Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Einsatz des Pervitin

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AutorBeitrag

Thomas1968


7.5.05 09:09:11
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Hallo,

Weiß einer was von Einsatz des Pervitin (Speed) in den deutschen Armen?

Gruß Thomas

Balsi


7.5.05 09:22:03
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im Spiegel-Spezial steht ein Bericht darüber...wurde mir auch letztens von Veteranen bestätigt...

AK 74 ZF


11.5.05 18:37:56
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Hatten wir hiier schon mal durchdiskutiert.
Pervitin (denke nicht identisch mit Speed !!!!) wurde nicht als Rauschgift verwendet und konsumiert sondern war ein Wachhalte-/Aufputschmittel. Daß es ähnlich wie viele andere starke Schlaf- oder Beruhigungs- bzw. Aufputschmittel heute sicher Rezeptpflichtig wäre ist richtig -> aber Zweck der Tabeletten (gehörten übrigens auch zur Fliegergeraustattung welche auch die Fj der LW erhielten -> ich kenn die Tabletten aus den Erzählungen meines Großvaters) war es wachzuhalten.
Diese Tabletten heute in die allgemein verbreitete Richtung "Drogenkonsum" -> Speed/Rauschgift/Amphetamine -> zu rücken ist an sich teilweise der Perversion der heutigen Zeit geschuldet. Damals dachte man über diese Nebenwirkungen weniger nach.
Übrigens sind sehr viele Jahrzentelang normal gebrauchte Arzneimittel aus heutiger Sicht der pure "Hammer" bzw. werden ganz anders beurteilt ! Von Faustan bis Morphium -> Arzneimittel sind "Drogen" , aber die Verwendung und Dosis macht es, ob es nun "Gift oder Arznei" ist!

AK 74 ZF

P.S. Den Stuß mit "Auf Speed befindliche Wehrmacht ....." kannste klemmen. Paßt eher zu den amerikanischen SK der Neuzeit. Die haben mit solch Zeug auf höchstem Niveau rumexperimentiert !

Erichx


11.5.05 19:09:23
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Auf der Insel Kos da waren die Brandenburger aber doch auf Speed :) --> da fing die Geschichte mit den "grünen Teufel" an. Das Pervitin wurde aber gespritzt.
(Geheimkommandos des 2 WK / Brockdorff, S. 155)

Verlorene Siege


11.5.05 19:23:12
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Aufputschmittel wurden auch auch beim Westfeldzug eingesetzt ( in der Anfangsphase, als es durch die Ardennen ging).

Mfg

Hoth


11.5.05 22:27:14
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Wie AK schon richtig sagte, Wachhaltemittel und keine "Aufputschmittel"! Ist dann also Schoka-Cola auch ein Aufputschmittel, nur weil es durch Koffein wachhält? Die Frage ist sicher in diesem Zusammenhang nicht so sehr die Wirkung, sondern die Absicht.

Zum anderen ist man heute natürlich viel weiter bestimmte Stimulantien verschiedenen Genres zuzuordnen.

[ Editiert von Hoth am 11.05.05 22:28 ]

AK 74 ZF


11.5.05 22:39:44
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Naja Erich,

etwas makaberer Fall -> aber auch in dem Zusammenhang eher als normales Mittel genutzt um die Jungs in einem besonderem Notfall schnell auf die Beine zu bringen. Hätt kaltes Wasser gereicht oder ein Schlag auf die Zwölf, so hätte der Arzt auch dieses Mittel genutzt. Ein Beispiel für bewußten Einsatz von Drogen/Aufputschmitteln ist selbst diese etwas krüde Episode nicht. Wobei der Arzt in dem Fall die Risiken (Alk+Aufputschmittel bei Hitze ist ja nicht ungefährlich !) und auch Nebenwirkungen sicher kannte und bewußt ein Risiko einging. Aber die Brandenburger käpmften normalerweise nicht unter dem Einfluß von "Drogen". Dazu waren die Brandenburger viel zu Clever. Daß sie wie andere Einheiten auch(ich sprach ja die Fj. indirekt schon an) das Pervitin nutzten um Wach bzw. in besonderen Momenten trotz Schlafmangel und starker Erschöpfung voll "Gefechtsbereit" zu sein war im Krieg sicher normal. Droge und Betäubungsmittel "Nummer 1" war aber auch bei ihnen der Alkohol. Wobei die Jungs in dem speziellen Fall (aus purer Not heraus) entgegen dem Befehl "In den Tropen und Mittelmeerregionen kein Alkohol vor Sonnenuntergang !" gehandelt haben und der Doktor keinen anderen Weg sah als Pervitin zu spritzen.
Ich kenn zumindest nur die Tabletten, daß es auch flüssig verabreicht wurde war mir zumindest nicht so geläufig.

