Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Koppelschloss

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AutorBeitrag

Balsi


23.4.02 13:27:32
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Hab ich grad gelesen in der Biographier zu Wallenstein. Die katholischen Heere hatten als Parole "Jesus Maria" und Protestanten "Gott mit uns" wie es auf den Koppelschlössern im 1. und 2. WK stand...

waldi44


23.4.02 14:10:00
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Schon toll zu sehen, wofür die Heiligen alles herhalten mußten, müssen und sich misbrauchen lassen. Gott war anscheinend schon mit jedem Heer dieser Welt und auch Maria zierte so manche Streitfahne, manchen Schild und Panzer.
Mit wem waren denn diese Heiligen (Scheinheiligen?)nun wirk-
lich? War Gott immer mit den Siegern oder auch den Besiegten? Galt die Barmherzigkeit einer Maria oder eines Jesus den Lebenden oder den Toten? War es eine Gnade, daß das 3. Reich nur zwölf Jahre dauerte oder war es eine Gnade, daß es zwölf Jahre dauern durfte!
War es göttliche Gnade, daß "nur" 6 millionen Juden ermordet wurden oder wurde den Nazis durch göttliche Fügung erlaubt 6 millionen Juden zu ermorden?
Gott mit uns oder mit denen?
Gott schütze uns vor diesem Gott!

OGLongbeach


23.4.02 19:25:19
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Au, Waldi.
Du scheinst ja ein kleiner Atehist zu sein.
Ich will nicht sagen das ich der Gläubige Christ bin, aber hat derjenige welcher die Menschen sich nicht selbst überlassen ??
MfG OG Longbeach

waldi44


24.4.02 12:30:37
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Nun, besser ein Atehist sein, als mit der Weihrauchschleuder seinen "Nächsten" mit dem Ruf; "Gott will es", zu erschlagen ;)!

OGLongbeach


24.4.02 15:37:51
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Nun mal im Ernst,
ich denke das zumindest jedes abendländiche Heer seit dem Mittelalter, den Gottesglauben und die Gottesfürchtigkeit leider für sich instrumentalisiert hat. Das liegt zum großen Teil daran das die Kirche sich ihrer Macht über das Volk immer bewußt war( und ist), und diese meines erachtens schamlos für ihre Ziele ausgenutzt hat. Wobei wir aber beim springenden Punkt angelangt sind. Die Kirche, egal welche, ist für mich keine von Gott eingesetzte Vertretung auf Erden, sondern ein alterndes,heuchlerisches Kartell, das von Menschenhand zum dem gemacht worden ist, was es ist.
Leider waren auch die Nazies nicht dumm, Gott mit uns in die Koppelschlösser stanzen zu lassen, so konnte man für die Soldaten den Krieg in ein gerechtes Licht rücken.
MfG OG Longbeach

Balsi


24.4.02 15:55:57
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interessant dabei ist, das der Nationalsozialismus ja eigentlich keine Freund der Regilion war, im bezug auf Katholizismus, Protestantismus usw.. So war es anfänglich inder SS nicht gern gesehen, wenn man kirchlich war, man sollte dem Glauben absprechen und das Germanentum verehren.. bzw. den Nationalsozialismus ansich als Religion sehen (Julfest usw.), die relogiösität war aso nur nach aussen gegeben um mit Hilfe der Kirche die Leute hinter der eigenen Sache zu wissen. Denn egarde damals war die Religion noch hoch im Kurs, gerade bei der Landbevölkerung. Also musste man die kirche mit auf die "richtige" Seite ziehen um unter deren vorwand zu handeln, "Gott mit uns" ist meiner Meinung nach nur der Köder bzw. das Sinnbild der Obhut in die man sich begibt(als Soldat).. in einen von gotte gewollten krieg zu ziehen...

