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Rohrrücklaufbremse und Mündungsfeuerdämpfer.

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AutorBeitrag

waldi44


14.3.05 19:38:22
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Irgendwie ähneln sich die Beschreibungen für die Anwendung beider Bauelemente(bremsen des Rückstosses und Verringerung des Rohrrücklaufs).
Bei der Rohrrücklaufbremse ist's ziehmlich klar, aber wie funktioniert der Mündungsfeuerdämpfer?

Wann wurden diese Teile bei den Panzern eingeführt?

Michael 60


14.3.05 23:23:49
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Hallo Waldi,


den Zeitpunkt für den Einbau der Mündungsbremsen bei Panzern kann ich nicht genau nennen. Aber meines Wissen sind die ab der Einführung der 7,5 cm Kaliber bei Panzern und Sturmgeschützen eingeführt worden. Es gibt hier auch Ausnahmen siehe Pänzerjäger IV mit L 48 Kanone. was die Mündungsbremse bewirkt, hier ein kleiner Auszug:

Eine Abwandlung der le.FH. 18 war die leichte Feldhaubitze 18 M, bei der die 10,5-cm l.FH. 18 mit einer Mündungsbremse versehen wurde. Das Gewicht stieg auf 2050 kg, bei einer V0 von 540 m/s wurden Schußweiten von 12325 m erreicht. Die Mündungsbremse nahm 27% des Rückstoßes auf.

Gruß Michael

Walter23


14.3.05 23:46:53
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@Waldi44

Also soweit ich es kapiert habe ist der Begriff der "Mündungsfeuerbremse" an sich nur eine andere Bezeichnung der "Mündungsbremse"

Zur Funktionsweise im Allgemeinen braucht man vielelciht wohl nicht soviel zu schreiben. Ein Grund für die Mündungsbremsen an dt. Panzer war wohl u.a. die Tatsache, dass man das Rohrbrems- und Rückholsystem dadurch schonen/"kleiner" auslegen konnte.

Der Bregriff der "Mündungsfeuerbremse" ist auch irgendwie mehr (für mich) mit Handfeuerwaffen verbunden. Hier gibt es durch das "Design" der "Löcher" das "Auswandern" der Münungg vom Ziel beim Schuss zu kompensieren.

So gesehen haben die Mündungsbremsen je nach Waffe somit verschiedene (Haupt)-Zwecke
Handfeuerwaffen - "Auswandern" beim Schießen (insbesondere Dauerfeuer) verhindern; Rückstoß auf den Schützen vermindern
"Große" Rohrwaffen - Rückstoß auf Lafette/Fahrgestell vermindern

Naja dies ist erstmal eine "Theorie" von meiner Seite :D

Petronelli


15.3.05 11:03:58
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HAHAAAAAAAAA....
ich lassse es mir nicht nehmen hier technisches Geschwafel abzulassen:::::::D:D:D:D:D

Also....
Die Anbauten bei Handfeuerwaffen dienen oft zur Kompensation des Auswanderns aus dem Ziel bei Dauerfeuer.
Jede Waffe hat irgendwie die Eigenschaft nach oben, unten, links oder rechts auszuwandern, wenn Dauerfeuer geballert wird. Also, was macht man? Man verlängert den Lauf und versieht in entgegengesetzter Richtung zur Auswanderbewegung, den Lauf mit Schlitzen oder Löchern.
Der Impuls, der von den dort austretenden Pulvergasen erzeugt wird, wirkt der Auswanderbewegung dann entgegen und kompensiert diese. (Wirkt wie eine kurze Zündung der Steuerdüsen an einer Raumkapsel)

Bei einer Kanone dient die Mündungsbremse der Verringerung des Rohrrücklaufweges. Wer sich die Dinger mal genauer angeschaut hat, der wird feststellen, dass sie eigentlich aus zwei hintereinander stehenden Platten mit Bohrung bestehen, durch die die Granate fliegen kann. Die hinterherkommenden Pulvergase aber prallen auf diese Platten und schubsen das Rohr somit nach vorne, wobei es beim Schuß ja eigentlich nach hinten will (Der Explosionsdruck wirkt ja auf Granate und Hülse gleichermaßen, die Granate fliegt vor, die Hülse will hinten raus, kann aber nicht, also bewegt sich das ganze Rohr hinter). Der Bremseffekt ist kleiner als der Rückbewegungspuls und somit bewegt es sich doch ein Stück rückwärts.
Die seitlichen Durchbrüche dienen dazu, die Gase entweichen zu lassen und verhindern natürlich auch gewisse seitliche Bewegungsimpulse.

Gruß an alle technisch interssierten
Peter

[ Editiert von Petronelli am 18.03.05 8:26 ]

Michael 60


15.3.05 12:05:44
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Nun,

der Mündungfeuerdämpfer ist genau das was der Name schon sagt, er dämpft das Mündungsfeuer. Schau Dir das mal bei Nacht an, mit Dämpfer oder ohne. Auch hat nicht jede Waffe ''Kompensatoren'' eingebaut, wie z.B die AK 74 der ein Auswandern des Rohres bei Dauerfeuer verhindern soll. Als Gegenstück sei hier mal das G1+G3 genannt.

