Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Die deutsche Volksgasmaske

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AutorBeitrag

bobo


12.11.02 01:41:18
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Habe einige Fragen zu der deutschen Volksgasmaske DM40.
Der genaue Typ lt.:
RL1-39/87 - Vertrieb gemäß §8 Luftschutzgesetz genehmigt
Meine Fragen dazu:
1. Was ist so was im Orginal-Karton - Zustand 1A - mit Filter - unbenutzt in etwa wert?
2. Für was sind die Einlagen hinter den Gläsern, bei denen man auf die Lagerichtung acht geben muß?
3. Auf der Beschreibung steht:
(schützt gegen sämtliche chemische Kampfstoffe (schützt nicht vor Leuchtgas)
Was ist denn Leuchtgas?
Hoffe, Ihr könnt mir weiter helfen, ohne das ich mich stundenlang im www durchforsten muß.
PS: Die Maske ist nicht zu verkaufen. Bevor Ihr mailen wollt.

Quintus


12.11.02 06:09:03
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Soweit mir bekannt, bekommt man die für'n Apfel und 'n Ei hinterhergeschmissen.
Aber Frag doch mal hier:
Heimdall Fundforenboard
oder schau hier:
Verkauf aus WW1 u. WW2

Hier noch n' Link zur Maske:
Gas Masks For Children

Jörg Wurdack


12.11.02 11:23:50
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Leuchtgas ist ganz normales Stadtgas für Gasherde oder Gaslaternen.
Die Volksgasmaske schützte übrigens auch nicht gegen Rauchgase, Kohlenmonoxid und ähnliches. Auch eine Schutzwirkung gegen Nervenkampfstoffe wie Sarin, Tabun usw. bestand nicht.
Die Haltbarkeit (Standzeit) des Filters gegen Kampfstoffe war übrigens nur minimal und betrug lediglich wenige Minuten (in Klammern die Gebrauchsdauer des Filters der Heeresgasmaske):
- Bei Phosgen (Grünkreuz) - lungenschädigender Kampfstoff: 5 Minuten (31)
- Bei Chlorpikrin - lungenschädigend: 18 Minuten (34)
- Bei Blausäure - blutschädigend: 11 Minuten (27)
- Bei Clark (Blaukreuz) - Nasen-Rachen-Reizstoff: 20 Minuten (20)
- Gegen Lost (Gelbkreuz) - Haut-/Lungenschädigend: 15 Minuten (42)
Bei großer Kälte (unter - 20°C) sank die Haltbarkeit beider Filtertypen gegen Null.
(Quelle: Groehler, Olaf: Der lautlose Tod. Einsatz und Entwicklung deutscher Giftgase von 1914 bis 1945. Reinbek 1989. S. 243 ff. Dort sind auch die zahlreichen Primärquellen genannt.)

Balsi


12.11.02 11:33:23
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interessant...
hat jemand vielleicht auch mal was zum Gas Zyklon B?... Sprich herstellung, Firma und Wirkungsweise.. hatte letztens ein streigespräch.. es meinte jemand des das Gas sich an den Wänden festsetzen würde und somit jeder der dort reinghet auch tage später noch.. dadurch sterben würde. Letztlich war es ein pflanzengift soweit weiss ich...
Wäre mal ganz interessant ein paar Argumente in der Tasche zu haben.

Quintus


14.11.02 04:59:48
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Zykon B
Giftgas auf Blausäurebasis, mit dem allein im Konzentrationslager Auschwitz ab dem Frühjahr 1942 eine Million Menschen ermordet wurden. Das Mittel wurde 1923 von der Firma DEGESCH als Entwesungsmittel in den Verkauf gebracht und wurde seither vor allem in der Armee und in der Marine zur Desinfektion verwendet. Am 3.9.1941 wurden in einer improvisierten Gaskammer in Auschwitz zum ersten Mal Menschen mit diesem Mittel ermordet. Opfer dieser "Probevergasung" waren 600 russische Kriegsgefangene und andere Häftlinge. Zuvor fanden Massentötungen durch Vergasung mittels Kohlenmonoxyd aus Flaschen und Motorenabgasen statt. Der Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolf Höß, beschloss nach den ersten Versuchen durch Zyklon B, ausschließlich das Entlausungsmittel zu Tötungen im Großmaßstab in den Vernichtungslagern zu verwenden, da es sich gegenüber der Vergasung mittels Kohlenmonoxyd als "effektiver" erwies. Der chemische Stoff wurde auch im Rahmen des Euthanasie-Programms zur Tötung von Menschen verwendet, die in der nationalsozialistischen Ideologie als "lebensunwert" eingestuft wurden: Behinderte Menschen jeden Alters und chronisch Kranke.
Hier war mal Zyklon B drinn:



Links zu Zyklon B:
Rudolph Höss - Chef von Auschwitz
http://www.shoa.de/zyklon_b.html
http://www.historyplace.com/worldwar2/holocaust/h-zyklon.htm
http://www.nizkor.org/faqs/auschwitz/auschwitz-faq-06.html
http://www.rrz.uni-hamburg.de/rz3a035/ZyklonB.html
http://www.ess.uwe.ac.uk/WCC/zyklonb.htm
http://www.holocaust-history.org/questions/zyklon.shtml
http://www.nizkor.org/features/qar/qar29.html
http://www.tridentploughshares.org/legaldoc/zyklonb.html
http://www.corax.org/revisionism/misc/ar/zyklonb.html
http://www.eikon.e-technik.tu-muenchen.de/~rwulf/leuchter/leucht5.html
http://holocaust.juden-in-europa.de/holocaustleugner/zyklon.htm
http://www.codoh.com/gcgv/gcdelouse.html
http://alant.org/Zyklon_B_und_Zahngold.pdf
http://www1.jur.uva.nl/junsv/Excerpts/415a005.htm

waldi44


14.11.02 15:23:14
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Holocaust-Leugner behaupten oft, Zyklon B habe nicht zur Vergasung eingesetzt werden können, da es explosiv sei und sich Öfen in der Nähe befunden haben.
Sie übersehen dabei die Tatsache, daß die zur Vergasung nötige Konzentration von Blausäure 200 mal geringer ist als die Konzentration zur Erzeugung eines explosiven Gasgemisches. Obwohl die SS Konzentrationen benutzte, die höher als die tödliche Dosis lagen, war sie weit unterhalb der Schwelle, ab der Explosionen möglich sind.
Als Referenz kann der "Merck Index", das "CRC handbook of Chemistry and Physics" oder jedes Handbuch herangezogen werden, das sich mit der Giftigkeit und Entflammbarkeit von Materialien beschäftigt. Im Fall von Blausäure ist eine Konzentration von 300 ppm für Menschen nach wenigen Minuten tödlich, die für eine Explosion nötige Minimalkonzentration liegt jedoch bei 56.000 ppm.
Frank Deis steuerte folgende Informationen aus dem Merck Index bei, Anmerkungen durch den Herausgeber in [] (Merck, 632, Eintrag 4688).
Cyanwasserstoff, Blausäure: HCN, Molgewicht 27.03 ... Hergestellt in großen Mengen durch katalytische Oxidation von Ammonium-Methan [Referenzen ausgelassen]. Kann ebenso durch katalytische Zersetzung von Formamid hergestellt werden. Herstellung für den Laborbedarf durch Hydrierung von NaCN oder K4[Fe(CN)6]. [Die letzte Formel ist ähnlich, aber nicht identisch mit der von Preussich Blau bzw. Berliner Blau, ebenfalls ein wichtiger Punkt im Leuchter-Report. Preussisch Blau ist das wasserunlösliche Eisensalz des Hexacyanoferrat-Komplexes [Fe(CN)6] mit der Formel Fe4[Fe(CN)6]3. Andere Salze wie das oben genannte Kaliumsalz dieses Komplexes sind wasserlöslich.]
Farbloses Gas oder Flüssigkeit; charakteristischer Geruch, sehr schwach sauer (rötet Lackmus nicht); verbrennt in Luft mit blauer Flamme; sehr giftig, selbst in einem Luftgemisch; Dichte 0,941 [Das Gas ist LEICHTER als Luft.]; Schmelzpunk -13.4, Siedepunkt 25.6; Mischbar mit Wasser, Alkohol; wenig löslich in Äther.
[Zu seiner Verteidigung führte Leuchter an, daß das Gas an den kalten Außenwänden kondensieren würde. In kalten Räumen würde das in einem gewissen Maß passieren, in mit Menschen gefüllten Räumen bleibt das Gas jedoch warm.]