waldi44


24.4.02 16:42:01
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Ihr habt beide recht! Ich bin schon vor einer Weile aus der Kirche ausgetreten! Deswegen fühle ich mich aber nicht als "Gottloser"!:D
Ich glaub, die wahren "Gottlosen" saßen und sitzen in den Kirchen. Allein die Haltung der Kirchen zu egal welchen Kriegen und dem Systhem der "Ausbeutung des Menschen durch den menschen" währe ein Grund diese als verbrecherische Organisation zu verklagen!
Aber wer soll das vor welchem Gericht tun! Gibt es aber ein "Jüngstes Gricht", werden sich die meisten der kirchlichen Würdenträger von ihm ins, wenigstens zeitlich begrenzte, wenn nicht gar ewige Fegefeuer schicken lassen müssen, wo sie schon von ihren vielen vielen Vorgängern erwartet werden :blackeyedev:!!

OGLongbeach


24.4.02 18:59:47
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Da kann ich dir nur beipflichten Waldi,
Ich bin ebenfalls kein Gottloser, und um an Gott zu glauben brauch man nicht in die Kirche zu gehen !!

MfG OG Longbeach

waldi44


1.6.02 21:10:20
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Es gab auch andere:

Clemens August Graf von Galen
Ab 1933 Bischof von Münster, 1946 Kardinal.
Geboren am 16.3.1878 in Dinklagen, verstorben am 22.3.1946 in Münster.
1904 bekam Clemens August Graf von Galen die Priesterweihe und war von 1906-1929 als Pfarrer in Berlin tätig. In dieser Zeit äußerte er mehrfach Skepsis gegenüber der modernen Gesellschaftsordnung und kritisierte auch die parlamentarische Demokratie der Weimarer Republik. Politisch aktiv war er im konservativen Flügel des Zentrum. Er übernahm eine Pfarrei in Münster und wurde dort 1933 Bischof. In dieser Eigenschaft verurteilte er öffentlich die kirchenfeindliche Politik der NSDAP und forderte ein offensives Vorgehen der Kirche gegen den Nationalsozialismus.
1934 förderte er die Verbreitung der "Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts", die sich gegen die NS-Ideologie richteten.
Er engagierte sich im Widerstand mit verschiedenen Protestaktionen und sorgte u.a. für die rasche Verbreitung der Enzyklika "Mit brennender Sorge", die den Nationalsozialismus scharf verurteilte.
1941 hielt von Galen drei Predigten, in denen er die Beschlagnahmung von Kirchengut und die Euthanasiemaßnahmen der Nationalsozialisten anprangerte. Sie wurden als Kopien in Deutschland verbreitet und später auch von den Alliierten in Flugblättern auszugsweise vervielfältigt. Sogar an der Ostfront wurden die Predigten von Bischof von Galen heimlich gelesen.
Der Bischof von Münster ging noch einen Schritt weiter und stellte Strafanträge wegen Mordes. Die sogenannte T4-Aktion zur Tötung "unwerten Lebens" wurde eingestellt.
Aufgrund seiner außerordentlichen Beliebtheit wagte die NS-Führung es nicht, Hand an Bischof von Galen zu legen, sondern verschob eine Bestrafung bis zum siegreichen Ende des Krieges.
Galen wurde als der "Löwe von Münster" bekannt, der sich durch seine konservative, unbeugsame Einstellung auszeichnete. Nicht nur dem NS-Regime stellte er sich mutig entgegen, sondern versuchte auch in der Nachkriegszeit die deutsche Bevölkerung gegen die Übergriffen und Willkürhandlungen der britischen Besatzungsmacht zu vertreten.
1946 wurde er vom Papst Pius XII. zum Kardinal ernannt

waldi44


1.6.02 23:55:47
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In Deutschland undekbar:

The 96th's Memorial Window, St Andrews Chapel, Quidenham, UK.
Zu Recht? Ist mal 'ne Frage?

