Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Unternehmen "Kama"

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AutorBeitrag

Westwall


24.4.05 12:39:01
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Mitte der zwanziger Jahre konnte die Reichswehr in geheimen Zusammenwirken mit der Roten Armee die erste deutsche Kampfwagenschule im russischen Kasan unter dem Decknahmen „Kama“ errichten.
Es wurden nicht nur die ersten deutschen Kampfwagen-Prototypen dort erprobt, sondern auch noch der künftige Panzerführerstamm der späteren Wehrmacht ausgebildet.
Dabei stellte die Sowjetunion zunächst neben dem Übungsgelände auch noch die Hilfskräfte und das Lehrgangspersonal, sowie anfangs noch das erste Panzergerät.

Warum, was hatte Stalin für ein Interesse daran Deutschland militärisch wieder auf die Beine zu helfen?
Ich weiss dass es einige Gegenleistungen in wirtschaftlicher Form der jeweiligen Reichsregierungen gab, was aber für Russland nicht der einzigste Grund gewesen sein muss, gerade weil Deutschland in der Zeit der Weltwirtschaftskrise kaum zu nennenswerten Leistungen dazu in der Lage war.
Auch die Teilnahme russischer Offiziere an Übungen und Lehrgängen der deutschen Reichswehr konnte diese außerordentlich entgegenkommende Geste kaum begleichen.
Auf jeden Fall wäre laut Aussage von General Nehring eine so schnelle Aufstellung der ersten Lehr- und Panzereinheiten im III. Reich ohne diese Zusammenarbeit mit Russland kaum möglich gewesen.
Nicht genug nur das Stalin seine eigene Militärelite in diesen Jahren liquidieren lies, sondern züchtete sich bewusst somit noch einen westlichen Konkurrenten heran.
Erst im Herbst 1933 machte Hitler dieser Zusammenarbeit ein Ende und der letzte deutsche Kommandeur in Kasan Major Josef Harpe ( der spätere Generaloberst ) kehrte nach Deutschland zurück um noch im gleichen Jahr das Kraftfahrlehrkommando Zossen, die Wiege der neuen Panzertruppe aufzustellen?

Balsi


24.4.05 12:46:35
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das begann ja mit Rapallo (1922).. beide Staaten waren mehr oder weniger isoliert (Dtl. Versailles-Russland Revolution).. Deutschland durfte niht rüsten und Russland konnte wohl noch nicht. Dtl. hatte ja moderne Technik zu bieten.. Was mich nur wundert ist, das die hohen panzeroffiziere der Wehrmacht ja alle irgendwie mal in Ksan die hätten doch eigentlich das Problem dünne Panzerketten-russischer Schlamm kennen müssen

waldi44


24.4.05 12:50:58
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Vielleicht sah Stalin sich(die Sowjetunion)in der gleichen Lage wie Deutschland und hoffte daher auf eine "Zusammenarbeit" über die Zusammenrabeit hinaus.
Beide Staaten waren von der Weltgemeinschaft geächtet bzw wurden geschnitten. Was lag da näher, dass sich ausgerechnet diese beiden Staaten näher kamen und profitieren taten sie auch voneinander.
Ob Stalin oder Hitler an Später dachten ist diesbezüglich wohl nicht überliefert. Wozu der eine das Know How des anderen und dieser die Rohstoffe und das Übungsgelände jenes brauchte, war wohl im Moment zweitrangig.
Auch andere Staaten, Holland zB (wurde im 1.WK von Deutschland nicht angegriffen), arbeiteten mit der deutschen Rüstungslobby mehr oder weniger geheim zusammen.

