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Halbkettenfahrzeuge

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AutorBeitrag

waldi44


27.2.03 21:57:40
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Also Männer, nun klärt mich doch mal darüber auf, wozu Halbkettenfahrzeuge eigentlich gut waren, oder anders gefragt; Warum nicht gleich Radfahrzeug oder Kettenfahrzeug?
Ausserdem würde mich mal interessieren, wie so ein Teil gesteuert wurde!?

sniper 74


28.2.03 14:53:57
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Hi,
ich will mal einen Ansatz bringen...
Als Beispiele:
Schützenpanzer
Lastkraftwagen
Zugmaschine
Gesteuert wurden die alle denk ich mal recht schwer, da sie keinen Vorderradantrieb hatten.
Halbketten wohl deswegen, weil die mehr Gewicht tragen konnten, geländegängiger waren als LKW und vielleicht auch weil zu wenig Gummi da war???
Die SPW 250 und 251 sind ja geradezu legendär! Rommels GREIF war ja ein 250er.
Und der 251 war ja das Chameleon schlechthin. Mit diversen Bewaffnungen, Kanonen, Werfen, Raketen, MG oder schlicht als Transporter konnte er auch mit Volldampf durchs Gelände.
Warum nicht gleich als Vollkettengerät?
Vielleicht lag das an der bescheidenen deutsche Technik. Nur die Deutschen bauten ihre Panzer so, daß sie BREMSEN mussten um zu lenken (deswegen konnten die kaum auf der Stelle drehen). Ich schätze das war zu teuer, die Unterstützungsfahrzeuge mit so vielen Verschleißteilen auszustatten.

waldi44


28.2.03 21:11:08
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Sind Halbkettenfahrzeuge vielleicht die Antwort auf die schlechten Wegverhältnisse im Osten? Warum aber dieses Zwitterhafte und wie wurden sie gesteuert??

Leutnant


28.2.03 21:15:35
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Hi Waldi,
ich könnte mir vorstellen, dass es ein Kompromiss aus Geländegängigkeit des Panzers und der Beweglichkeit/Wendigkeit des normalen Kfz. ist, da ja die Lenkung auf die Räder und nicht die Ketten griff.

waldi44


28.2.03 21:31:59
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DAS ist ja die Frage! Wenn die Ketten angetrieben werden und der Fahrer die Vorderräder einschlägt, müsste das Fahrzeug eigentlich geradeaus weiter fahren!
Ich denke auch, dass dieser Fahrzeugtyp ein Zugeständniss an die schlechten Wegverhältnisse im Osten waren!

Balsi


28.2.03 21:50:17
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also solche Halbkettenfahrzeuge wie zum Bsp. 250/1, 251/6 gab es schon zum Frankreichfeödzug... im Russlandfeldzug haben sie sich anscheinend derart gut bewährt das sie dann derart stark verwendet wurden... siehe RSO und Maultier..

Leutnant


28.2.03 21:50:52
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Grübel...Grübel...ich glaub ich weiß was du meinst, aber meinste nicht dat funktioniert wie beim Fahrrad.(OK Physik war nie meine Stärke!)

waldi44


28.2.03 21:58:14
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Eben, den Panzer steuert man durch anhalten einer Kette! Wenn aber der Antrieb über die Antriebsräder der Ketten erfolgte und der Fahrer lenkte vorne, war das den geradeaus laufenden Ketten doch egal ;)!

Balsi


28.2.03 22:01:18
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vielleicht wurde beim Lenken nur eine Kette angetrieben?

waldi44


28.2.03 22:03:20
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Gepostet von Balsi
vielleicht wurde beim Lenken nur eine Kette angetrieben?

Ups, könnte sein, dass mit dem Einschlagen der Vorderräder, auch die Kette mit reagierte! Aber, dann erst recht die Frage: Wozu Halbkettenfahrzeuge?