Axel43


13.1.03 15:53:02
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Die Herren machen sich das Ganze viel zu einfach. Ersten ist die Inskription der Koppelschlösser bzw der Fahnen nicht von den Kirchen gefordert oder gar gewünscht worden, sondern selbstverständlich von den betreffenden militärischen Behörden. Und dort gan es tatsächlich eine ganze Menge frommer Menschen. Zweitens handelt es sich hier nicht um Mißbrauch der Religion sondern um Brauch der Religion, nämlich um Hoffnung auszusprechen und vielleicht auch um ein bißchen Trost zu spenden. Es geht ja immerhin ums Sterben, um sehr menschliche Angst, und in solchen Situationen flieht ein Christ selbstverständlich zu seinem Glauben (wohin denn sonst ?!). Soweit ich weiß geht auch keiner in den Krieg in der Hoffnung, daß er besiegt werden wird, sondern man hofft als Soldat, daß man siegt (weswegen denn sonst kämpfen ?!) und wird selbstverständlich auch dafür beten. Es ist im Zusammenhang interessant zu notieren, daß die WaffenSS an sich und offiziell zumindest agnostisch wenn nicht gleich atheistisch war (und keine fromme Devise auf dem Koppelschloß hatte !), aber wenigstens den fremden Truppen (Franzosen, Finnen, Bosniern) erlaubte, Feldgeistliche (in Uniform) zu haben. Not macht beten. Aber "vom sichren Port läßt sichs gemächlich raten" (Schiller), und darunter fallen wohl die Beiträge bisher zu diesem Thema.

Balsi


13.1.03 16:27:13
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ist es dann nciht aber Missbrauch wenn ich einerseits sage "Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst".. und gleichzeitig segne ich als Divisionspfarrer meine eigenen Truppen, damit sie im kampf bestehen in dem sie vom gegner eben mehr töten als er von den meinigen? Das dies natürlich keine Frage des Nationalsozialismus ist.. ist mir klar.
Doch frage ich mich wieso wurde die Kirche, wissentlich auch von den eigenen Anhängern, gleichgeschlatet, mit dem Ziel die religion auszuschalten? Ist es dann nciht ein missbrauch, wenn ich nach aussen hin die religion nutze, im innern aber danach trachte die Reliogion zu verdammen? Beispiel SS, dort war es ja nciht gern gesehen wenn man bspw. katholisch war. Ok dieser Gedanke setzte sich nicht durch.. aber dennoch stand es als Leitlinie.
Ebenso wie man sagt.. je ärger es im Krieg stand umso grösser wurde der Zuspruch zu Gott. Demnach also aus der Not heraus.

waldi44


14.1.03 01:38:04
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@Axel: Ich glaube, nicht die "Herren" in diesem Forum machen es sich leicht, sondern die Kirche und deren Vertreter, zumindest die meisten! Immer schön das Mäntelchen in den Wind gehangen und wehe aus den eigenen Reihen, tanzte jemand aus den selbigen.
Gestern erst tat die Kirche in der Person des jetzigen Papstes eine wahrhaft historischen Schritt: Der Papst rief mal nicht zum Krieg auf oder schwieg, sondern warnte davor!