Gruß Michael

Hoover


15.3.05 12:16:38
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Nicht Mündungsbremse mit Mündungsfeuerdämpfer verwechseln... :D

waldi44


15.3.05 12:33:23
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Gepostet von Hoover
Nicht Mündungsbremse mit Mündungsfeuerdämpfer verwechseln... :D


Ich glaub, da liegt der "Fehler"! Ich habe das auch in "einen Topf" geworfen, obwohl DAS zweierlei Dinge sind!

Gibt also den Mündungsdämpfer UND den Mündungsfeuerdämpfer und beides hat miteinander kaum was gemeinsam!

Petronelli


15.3.05 14:20:22
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Jau, aber egal, der Einwand von Michael 60 hat das ja nochmal deutlich gemacht!
Das MG 3 bzw MG42 hat auch nur einen Mündungsfeuerdämpfer und wandert total aus! Hier hat man auf einen Kompensator verzichtet!

Übrigens reicht zum Kompensieren des Auswanderns schon ein schräg abgeschnittener Lauf. (ich glaube es gibt Ak-47 Versionen die das haben) Sieht dann in Etwa aus wie die Spitze einer Spritzenkanüle.

Gruß
Peter

[ Editiert von Petronelli am 15.03.05 14:21 ]

Hoover


15.3.05 14:25:39
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Das MG 42 und das MG 3 hatten einen Rückstoßverstärker!!!
Keinen MFD und keine MB...

Petronelli


15.3.05 14:29:06
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Oh, ja stimmt, das hatte ich glatt verdrängt, den Begriff gab es ja auch noch!
Aber wofür waren dann die vielen kleinen Bohrungen rund um den Fuß des Mündungstrichters und zwar bei beiden Versionen???
Gruß
Peter

Hoover


15.3.05 14:44:54
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Um die nicht benötigten Gase dodiert austreten zu lassen. Natürlich sollte der Trichter des MG den Mündungsblitz dämpfen, klar. Aber das ganze Teil sollte den für den Rohrrücklauf benötigten Rückstoß ergeben.

Nightwish


17.3.05 10:49:41
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Hatten wir das Thema nicht schonmal? Kommt mir unheimlich bekannt vor.

waldi44


17.3.05 11:01:41
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Nicht, dass ich wüsste! Aber so ganz blicke ich noch immer nicht durchSmiley mit verdrehten Augen bzw es wird wieder undurchsichtiger was was und wofür bzw wogegen istSmiley mit verdrehten Augen....

Michael 60


18.3.05 00:21:10
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Hallo,

die Mündungsbremse dient dazu die Wucht des Rohrrücklaufes beim Schuß zu mindern. Sie wird bei Geschützen na so ab ca. 7,5 cm Kaliber verwendet.
Der Mündungsfeuerdämpfer dämpft das Mündungsfeuer. Es gibt bei manchen Waffen(Schnellfeuerwaffen, Sturmgewehre) dann noch Bohrungen oder Schlitze und zum Teil diverse Anbauten, die die Gase, die an der Mündung austreten umleiten. Dies hat den Zweck, bei Feuerstößen das Auswandern der Waffe zu mindern. Bei Handfeuerwaffen von Sportschützen gibt es dies um den Hochschlag der Waffe zu mildern.

Hoffe ich hab jetzt alle Unklarheiten beseitigt.

Gruß Michael

Heat


18.3.05 01:16:40
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hat jemand Ahnung wie beim MG3 der Rückstoßverstärker seinem Namen alle ehre macht...

Petronelli


18.3.05 08:22:15
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Auch die 5cm Pak oder die Tschechische 4,7 hatten bereits solche Mündungsbremsen. Und das 2,8cm-Kleingeschütz auch(schwere Panzerbüchse)! Seltsamerweise wurden sie bei der 12,8 nicht mehr verwendet. Auch bei keiner einzigen schweren Flak.