AK 74 ZF

Hoover


12.5.05 10:21:42
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Ich kenne die Schilderungen aus der Ardennenoffensive, wo sich die Panzerfahrer mit Pervitin bis zu einer Woche wachhielten.
Ein Beispiel ist Stoumont, wo 3 Panther der LAH (KG Peiper) zum Bahnhof Stoumont vorstießen. Die Besatzungen waren 4 Tage ohne Pause im Einsatz und "übersahen" 2 US-Panzerjäger, die seitlich am Straßenrand standen. Alle 3 Panther wurden abgeschossen, ohne dass die Deutschen reagierten. In einem US-Bericht steht, dass die paar Gefangenen der Besatzung an Ort und Stelle einschliefen, als sie von den Amis "kassiert" wurden.

Gab es denn bei Pervitin auch einen "Totpunkt", wo auch das Zeug nicht mehr wirkte?

AK 74 ZF


12.5.05 10:50:01
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Hi Hoover,

mein Großvater meinte das Zeug konnte man fressen bis man irgendwann umfiel. Danach holte sich der Körper aber dann den Schlaf mit Gewalt. Dein Beispiel zeigt auch daß diese Mittel bei langem Gebrauch auch abstumpften bzw. die Wirkung nachließ. Nach mehreren Tagen waren die Leute sicher auch trotz und mit diesen Mitteln fix und alle. Wie lange man mit solchen Mitteln den "Totpunkt" rausschieben konnte weiß ich aber auch nicht. Denke mal da müßte man mal Mediziner fragen. Wobei dies sicher auch von Person zu Person unterschiedlich war und ist ! Das Schlafverhalten sowie bestimmte Reaktionen des Körpers sind ja stark unterschiedlich. Hängt von vielen Faktoren ab. Von körperlicher Konstitution bis hin zur psychischen Stabilität bzw. Zustand. Ähnlich wie andere Aufputsch- oder auch Schlafmittel wird die benötigte Menge bei längerem Gebrauch immer größer. Zudem dürfte neben der Gewöhnung auch eine gewisse Suchtgefahr (bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln ja auch bekannt)bestehen.
Und im Mix mit Alkohol, steter Überforderung, Streß, Schlafmangel, schlechter Ernährung etc. dürften sich viele Soldaten mit solchen Mitteln auch Herzschäden oder andere Gesundheitsschäden zugefügt haben.
Nicht umsonst sind solche Amphetamine u.a. Mittel heute "Drogen" bzw. streng Verschreibungspflichtig.

AK 74 ZF

[ Editiert von AK 74 ZF am 12.05.05 10:50 ]

Hoover


12.5.05 10:56:02
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Gibt es dieses Pervitin in irgendeiner Form noch heute?

Bem Bund haben wir auf langen Übungen immer Koffeintabletten gefressen, war aber auch eher scheiße.

Nach 2-3 Tagen war man fertig, Herzklopfen und Mattigkeit.

[ Editiert von Hoover am 12.05.05 11:04 ]

steffen04


12.5.05 12:34:12
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Gepostet von Hoover
Beim Bund haben wir auf langen Übungen immer Koffeintabletten gefressen, war aber auch eher scheiße.

Nach 2-3 Tagen war man fertig, Herzklopfen und Mattigkeit.

[ Editiert von Hoover am 12.05.05 11:04 ]


Jau - Percoffitrinol oder so ähnlich. Gab´s 1983 noch mit 25% Ephedrin frei und billig in der Apotheke, danach war´s Kinderkram. Text auf Packungsbeilage: Kann bei Abusus zu konträren Wirkungen führen, was haben wir gelacht. Kam allerdings eher nach durchzechten Nächten zum Einsatz. Die Kasernenwoche konnte man so ausschliesslich mit dem Schlaf im theoretischen Unterricht und der Putz- und Flickstunde bestreiten. Sonst gab es halt diverse Cannabis- und LSD-Derivate.