Axel43


14.1.03 03:57:49
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Ich finde es immer riesig interessant wenn mich Leute, die sich selber als Atheisten bzw Heiden beschreiben, in Sachen Christentum und christl. Glauben belehren wollen.
Auch wer seinen Nächsten liebt, wird manchmal zur Waffe greifen müssen, z B in der Selbstverteidigung. Abgesehen davon: im modernen Krieg ist ein jeder Kriegsteilnehmer, auch die Krankenschwester und der Müllabholer. Es gab und gibt immer wieder Menschen, die aus Gewissensgründen jegliche Teilnahme am Krieg verweigern, und dann auch geduldig die Strafe dafür tragen. Andere aber meinen, daß man sich der Teilnahme nicht entziehen kann, als soziale Pflicht z B. Daß man dann im Glauben Trost und Stütze sucht ist selbstverständlich, und daß Pastoren u Priester mit diesen Menschen in den Krieg gehen um sie zu betreuen, ist genauso selbstverständlich. Ich bin selber zu jung, um am Krieg teilgenommen zu haben, aber ich habe nur positives über die Feldgeistlichen gehört (von ehemaligen Soldaten) bzw gelesen. Ich habe einen Mann gekannt, der als Soldat der Wehrmacht und Kriegsgefangener in Sibirien so von den Feldgeistlichen beindruckt war, daß er dadurch selber zum christlichen Glauben gefunden hat. Hier in den USA sind die Feldgeistlichen außerordentlich hoch angesehen. Ich weiß, daß das auch so bei den schwedischen Freiwilligen im Winterkrieg war.
Daß die Kirchen sich im 3. Reich einvernehmen liessen war einfach das Ergebnis des schon damals sehr verdünnten deutschen Christentums. Bewußte Christen, Lutheraner als auch Katholiken, haben sich widersetzt und sind auch nicht gleichgerichtet worden.
Aber zurück zum Thema ! Das Koppelschloß drückt also nichts anderes als einen Glauben und eine Hoffnung aus, die früher praktisch selbstverständlich war. Man ging vor dem Gefecht zum Abendmahl, man sang seine Kirchenlieder (sogar das Heer des 3. Reiches gab jedem Soldaten, meines Wissens, ein christl. Gesangbuch) - man hat noch gewusst, um was es geht. Daß man soetwas heute nicht mehr in Deutschland verstehen kann bzw will hat wohl die selbe trübe Ursache, wie die Sache mit dem Stahlhelm. Wir Amis tragen inzwischen den "Fritz", die Deutschen tragen den veralteten und fremden GI Helm. Tjaaa...

Balsi


14.1.03 08:27:53
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hier mal ein Zitat aus dem Buch Illustrierte Geschichte der Hitlerjugen von Brenda Ralph Lewis
"Traditionellen Religionsunterricht gab es im 3. Reich kaum, besonders nach der Schliessung der protestantischen Schulen 1934 und der katholischen 1936. Hitler, der römisch-katholisch war, billigte die katholischen Ideen keineswegs. Er kritisierte den jüdischen und orientalischen Ursprung des Christentums. Es widme Vergebung, Gnade, Liebe, rassischer Gleichheit und den bedürfnissen der Verkrüppelten zuviel Aufmerkasamkeit. Er zog den Schluss, daß das Christentum die Religion der Schwachen sei und heimtückische Ideen enthalte, die dem deutschen geist fremd seien.[...] Man versuchte sich der Religion zu bemächtigen, indem man sie nazifizierte. Im deutschen Christentum wurde Jesus als nordischer Märtyrer dargestellt, der von den Juden getötet worden war, doch in seinem tod die Welt vor dem jüdischen Einfluss rettete. Hittler war der neue Messias, den Gott entsandt hatte, um Deutschland zu erretten. Dieses deutsche Christentum war nie akzeptiert und rief bei den protestanten aktven Widerstand hervor, die als Gegenpol die konfessionelle Kirche schuf, die die Weltanschauung der Nazis als völlig unchristlich zurückwies. Ergebnis von all dem war, dass die jungen Deutschen weitgehend ohne formellen christlichen Unterricht blieben und Führerverehrung und Naziprinzipien zum Religionsersatz wurden."
Ich kenne auch viele Beispiele von Divisionspfarrern, bspw. in Stalingrad, die über sich hinaus wuchsen. Wenn sie auch nur einem Soldaten Trost haben spenden können dann hat es sich gelohnt, das sie dabei waren. Aber wenn ich mir das Zitat anschaue, dann wurde die Kirche eindeutig benutzt, die Ziele des Nationalsozialismus durchzusetzen. Das man es ncith so rigoros machte wie vielleicht bei anderen gruppen, liegt einfach nur daran, das die religion zu tief verwurzelt war. Schaut man sich die Jugende, Jahrgang 25/26, an dann sieht man die Religion eben nicht mehr. Man "züchtete" also eine Generation heran, die die Religion nicht mehr "brauchte".
Ziel war es die Religion auszumerzen, siehe Weihnachten und Julfest usw.
Als Divisionspfarrer war man aber in erster Linie dennoch Soldat. Schau ich mir den Mller an, der war im 1. WK auch Soldat, da hat er das EK selbst auf seiner ich sag jetzt mal Kutte.
PS: das mit dem Stahlhelm halte ich nicht für perfide, es ist nur ein Beispiel von vielen. Der Bundeswehr fehlt einfach das Geld umzurüsten, als ich bei der BW war, gab es diese Helme auch, aber eben nur für Offiziere oder mit Beziehungen.
Belehren will ich hier niemanden, doch meine ich sollte man uns wenigstens die Möglichkeit geben unseren Standpunkt zu erklären. Denn immerhin hiess es ja, wir würden hier zu dem Thema im Grunde genommen nur Unsinn schreiben.