Balsi


28.2.03 22:10:04
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vielleicht machte beides als Symbiose genau das zwischending zwsischen normale Bodenbeschaffenheit und Schlamm oder Schnee aus...ketten müssen ja etwas mit Bodengriffigkeit zu tun haben... sonst brauch man sie ja nicht... nur Radfahrzeug war wohl zu abhängig von der Strasse...

waldi44


28.2.03 22:17:11
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Jaaa doch :D, aber wozu überhaupt das Rad da vorne ;)?

sniper 74


28.2.03 22:27:21
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Gesteuert wurde über die Vorderachse.
Das das nciht immer einfach war ist logisch. Stell dir mal vor DU würdest mit Sommerreifen, Hinterradantrieb mit 100 Sachen auf ner Eisfläche ne Haarnadelkurve meistern wollen und dabei nicht dein Bier verschütten.
Das die Dinger für den Osteinsatz entwickelt wurden ist Unfug. Alleine deshalb weil die an allen Fronten waren und nicht nur von den Deutschen.
Schau dir mal den M4A1 der Amis an! Die Italiener und die Briten hatten auch so Teile.
Fürs Gelände sind die klasse! Wenig PS und dann gepanzert.
Auch die Zugkraftwagen sind lange vor dem Krieg gebaut worden.

sniper 74


28.2.03 22:32:48
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Natürlich reagiert das Fahrzeug so wie es sich gehört, wenn man mit den Rädern lenken will!
Die Kraft kommt zwar von hinten, aber der Motor und damit auch wohl das meiste Gewicht lag vorne. Recht große Reifen und eine breite Spur, da kannste dich drauf verlassen das das ging.
Da sogar ein rollendes Fahrzeug immer den Weg des geringsten Widerstandes geht.

Indy


28.2.03 23:21:47
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Ab 5°Lenkradeinschlag wird eine Kettenseite abgebremst...zumindest beim KettenKrad, denke bei den ZgKw wars ähnlich...die ersten entwürfe vom Demag gabs aber schon 1928!

Gruß Phillip

Axel43


1.3.03 17:27:12
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Der Pfiff beim Halbkettenfahrzeug ist wohl der, daß man die Hinterachse/achsen viel stärker belasten kann, als mit Reifen. Die Anlagefläche ist sehr viel größer, daher auch die Belastbarkeit, Bodendruck, ehe man in Sumpf, Schnee, etc einsinkt.
Steuerung mit Rädern vorne dürfte kein Problem sein und ist technisch viel einfacher, bilde ich mir ein, als Steuerung eines Vollkettenfahrzeuges. Vgl einen Schlitten, mit Steuerung der Vorderkufen.

Math21


23.2.04 12:39:51
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Mit den Vorderrädern konnte zwar gelenkt werden, wurden aber nicht gebremst. Die Lenkung erfolgte wie bei einem
Räderfahrzeug über ein normales Lenkrad und das übliche
Lenkgetriebe. wurde jedoch das Lenkrad mehr als etwa zwei
Drittel des vollen Ausschlages gedreht, so betätigte ein vom Lenkgetriebe der Voderachse zum Lenkgetriebe des Ketten-Laufwerks reichendes Gestänge eine Bremse mit dem Zweck,
die Kurvenfahrt zu unterstützen. das mit der Notwendigkeit von Halbkettenfahrzuegen, ist meiner Meinug nach volgendes.
Das Räderfahrzeuge nicht genügend geländegänging sind und Volkettenfahrzeuge damals noch díe Ausnahme waren.

FritzR


23.2.04 15:38:36
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gepostet von Waldi44:
Wenn aber der Antrieb über die Antriebsräder der Ketten erfolgte und der Fahrer lenkte vorne, war das den geradeaus laufenden Ketten doch egal

Na, so egal wie den Hinterrädern vom Auto würde ich sagen. Die Kraftübertragung ging auch hier über ein Differentialgetriebe. Ein wenig anders aber schon, so daß ab einem bestimmten Wendekreis "mitgeholfen" wurde.