LC50 [Dosis, die 50 % der Versuchstiere tötet, man beachte, daß dies sowohl von der Konzentration als auch von der Dauer der Exposition abhängt.] für Ratten, Mäuse, Hunde: 544 ppm (5 min), 169 ppm (30 min), 300 ppm (15 min). [...]
Giftigkeit für Menschen: Hohe Konzentrationen verursachen Tachypnoe [Schnellatmigkeit, erhöhte Atemfrequenz], dann Schweratmigkeit, Paralyse, Ohnmacht, Zuckungen und Atemstillstand. Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit und Erbrechen können Folge schwacher Konzentrationen sein. Chronische Exposition über lange Zeiträume kann Müdigkeit und Schwäche verursachen. Konzentrationen von 150 ppm über 1/2 bis 1 Stunde sind lebensgefährlich. 300 ppm über mehrere Minuten sind tödlich. Die mittlere tödliche Dosis liegt bei 50 bis 60 mg. Gegenmittel: Natriumnitrit und Natriumthiosulfat.
Gebrauch: Das komprimierte Gas wird zur Schädlingsbekämpfung gegen Nagetiere und Insekten eingesetzt. = Muß von im Umgang mit Blausäure geschulten Experten eingesetzt werden. =
<[Ende des Zitats]> (Merck, 632)
Cyanid ist ein kleines Molekül. Im wesentlichen beruht seine Giftigkeit darauf, daß es sich an Stelle von Sauerstoff (O2) in den Mitochondrien bzw. mit Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) verbindet. Wenn Cyanid sich am Cytochrom- Komplex a/a3 am Ende der mitochondriellen Atmungskette anlagert, blockiert es die Nutzung des eingeatmeten Sauerstoffs. Er steht als Elektronen-Akzeptor nicht mehr zur Verfügung, und die Produktion von ATP durch die üblichen Prozesse ist blockiert. Der Körper reagiert auf den vermeintlichen Sauerstoffmangel mit einer Erhöhung der Atemfrequnz, was die Aufnahme von Blausäure weiter erhöht. Schließlich sterben die Zellen an Sauerstoff- und ATP-Mangel.
Generell sind die die Chemie betreffenden Aussagen Paul Grubachs bei seiner Verteidigung des Leuchter-Reports zutreffend. (JHR, V12, #4) Die Voraussetzungen sind jedoch fraglich und in Teilen falsch. Ja, hohe Konzentrationen von Blausäure würden an kalten, nassen, von Eisen-Ionen durchsetzten Mauern zur Bildung von Preussisch Blau führen. Aber waren die Wände tatsächlich kalt und naß ? War die Luft kalt genug, um eine Kondensation von HCN zu ermöglichen ? Gab es "hohe Konzentrationen" angesichts der zur Tötung von Menschen, im Vergleich zur Entlausung erforderlichen, relativ niedrigen Konzentrationen ?
Ich hoffe, diese Informationen sind nützlich. Ich lehre Biochemie an der Rutgers Universität und daher habe ich meine Kenntnis über die Giftigkeit von Blausäure. Der Merck-Index ist ein Standardwerk, das in den meisten Bibliotheken zu finden sein dürfte. Frank Deis (DEIS@PISCES.RUTGERS.EDU)
Anmerkung des Übersetzers: In Deutschland ist Römpps Chemie-Lexikon weiter verbreitet als der Merck-Index. "Der Römpp" dürfte in jeder besser sortierten Stadtbibliothek zu finden sein. Die im Merck-Zitat fehlende Angabe über die für eine explosives Gas-Luftgemisch beantwortet Römpp so: "[Blausäure] bildet mit Luft in den Grenzen von 6-40% explosive Gemische." (8. Auflage, 1979, S. 460)

waldi44


14.11.02 15:25:14
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Zyklon B ohne Warnstoff
Die nationalsozialistische "Schädlingsbekämpfung"
zykl-th (2K)
Zyklon B