waldi44


14.1.03 23:49:52
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Da möchte ich mich mal vorbehaltlos dem Balsi anschliessen!
Axel, mitnichten wollte ich Dich in Sachen Christentum und Glauben belehren.
Das muss jeder für sich und mit sich selbst ausmachen, was mich oder andere aber nicht daran hindern sollte, diesbezüglich auch meine/ihre Meinung einzubringen!

Sniper


15.1.03 03:29:20
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Sicher kann man das Waldi. Nur muss man sich dann aber auch mit der Materie unvoreingenommen beschäftigt haben.
Gestern erst tat die Kirche in der Person des jetzigen Papstes eine wahrhaft historischen Schritt: Der Papst rief mal nicht zum Krieg auf oder schwieg, sondern warnte davor!

Aber wenn ich diesen Satz von dir lese glaube ich du hast es verpasst dich damit unvoreingenommen zu beschäftigen. Den sonst müsste dir aufgefallen sein das die Kirche und besonders der Paps ständig und seit vielen Jahre, zu Frieden und Völkerverständigung aufrufen. Die Kirche betreibt und betreut auch viele Missionen und Hilfsorganisationen grade in Kriegs und Kriesengebieten. Und ohne ihren Einsatz wäre Not und Elend viel grösser.
Also bitte nicht immer so pauschal über die Kirche und ihre Mitarbeiter urteilen.
Übrigens bin ich kein Kirchenmitglied und auch nicht gläubig.

Axel43


15.1.03 03:30:10
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Wir sind hier inzwischen recht weit vom ursprünglichen Thema abgekommen und sollten wohl eigentlich ins Forum 3. Reich wechseln, aber... Das Zitat ist ganz korrekt. Ja, die Wirklichkeit war noch schlimmer, man braucht sich bloß die kirchl. Zeitschriften der damaligen Zeit anschauen, da gruselts einem (jedenfalls mir). Schon gar nicht zu reden vom Verrat der Kirchenleitungen an ihren Amtsbrüdern mit jüdischem Hintergrund. Die meisten waren Mitläufer, viele wollten wie auch heute ein "modernes, zeitgemäßes Christentum", also mehr "-tum" als "Christen-". Aber es gab auch genug Leute, die ihren Glauben und ihr Bekenntnis sehr ernst nahmen und sich absolut nicht vereinnahmen ließen.
Die Inschrift auf dem Koppelschloß war also ein Stück aus vergangener Zeit, was ja an sich recht typisch für Uniformen ist. Das bedeutet aber nicht, dass es prinzipiell unehrlich gemeint war. "Gott mit uns" ist übrigens nichts anderes als eine Verdeutschung das Namens "Jesus/Immanuel" und ist als solches schlicht und einfach ein Gegenstück der evangelischen Preußen zum katholischen "Maria".
Die Paradekleidung der Heeresgeistlichen hieß "Langer feldgrauer Rock", ansonsten war es die normale Uniform, ohne Schulterstücke.

