (zB. G43, Pistolen mit "langem" Lauf) ist es etwas komplizierter (Text folgt).

Vollautomaten (z.B. MP38/40) ist es noch komplizierter, aber prinzipiell müssten sie "demillitarisiert" werden (Wer und wie folgt später). Hier liegt der Unterschied zum alten Waffengesetz (die Gesetzfassung von vor Aprill 2003), darin, dass der "Anschein-Paragraph" entfallen ist. So konnte man damals zwar sog. Teilesätze erwerben, aber das Zusammensetzen solcher war strikt verboten uswusf

"Später" folgt wohl mehr :)

Vielelicht finde ich da noch was zu "Schuppenfunden"

AndyW


5.3.05 16:07:50
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Gepostet von NiwreWaffG 2002 § 37 Anzeigepflichten

(1) Wer Waffen oder Munition, deren Erwerb der Erlaubnis bedarf,
1. beim Tode eines Waffenbesitzers, als Finder oder in ähnlicher Weise,
2. als Insolvenzverwalter, Zwangsverwalter, Gerichtsvollzieher oder in
ähnlicher Weise

in Besitz nimmt, hat dies der zuständigen Behörde unverzüglich anzuzeigen. Die zuständige Behörde kann die Waffen und die Munition sicherstellen oder anordnen, dass sie binnen angemessener Frist unbrauchbar gemacht oder einem Berechtigten überlassen werden und dies der zuständigen Behörde nachgewiesen wird.


"kann" ist das Zauberwort. I.d.R. werden z.b. ererbte Waffen nicht enteignet und eingezogen, sondern verbleiben im Besitz des rechtl. Eigentümers. Der darf sie dann zwar haben, aber nicht führen, Munition erwerben usw.

"kann" deshalb, da ja ein behördenbekannter Verbrecher theoretisch auch die Knarre vom verstorbenen Papi erben könnte, dann wird die Behörde regelmässig ihre "kannvorschrift" ausüben, der armen Jägerwitwe wird man den 2000-EUR-Drilling des verstorbenen Ehemannes allerdings lassen.

Bei Waffen, die unter das KWKG fallen, ist das natürlich nicht so einfach; wenn ich z.B. eine 8,8 samt Granaten in der Gearge findee, darf ich die in der Regel nicht behalten, ausser sie ist unbrauchbar gemacht worden.

Cheers,

[ Editiert von AndyW am 05.03.05 16:09 ]

Niwre


5.3.05 16:11:01
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Naja - aber "anzeigen" muss ich sie doch trotzdem, oder? Die Garage mit der 8,8 wuerde ich gern mal sehen... ups was war denn da unter der alten Decke...

Smiley mit LoooL-Schild

Walter23


5.3.05 16:14:47
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Habe nochwas "Spezifisches" gefunden, vielleicht steht dort auchw as drin

DWJ - 12/Dezember 2000[/I]
"Legal - illegal | Besonderheiten beim Erwerben/Vererben von Schusswaffen und Munition"
Seite 64-65

Hier ist jedoch noch die Rechtsprechung von vor April 2003 maßgebend. Zur Einordnung der Waffen muss ich noch etwas "forschen". (siehe obiger Beitrag)

Hier ein Teil daraus
[..]
§12, Abs. 6 KWKG bestimmt,
dass derjenige, der als Erwerber von Todes wegen die tatsächliche Gewalt über Kriegswaffen erlangt, dies der zuständigen Überwachungsbehörde unverzüglich anzeigen muss. Der Erbe hat dann innerhalb einer von der Überwachungsbehörde zu bestimmenden Frist die Kriegswaffen unbrauchbar zu machen oder einem zu ihrem Erwerb Berechtigten zu überlassen und dies der Überwachungsbehörde nachzuweisen. Von dieser Regelung kann die Überwachungsbehörde Ausnahmen zulassen, wenn ein öffentliches Interesse besteht. Derartige Fälle sind bisher jedoch nicht in der Praxis angenommen worden.
[..]


Weiterss folgt später.

Edit streiche "i" setze "o" Smiley mit Hammer auf dem Kopf
&
Was schreibe ich das, wenns schon oben steht denkender Smiley

naja vielfach hält besser seilspringender Smiley

[ Editiert von Walter23 am 05.03.05 16:19 ]
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