Petronelli


13.5.05 07:34:37
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Bei welchem Junkie-Club wart ihr denn?
Seit Ihr sicher, dass ihr in der BW wart und nicht als Zivi den Medizinschrank der Oberschwester geplündert habt?Smiley mit Ironie-SchildSmiley mit Ironie-Schild
Ich habe von sowas keinen Krümel gesehen geschweige denn jemals davon gehört....Unter welchen Umständen wurde der Kram den ausgeteilt, und vor allem würde mich interressieren bei welcher Einheit ihr wart...?
Is ja doll...würde der Kanzler sagen..

Hoover


13.5.05 10:31:31
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Naja, in meinen ersten 4 Jahren war ich bei den Pionieren, da waren wir des Öfteren auf längeren Übungen (so bis 3 Wochen waren normal). Und da kam es nicht selten vor, dass wir 3-4 Tage unterwegs waren, ohne mal richtig schlafen zu können. Und da kamen die Zaubermittel. Meine längste Wachzeit war 4 Tage. Danach bin ich im Straßengraben bei der Sicherung eingepennt und war auch nicht mehr richtig wachzubekommen. Die Einzeigen, die ihre Ruhezeit bekamen, waren die Kraftfahrer, aber auch nicht genug.

Es war teilweise schon fast strafbar, was da gemacht wurde. Die Tommies waren allerdings noch schlechter dran, die haben echt gelitten.

AK 74 ZF


13.5.05 11:13:06
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Hallo Hoover,

Coffeein-Tabletten gab es bei uns übrigens auch.

Hunger, Durst, Streß, Körperliche Belastung bis über die Leistungsgrenze hinaus,ständiges Triezen, Herausreißen aus dem Schlaf und Schlafmangel gehörten bei uns zur Ausbildung.

Trotzdem weiß ich daß dies gegen die Leistungen unserer Großväter alles noch Pillepalle war !

AK 74 ZF

P.S. Hoover unsere Jugend heute .....weinender Smiley

Hoover


13.5.05 11:30:06
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Ich habe "unsere Jugend" erlebt, als ich in den letzten Jahren meiner Dienstzeit Waffen- und Gerätefeldwebel in einer Grundausbildungsenheit war. Die Herren und Damen Rekruten sind m.E. nicht mehr belastungsfähig, geschweige denn leistungsbereit. Da merkt man, dass viele (die Mehrzahl) die BuWe als Parkplatz der Arbeitslosigkeit verstanden. Und wenn man die Persönchen mal härter rannahm kam gleich der Anruf des Wehrbeauftragten! Ja, wirklich passiert. Ein Krieg wird mit dem Haufen wohl zur Zeit nicht zu gewinnen sein.

Herrje, haben die Uffze uns "damals" gequält...geschadet hat es uns aber eigentlich nicht.

Klar, bei Opas Wehrmacht war es noch härter. Die Geschichten kann man kaum glauben.

waldi44


13.5.05 13:40:16
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Gepostet von AK 74 ZF
Hallo Hoover,

Coffeein-Tabletten gab es bei uns übrigens auch.

Hunger, Durst, Streß, Körperliche Belastung bis über die Leistungsgrenze hinaus,ständiges Triezen, Herausreißen aus dem Schlaf und Schlafmangel gehörten bei uns zur Ausbildung.


Warum nur habe ich damals nich solch "lecker Sachen" bekommenam Kopf kratzender Smiley? Wäre vielleicht länger gebliebenSmiley mit Ironie-Schild!
Gezuckerte Kondensmilch und Teeriegel war allesweinender Smiley.....
naja und Wodka naturlementklatschender Smiley!

AK 74 ZF


13.5.05 14:19:56
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Hi Waldi,

gezuckerte Kondensmilch in der Truppenverpflegung ???
Warst Du bei der Schutztruppe für Interhotels ???klatschender Smiley

Die Koffeeintabletten gabs übrigens in der Apotheke.
Heute hab ich im Auto meist ne Blechschachtel von Opas alter "Fliegerschokolade" bei. Die "Schoca-Cola" hat zwar nur noch 0,2 % Koffeein aber mir schmeckt das Zeug. Und zur Not -> Fenster auf Frischluft und an der nächsten Tanke ein ordentlicher Kaffee.

Tja, Zeiten ändern sich !klatschender Smiley

AK 74 ZF - der weiß daß ein richtig und stark aufgebrühter Schwarztee noch viel mehr Koffeein/Teein hat als Kaffee -

waldi44


13.5.05 14:29:38
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Nee, die Kondensmilch gab's tatsächlich. Die war so dickflüssig, dass wir sie auslöffelten.