Aus zahlreichen Dokumenten geht hervor, dass Zyklon B in die Vernichtungslager der Nazis geliefert worden ist. Da die Lieferungen nicht wegzudiskutieren sind, werden sie von den "Revisionisten" kurzerhand umgedeutet.
Die Auschwitzleugner machen sich den Umstand zunutze, dass ein Teil der Lieferungen zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wurde, und behaupten, das Zyklon B wäre ausschließlich zu diesem Zweck benutzt worden.
Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Beweisen, die dieser Deutung widersprechen. Einer dieser Beweise ist die hier reproduzierte Rechnung der Firma Degesch, die das Zyklon B hergestellt hat.
Zyklon B ohne Warnstoff
Hinweis auf der Rechnung:
Die Etiketten tragen den Vermerk:
* Vorsicht, ohne Warnstoff ! *
nach: Das Dritte Reich und die Juden
Normalerweise wurde dem Gift ein stark riechender Warnstoff zugesetzt, der dafür sorgen sollte, dass die zur Schädlingsbekämpfung eingesetzten Arbeiter nicht gefährdet wurden. Wie aus dieser Rechnung hervorgeht, wurde Zyklon B jedoch auch ohne den Warnstoff ausgeliefert. Unten auf dem Faksimile der Rechnung kann man den Hinweis erkennen, dass die Etiketten mit dem Vermerk "Vorsicht, ohne Warnstoff" bedruckt worden sind.
Sinnvoll wird diese eigenartige Bestellung nur, wenn man weiß, dass das ohne Warnstoff gelieferte Zyklon B der Vernichtung von Menschen dienen sollte, die so lange wie möglich über ihr Schicksal im Unklaren gelassen werden sollten.

Zyklon B als Vernichtungswerkzeug
Zyklon B.
Zyklon B
Wasserstoffzyanid HCN, Blausäure, ist eine chemische Verbindung in Form einer stark giftigen, flüchtigen, farblosen Flüssigkeit mit dem Geruch bitterer Mandeln. Blausäure wird zu den Kampfmitteln gerechnet, ihre Wirkung beruht auf der Hemmung der Zellatmung infolge Neutralisierung der Atmungsenzyme. Blausäure dringt durch die Schleimhäute und die Haut, hauptsächlich jedoch durch die Lunge, ins Blut, blockiert die Freisetzung von Sauerstoff aus den roten Blutkörperchen, mit dem Ergebnis einer Art innerer Erstickung. Dazu kommen Lähmungserscheinungen des Atemsystems in Verbindung mit Angstgefühlen, Schwindel und Erbrechen.
Zyklon B wurde in Deutschland vor und während des Zweiten Weltkriegs zur Desinfektion und zur Ungezieferbekämpfung, u. a. auf Schiffen, in Unterkünften und in Maschinen benutzt. Auch im Lager Auschwitz wurde Zyklon B bis zum Sommer 1941 ausschließlich zum Zweck der Desinfektion verwendet. Ab der Monatswende August / September 1941 wurde Zyklon im Lager zuerst versuchsweise und dann routinemäßig als Massenvernichtungsmittel eingesetzt. Es war ein Kieselgranulat mit Körnern in der Größe kleiner Bohnen, getränkt mit Blausäure. Angesichts seiner Flüchtigkeit und der damit verbundenen Gefahr einer versehentlichen Vergiftung wurde das Zyklon in versiegelten Metallbehältern ins Lager geliefert.
Das in Auschwitz eingesetzte Zyklon stellte die Firma Degsch (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung GmbH) mit Sitz in Frankfurt/Main her, die Teil des Konzerns IG Farbenindustrie AG war.
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