waldi44


15.1.03 11:40:31
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@Sniper: Ich versuche das global zu sehen und beschränke mich dabei auch nicht unbedingt auf die letzten Jahre und auch nicht nur auf die Zeit des 3. Reiches. Ausserdem beziehe ich mich bei der Kritik an der Kirche nicht unbedingt auf deren einzelne Mitglieder, sondern der Kirche als Institution!
Eigentlich gehört sie mit auf die Liste der verbrecherischen Organisationen, gleich neben die Mafia und die SS! Dabei spielt es weiter keine Rolle, welcher Konfession!
Die von der Kirche begangenen Verbrechen ziehen sich wie ein blutiger Faden durch die zwei Tausend Jahre ihrer Existenz bis in die Gegenwart und daran ändert auch das angagierte humanitäre Verhalten vieler ihrer Mitglieder weltweit nichts!
Mittelbar und unmittelbar hat die Kirche so viele Menschen auf dem Gewissen (kann eine Institution überhaupt ein Gewissen haben?)und soviele Verbrechen begangen und begehen lassen, dass sie eigentlich ihr Recht als humanitär zu gelten für mindestens weitere Zweitausend Jahre verwirkt hat!
Mord, Massenmord, aufruf zum Mord, Aufruf und Vorbereitung unzähliger Angriffskriege, Urkundenfälschung, Verläumdung, Raub, Betrug und anstiftung zu diesen, Vergewaltigung und Unzucht mit minderjährigen, Verschwörung gegen alles mögliche aber immer zum eigenen Nutzen! Noch was vergessen?
Weltfremdes Denken und Handeln ist ja noch nicht strafbar, führt aber in letzter Konsquenz oft zu strafbaren Handlungen!
Immerhin gibt man ja inzwischen zu, dass sich die Erde um die Sonne bewegt, aber Giordano Bruno wurde, anders als Galilei, noch immer nicht rehabilitiert, aber sein Mörder ist schon seit längerem heilig gesprochen!

Sniper


16.1.03 02:25:55
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Naja Waldi nur darf man dabei nicht ausser acht lassen das viele der von dir genannten Verbrechen zwar im Namen der Kirche aber nicht zwingend auch durch die Kirche verübt wurden. Und den Eindruck "Gott mit uns" hat ja nun auch nicht etwa die Kirche in das Koppelschloss pressen lassen sondern irgend ein Zeugamt. Und nur weil dieser Spruch dann von deutschen Soldaten auf die Schlachtfelder dieser Welt getragen wurde heisst das ja nicht das die Kirche auch für dort begangene Verbrechen oder Greultaten mitverantwortlich ist. Genau so wenig wie viele deutsche Soldaten die auch in diesem Krieg gekämpft haben. Den in diesem Forum (so hab ich zu mindest den Eindruck)werden doch Soldaten nicht auch pauschal zu Mördern und Verbrechern abgestempelt. Und das obwohl grade bei den RK Trägern der Marine viele U-Kommandanten in diese Kategorie gehören würden.
Gruss Sniper

Axel43


16.1.03 03:55:27
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Na, Kinder, der Waldi44 hat wohl was man bei uns einen "hangup" nennt, und da hilft alles diskutieren nichts.
Aber abgesehen davon ist selbstverständlich keine Kette stärker als ihr schwächstes Glied, und keine Organisation besser als ihr schwächstes Mitglied, und das gilt auch für die Kirche als Organisation. Was nicht gerade eine Neuigkeit ist ! Allerdings dürfte ich doch meinen deutschen Freunden fromm raten, nicht solche gewaltigen Pauschalurteile auszusprechen - weder über Kirche noch über Ubootskommandanten mit RK (die übrigens hier in den USA sehr bewundert werden) - denn soetwas fördert nur das grobe Pauschalurteilen über die Deutschen insgesamt. Und gerade das, schätze ich, ist nicht sehr erwünscht, oder ? Na also.