Westwall


24.4.05 13:02:24
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Geächtet waren beide, nur Deutschland hatte damals noch eine demokratische Regierung und die versuchte sich doch eher auf dem politischen Paket dem Westen zu nähern als dem Osten.
Alleine diese Tatsache musste doch dem von natur aus misstrauischen Stalin Einhalt geboten haben?

waldi44


24.4.05 13:36:11
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Ich glaub, das ging an der "Weimarer Regierung" vorbei und lief unter der Regie der Reichswehr. Diese hatte sich ja bekanntlich zum "Staat im Staate" entwickelt und sich in vielem der "Demokratischen Regierung" entzogen.

Balsi


24.4.05 13:42:48
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naja.. aber Rapallo wurde doch von der Regierung beschlossen.. Seeckt als Reichswehr-Chef wird da sicher sein Pünktchen gemacht haben.. aber dann doch mit Wissen der Regierung.

waldi44


24.4.05 14:05:41
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In Rapallo wurden die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen und man verzichtete auf gegenseitige Reparationen.
Es gab eine stille Duldung der Regierung zu der militärischen Zusammenarbeit mit der Sowjetunion. Als im Dezember 1926 der ehemalige sozialdemokratische Regierungschef Philipp Scheidemann in einer Reichstagsrede schonungslos den Umfang der geheimen deutsch-sowjetischen Rüstungskooperation offenlegte, führte dies zum Sturz des Kabinetts unter Reichskanzler Wilhelm Marx vom Zentrum.

So hoch offiziell war die Zusammenarbeit also doch nicht!

steffen04


29.4.05 12:35:52
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Balsi hat es schon gesagt: es war ein reines Zweckbündnis, politische Skrupel, die sicher bestanden (auch von seiten der noch monarchistischen Reichswehr), wurden zur Seite geschoben. In neuerer Zeit haben Israel und das rassistische Südafrika militärisch und nachrichtendienstlich sehr gut zusammengearbeitet, trotz ideologischer Gegensätze, aber aufgrund ähnlicher realer Probleme.

Ausserdem verfolgte Stalin keine aggressive Außenpolitik - Kommunismus in einem Land, statt Weltrevolution. Es gab also auch keine Sicherheitsbedenken.

[ Editiert von steffen04 am 29.04.05 12:38 ]

waldi44


29.4.05 12:42:54
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Isreal selbst ist doch wohl nicht minder rassistisch als Südafrika. Da würde ich eher sagen: Gleich und Gleich gesellt sich gern!
DAS kann man so auch zum Vertrag von Rapallo und der dann folgenden Zusammenarbeit sagen!

steffen04


29.4.05 13:10:08
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Gepostet von waldi44
Isreal selbst ist doch wohl nicht minder rassistisch als Südafrika. Da würde ich eher sagen: Gleich und Gleich gesellt sich gern!


Kein Widerspruch. In ihrem Eigenempfinden sahen sich die beiden aber nie als natürliche Verbündete.

bani


5.6.05 18:14:20
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Gepostet von Westwall
... Warum, was hatte Stalin für ein Interesse daran Deutschland militärisch wieder auf die Beine zu helfen?
Ich weiss dass es einige Gegenleistungen in wirtschaftlicher Form der jeweiligen Reichsregierungen gab, was aber für Russland nicht der einzigste Grund gewesen sein muss, gerade weil Deutschland in der Zeit der Weltwirtschaftskrise kaum zu nennenswerten Leistungen dazu in der Lage war. ...



Nun, es gab nicht nur wirtschaftliche Gegenleistungen - auch militärische.
Die Sowjets erhielten von fast jedem neu entwickelten deutschen Militärgerät einige Muster.
Das betraf sogar solche Teile wie die Bf 109.

Wenn ich jetzt nur noch wüßte, wo ich das mal gelesen habe, dann könnte ich genauer nachsehen ...

waldi44


5.6.05 23:34:44
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Als die Russen kurz vor dem Krieg mal wieder bei der Wehrmacht zu Besuch waren(Wünstdorf?), wurde ihnen der Pz.III als deutsches Spitzenprodukt in der Panzerentwicklung vorgeführt!
Die Entteuschung war gross, hatte man doch schon den T-34 in der "Mache"....
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