Nochmal zur Funktion:
Stellt Euch vor ihr habt einen Rohr und pustet mit Druckluft durch:::es bleibt quasi liegen! Die Luft strömt relativ ungehindert durch.
Jetzt stecke ich auf einer Seite einen größeren Zylinder auf in dessen Innern eine oder zwei Metallplatten stehen, die eine Bohrung besitzen, die gerade so groß ist wie die Bohrung im Ausgangsrohr. Wenn ich da jetzt wieder durchpuste prallt ein großer Teil der Luft gegen diese Platten und das ganze Rohr bewegt sich nach vorne.
Diese Platten sind die beiden "Rippen" in der Mündugsbremse,
(der Panzer IV F2 z.B. hat nur eine hohle Kugel, das ist prakisch nur eine Platte, eben das vordere Ende der Bremse)
Sie wirkt wie ein Fangsegel für den enormen Impuls der Pulvergase. Das Rohr wird nach vorne geschubst, während es durch den Rückstoß eigentlich nach hinten will.
Der Rückstoß wird nun aber nicht durch die Granate erzeugt, sondern durch die Rückwärtsbewegung der Hülse oder Kartusche. Es sind zwei unabhängige Kraftvektoren, die sich einander subtrahieren. Wobei der Rückstoß logischerweise immer größer bleibt als der Impuls auf die Mündungsbremse, denn die Hülse kriegt den vollen Schub der Pulvergase ab, bis die Granate aus dem Rohr ist. Dann erst entspannt sich die Situation im Rohr und die Pulvergase hauts vorne raus, nun erst kann die Mündungsbremse wirken und den Rückstoß vermindern.
Stimmt Michael, da hab ich mit in Bezug auf die Handfeuerwaffen verhaspelt, was ich da meinte heißt ja gar nicht Mündungsbremse, sondern Kompensator!
Werde es schnell ändern!
Gruß
Peter

[ Editiert von Petronelli am 18.03.05 8:25 ]

Heat


18.3.05 10:55:05
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hey ich will nicht dumm sterben...also wer weiß auch was für mich

Petronelli


18.3.05 11:09:40
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Leider nichts gefunden im Net!
Da taucht natürlich die Frage auf, warum denn der sonst lästige Rückstoß auch noch verstärkt werden soll?
Kann eigentlich nur mit der Erhöhung der Kraft zum automatischen Ladevorgang zusammenhängen.
Das Rohr bimbelt da doch auch noch in dieser ominösen, eklig fummeligen Rohrführungshülse rum!? Ginge vielleicht irgendwie, durch andere technische Raffinessen hier zuviel Ladedruck verloren und den holt man sich eben wieder?
Weiß es diesmal nicht!!! Gibt es hier denn keinen altgedienten MG-3 oder -53-Schützen???
Gruß
Peter

Michael 60


18.3.05 11:17:47
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Jetzt kommt die einfache Variante,

da ich nach 23 Jahren den genauen Ablauf im MG auch nicht mehr zusammenbringe.

Der Rückstoßverstärker wirkt wie eine Umkehrhülse für die austretenden Mündungsgase. Er leitet sie zurück und übeträgt die Wucht auf das beweglich gelagerte Rohr. Dieses drückt nach hinten und leitet den Verschlußrücklauf und die damit zusammen hängenden anderen Bewegungen wie Munitionszuführung ein.


Gruß Michael

Hoover


18.3.05 11:41:19
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Nicht ganz.
Der Rückstoßverstärker leitet einen Teil der Gase gegen die Rohrführungshülse (die daher immer gerne verdreckt ist). Das Rohr gleitet nur etwa 2-3 cm zurück und das nur, um die Verriegelung des Verschlusses zu lösen. Wenn der Verschluss entriegelt ist sorgen die Explosionsgase im Rohr für das Zurückgleiten des Verschlusses.

waldi44


18.3.05 17:02:36
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Wozu war der Lauf mancher MG's trichterförmig? Hat das auch was damit zu tun?

Michael 60


19.3.05 00:24:02
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Schau mal hier:

www.mg0815.com

dort wird dieses Teil unter ''field stripping'' als Booster bezeichnet. Na grob gesagt, Verstärker, anscheinend ein Rückstoßverstärker. Habe ansonsten keine Ahnung für dieses ältere Teil. Mein Vater wurde noch daran ausgebildet. Kann leider nicht mehr fragen.


Gruß

Michael

Heat


19.3.05 17:12:17
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@hoover:
Und wie macht er das genau...vielleicht wäre ein bild davon nicht shclecht, habe ihn nämlich nicht mehr 100% im Kopf...

Petronelli


21.3.05 08:36:43
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Kann mir nicht vorstellen, dass die Trichterform da entscheidend ist! Kann mir nur vorstellen dass die Trichterform eingesetzt wurde um die Explosionsgase besser nach vorne zu bündeln und deren Blendwirkung bei Nacht abzuschwächen. Wäre der Lauf einfach scharf abgeschnitten, dann platzt das Mündungsfeuer wie ein Feuerball aus dem Rohrende. Der Trichter hält die Flamme zusammen und sie ist vielleicht schon bedeutend schwächer nach dem Austritt, da der Trichter ein viel größeres Volumen hat als eine kalibrige Laufbohrung.
Es gab auch andere MG, die den Trichter nicht hatten.
Aber das ist nur Vermutung!
Funktionswichtig scheint er nicht zu sein, denn dann hätten es andere MG auch gehabt.
Die Rückstoßverstärkung scheint eher in dem Knubbelzylinder vor dem Trichterbeginn getätigt zu werden. Das MG 42 hatte ja auch vor dem Trichter den Zylinder mit den Bohrungen un den Kühlrippen.
Gruß
Peter

[ Editiert von Petronelli am 21.03.05 8:39 ]
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