waldi44


16.1.03 13:28:12
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Gepostet von Axel43
Allerdings dürfte ich doch meinen deutschen Freunden fromm raten, nicht solche gewaltigen Pauschalurteile auszusprechen - weder über Kirche noch über Ubootskommandanten mit RK (die übrigens hier in den USA sehr bewundert werden) - denn soetwas fördert nur das grobe Pauschalurteilen über die Deutschen insgesamt. Und gerade das, schätze ich, ist nicht sehr erwünscht, oder ? Na also.

Nicht nur in den USA werden Ritterkreuzträger bewundert! Daran ist ja auch nichts verkehrtes, wenn man sich die "Objekte" seiner Bewundereung genau aussucht!
Es ist genauso falsch alle Ritterkreuzträger als Helden zu ver-
ehren, wie es ebenso falsch ist, sie pauschal als Kriegsverbrecher abzustempeln und auch nicht jeder SS- Mann war ein Mörder.
Ich denke aber, dass wir das hier in diesem Forum ganz gut im Griff haben ;)! Hart aber fair sollte über alles gesprochen und diskutiert werden und niemanden soll die Meinung eines anderen übergestülpt werden aber keiner wird daran gehindert, seine Meinung zu einem bestimmten Thema eventuell neu zu überdenken und gegebenenfalls auch zu ändern :D!
Inwieweit die Soldaten aber in ihrem Koppelschloss bzw dem Spruch darauf einen Trost finden sollten, bleibt einem "Heiden" wie mir verborgenSmiley mit verdrehten Augen ! Eher sehe ich darin ein Detail, das die ganze Verlogenheit des nationalsozialismus offenbart und auch vor Gott nicht halt machte, dem aber auch von gottes Dienern (mit wenigen Ausnahmen) kein Einhalt geboten wurde. Nach dem Notto: Wenn wir es nicht verhindern können (wollen?), dann machen wir eben mit!?

Axel43


16.1.03 22:54:35
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Tja, lieber Waldi44, die Deutschen sind eben leider als Mitläufer bekannt. Wenn ich mich recht erinnere, so war das sogar eine offizielle Kategorie der Entnazifierungskammern (Spruchkammern). Bei den Politikern und Parteien war das Anno 33 auch nicht anders. Auch die Sportler und die Akademiker haben eifrig mitgemacht. Die Norweger haben uns allerdings vorgemacht, wie man als lutherische Kirche gegen den NS Staat protestieren kann. Die sind einfach in den Generalstreik gegangen und haben dann staatsunabhängig als Privatleute weiter gemacht. Lesen Sie mal nach unter Eivind Berggrav !
Mit der Inschrift des Koppelschlosses hatten die Nationalsozialisten an sich nichts zu tun. Die wurde einfach von der Reichswehr und der preußischen Armee übernommen, als Tradition. Der NS beitrag zur Uniform war das Hoheitszeichen, also Reichsadler mit Hakenkreuz, der dann auch den preußischen Adler des Koppelschlosses ersetzt hat.

waldi44


17.1.03 06:57:03
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Hm, naja das mit dem Volk der Mitläufer will ich sogar gelten lassen, aber was ist mit dem Volk der Kollaborateure, den Franzosen, die sich nicht mal entblödeten, mit "Deutschem Gruss" ins Olympiastadion einzumarschieren? Und Norwegen hatte schliesslich auch seinen Quisling ;)!
Anne Frank wurde von einem Holländer verraten und die Amis;) brachten die Mafia wieder zurück nach Europa :D und schlussendlich drückte der Papst zum Ableben des Führers und Reichskanzlers, der Regierung Dönitz sein Beileid aus!
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