Nur die Deutschen bauten ihre Panzer so, daß sie BREMSEN mussten um zu lenken (deswegen konnten die kaum auf der Stelle drehen).

Mal vom PzI und Pz II abgesehen (kenne ich nicht gut genug), hatten alle deutschen Panzer ein Lenkgetriebe. Z.B. ein Kupplungslenkgetriebe (z.B. Pz IV) bei dem der Antrieb zur Kette auf der Kurveninnenseite ausgekuppelt wurde, oder wie beim Panther und Tiger Überlagerungslenkgetriebe mit feststehenden Kurvenradien, abhängig von der Geschwindigkeit. Das waren komplizierte Teile mit einigen Planetenradsätzen und teilweise hydraulischer Ansteuerung.
Da war ein Halbkettenfahrzeug mit Lenkrad und Lenkachse und zusätzlicher Abbremsung einfacher herzustellen.
Zusätzlich hatten alle deutschen Panzer eine Lenkbremse, die in der Regel auch als Betriebsbremse genutzt wurde.
Drehen auf der Stelle war dann auch kein Problem mehr. (Worüber die amerikanischen Panzerfahrer übrigens oft gestaunt haben sollen)
Ein Beispiel für einen Panzer, der ausschließlich mit Lenkbremsen gesteuert wurde, ist der T34.
Also Halbkettenfahrzeuge aus meiner Sicht deshalb:
- bessere Geländegängigkeit als LKW
- trotzdem können viele Serienteile von LKW benutzt werden
(Herstellungskosten, Entwicklung usw.)

Gast


23.2.04 16:47:22
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Mein Onkel war Anno ´57 bei einer Flak-Einheit in Achim (bei Bremen). Die hatten da noch die amerikanischen M16-Halbkettenfahrzeuge mit 12,7mm -Flakvierling. Damals wurde denen gesagt, dass die US-Halbketten im Gelände sehr viel schlechter waren, als die deustchen. Das kam auch von der Lenkung (die US-M3-Serie lenkte nur über die Vorderachse, wobei die extra angetrieben war). Andererseits waren die M3 schneller auf der Straße und leichter als die deutschen Fahrzeuge. Die Amis hatten übrigens auch fast 25 Versionen auf den Halbketten gebaut, inkl. Pak, Raketen, Granatwerfer.
Damals war die Nutzung der Halbketten auf beiden Seiten ein guter Kompromiß zwischen Panzerung, Geschwindigkeit, Geländegängigkeit und natürlich den Kosten.

Panzermayer


23.2.04 17:22:48
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Das mit der Steuerung beim Zgkw wurde schon richtig gesagt:
Ab 2/3-Lenkradeinschlag wurde per Kettenbremse der an der kurveninneren Kette eine Kurvenfahrt erleichtert. Ansonsten wie beim LKW.
Der ZWECK ?
Halbkettenfahrzeuge wurden ab 1934 als Zugkraftwagen entwickelt, diese Bez. blieb ja bis Kriegsende bestehen. Die Zugkraft war immens größer als bei einem Räderfahrzeug, auch hierfür wurden die Gründe wie Bodendruck schon genannt. Die Lastkraft hingegen war entsprechend klein, bei den "Großen" nur 2,8 t (im Vergl: übliche LKW damals 4-6t).
Ausnahme war hier das "Maultier" (ab 42 an der Front). Hier hatte man im Speziellen einen geländegängigen LastenTRÄGER entwickelt, eben aus den gemachten Erfahrungen mit den Zgkws. Das Mercedes-Benz-Maultier konnte immerhin 4,5 t zuladen...
Auch der schwere Wehrmachtsschlepper hatte eine deutlich gesteigerte Nutzlast: 8 t, die Zugkraft lag immerhin noch bei 4 t.
Gruß
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