Starker Tee? Ich wette, DU hast noch NIE starken Tee getrunken:D!
Wenn Du mal, ausser mir, einen alten Brandenburger triffst, frag ihn mal nach starkem Tee. Unser Tee war so stark, dass er die Leute umgehauen hat und mancher behandelt werden musste(ähnlich verhielt es sich mit "starkem Tabak!).
Abgesehen davon, dass der Tee als solcher eine sehr lange "Lebenserwartung" hatte, bis er entlich "ausgedient" hatte!
Den bekamen dann die letzten, die sich keinen kaufen konnten, wenn Du verstehst was ich meine;)!
Ich rede NICHT von der NVA, was den Tee betrifft:D!

~Rainer


13.5.05 23:27:38
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Hallo,
bei der BW gab es auch noch Pervitintabletten und Schoka-Kola mindestens bis zur Abschaffung der Springerzusatzverpflegung.
Gruss
Rainer

AK 74 ZF


13.5.05 23:45:48
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Nu Waldi -> Schwarzer Tee geht voll ab !
Was die "Brandenburger" betrifft ......
Kenn ich vom RKT über nen ollen Feldwebel und nen "Göhrdener" so einige. Ich war ja auch paar Jahre "Brandenburger" klatschender Smiley -> in "Steinstücken" draußen ...

Aber werd mal meinen Onkel fragen ob die uffn Göhrden den Tee noch veredelt haben. Gab da ja einige Rezepte die der Normalo nicht kennt.

@Rainer -> habt Ihr ja noch fast die olle Springerverpflegung von Opa gehabt.

Wobei die Springerzulage bzw. K-Rationen der NVA auch nicht übel waren.Ganz früher waren da sogar noch Zigaretten drin.Der normale Tagessatz der NVA lag bei 4,50 Mark und der der Springer bei 6,50 Mark. Die Schokolade war meist von Zetti und schmeckte auch gut.Das Atombrot in der Dose kann man in 100 Jahren sicher noch futtern.

AK 74 ZF - der eh alles gefuttert hat was nährte -> vom selbstgefangenen Karnickel bis zu den Weißen Bohnen aus der Büchse -

Sergeant Major


14.5.05 11:10:33
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Wer ist mit Brandenburger gemeint?
Ein Einwohner oder ein Angehöriger der "Division Brandenburg"?

AK 74 ZF


14.5.05 11:47:34
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Nu Sgt Major,

Waldi kanns sicher sortieren !

Was mich betrifft so hab ich sowohl in Brandenburg/Havel gewohnt und auch gedient. Für die legendären "Brandenburger z.b.V. 800" bin ich wohl sicher eindeutig zu jung.klatschender Smiley
Anhand meines Profils und Avatars ist zumindest zu sehen daß ich in der NVA gedient hab. Als ehemaliger Offizier ist Geschichte, insbesondere Miltärgeschichte, zudem mein Hobby.
Da ich mich seit über 25 Jahren mit Ausbildungsmethoden, Einsatztaktiken etc. von Spezialeinheiten -> u.a. auch der "Brandenburger" -> beschäftige, steh ich da zumindest ein bißchen in der Materie. Zudem hatte ich mal die Möglichkeit mit zwei Veteranen dieser Truppe längere Gespräche zu führen. Sehr interessante Gespräche übrigens -> weitab von den Klischees "blöder Kommunist" und "böse Nazis" -> Männergespräche eben. Wobei neben militärfachlichen Fragen auch ein Austausch hinsichtlich "Ideologie und Welt-/Lebensanschauung" eine Rolle spielte. Und -> da ja Ausgangspunkt der Frage -> "Brandenburger" warn wir alle drei. Ist eben nur ne Frage der Definition und Interpretation !

AK 74 ZF

P.S. Ach ja Erich H. war auch mal "Brandenburger".Smiley mit LoooL-Schild

Hoth


14.5.05 12:01:01
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AK, willste nicht mal einen Thread zu den "Brandenburgern" ins Forum stellen?! Mich interessiert das Thema sehr und ich hätte gern mehr über Ausbildung, Einsätze, Führung, Struktur etc. dieser Männer gewußt. Ist sicher auch für viele andere ein spannendes Thema. Ich denke, z. B. allein über Dünaburg könnte man doch schon lange reden.
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