Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

"Politkommissare" innerhalb der Wehrmacht

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AutorBeitrag

Parabellum


14.12.05 16:12:17
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Gab es innerhalb der Wehrmacht "Politkommissare", die die Soldaten weltanschaulich unterrichteten, oder gab es diesen Posten nur innerhalb der Roten Armee ?

Niwre


14.12.05 16:22:10
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Nationalsozialist. Fuehrungsoffiziere (NSFO) gab es.

Parabellum


14.12.05 16:25:07
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Wie kann man sich deren Einsatz vorstellen ?

Gab es da innerhalb der Wehrmacht bestimmte Einheiten, vergleichbar mit Propaganda-Kompanien, die lediglich Einheit für Einheit besuchten, oder wurden diese Offiziere einer Einheit fest unterstellt ?

Niwre


14.12.05 16:59:15
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Ab Sommer '42 gab es in den hoeheren Staeben Offiziere fuer wehrgeistige Fuehrung. Diese sollten:
- bewaehrte Frontoffiziere
- aktivistische Nationalsozialisten
- schwungvolle Persoenlichkeiten
- geeignet ihre Gedanken in Wort und Schrift zu uebertragen
und von der Aufgabe begeistert sein. Der Dienstgrad war nebensaechlich.

Je laenger der Krieg dauerte, umso mehr zweifelte die Fuehrung an der polit. Festigkeit ihrer Soldaten. Als Motivationsschub ;) wurde das System dann ausgebaut. Den "polit.-motivierten Kaempfer" als Ziel, wurde die "wehrgeistige Fuehrung" im November '43 in "Nationalsozialistische Fuehrung" umbenannt, die "(Betreuungs-)Offiziere fuer wehrgeistige Fuehrg." wurden zu NSFOn (oft Reserveoffiziere aus der NSDAP).

Lt. Befehl Hitlers vom 22.12.43 wurde im OKW ein NS Fuehrungsstab gebildet (Chef General d. Inf. Reinecke), der eng mit der Partei zusammenarbeitete (Hauptbereichsleiter Willy Ruder).

Am 6.2.44 erliess das OKW dann den Durchfuehrungsbefehl: "Traeger der NS-Fuehrung in der Wehrmacht bleibt der Truppenfuehrer. Er traegt die alleinige Verantwortung fuer die polit.-weltanschauliche Fuehrung und Erziehung der Truppe. Zur Durchfuehrung dieser Aufgaben sind den Befehlshabern und Truppenkommandeuren die "NS Fuehrungsoffiziere"[NSFO] als Sachbearbeiter unterstellt."

Vlt. ganz interessant:
29.7.44 Befehl von Heinz Guderian:

Jeder Generalstabsoffizier muss ein NSFO sein, dh. er muss sich durch vorbildliche Haltung in polit. Fragen, durch taetige Unterweisung und Belehrung jueng. Kameraden im Sinne des Fuehrers auf polit. Gebiet ebenso als Angehoeriger der 'Auslese der Besten' zeigen und bewaehren, wie auf dem gebiet der Taktik und Strategie.

(Gibt aehnliche Aussaege Schörners.)

08.44: Mitgliedschaft in der NSDAP von Wehrmachtsangeh. wird erlaubt (vorher schieden sie waehrend des Wehrdienstes aus der Partei aus)

Ende 1944:
- 1074 hauptamtliche NSFO
- 47.000 nebenamtliche NSFO
davon im Heer:
- 623 haupt-
- 43.000 nebenamtliche
Luftwaffe:
- 3452
Kriegsmarine:
- 900 nebenamtl.

13.3.45: lt. Befehl sollten die NSFO mehr Befugnisse bekommen (Meldungen nicht ueber den Dienstweg...), also "Spitzeldienste" - der Befehl wurde aber nicht mehr unterschrieben

10.5.45 NS-Fuehrungsstab wird aufgeloest

Zur Arbeit:
Das Uebliche eben. Mit den Soldaten sprechen, Vortraege halten, Parteipamphlete verlesen, evtl. Texte fuers Divisionsblatt verfassen...
Wie genau die das jeweils nahmen, steht auf einem anderen Blatt.

Aus dem Heft Nr. 9: "Vergraben an der Danziger Bucht" vom MilHistMuseum Dresden.
(- in der 7. InfDiv waren es zB. die Olt. Güllich und Briesemann)

Parabellum


14.12.05 17:18:21
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Vielen vielen Dank. Hast mir sehr geholfen :)

Eine Frage habe ich aber noch :

Mussten sich Kommandeure von Einheiten der Roten Armee bei Politkommissaren seine Befehle genehmigen lassen ?

[ Editiert von Parabellum am 14.12.05 17:22 ]

waldi44


14.12.05 21:28:05
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Soweit ich weiss, fand das im gegenseitigen Disput statt, bei dem der Kommissar die Trumpfkarten in der Hand hatte!
Soll heissen, die Meinung des Politnik überwog!
Wenn an einem bestimmten Jahrestag eine bestimmte Höhe genommen werden sollte, um in irgendeinem Siegesbericht zu erscheinen, musste sie zum genannten Trmin genommen werden, selbst wenn es sie zwei Tage später "umsonst" gegeben hätte!
Wie aber IMMER und auf ALLEN Seiten kam es immer auf die Menschen an!

Gardes du Corps


15.12.05 11:28:59
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Gepostet von Parabellum
Mussten sich Kommandeure von Einheiten der Roten Armee bei Politkommissaren seine Befehle genehmigen lassen ?

Ab 1943 nicht mehr. Was nicht heißen soll, dass der Kommissar - der meistgehasste und gefürchtete Mensch in der Roten Armee - ohne Einfluss gewesen wäre.

Gardes du Corps


15.12.05 11:57:42
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Gepostet von waldi44
Wie aber IMMER und auf ALLEN Seiten kam es immer auf die Menschen an!

Zweifellos!
Aber diese waren gerade bei den Kommisaren sehr weit gestreut! Nun weiss man aber auch, dass sich die Kommisare der Roten Armee aus Proletarier- und Bauernfamilien rekrutierten und aus Waisenhäusern. Perverserweise waren ein Großteil dieser Leute Söhne von Hingerichteten der Säuberungswellen. Gerade diesen wurde eingetrichtert: Unbedingte Treue zur kommunistischen Ideologie, den Lehren von Lenin und Stalin.
Die Masse waren absolute Fanatiker.
Es läuft ein Film in den Kinos, der eine gemeinsame Weihnachtsfeier an der Westfront 1915 schildert.
So etwas gab es nicht mit der Roten Armee und hätte es auch nie gegeben, auf Grund der kulturellen Unterschiede.
Abgesehen davon, dass unter den Kommunisten Weihnachten verpöhnt war, ist es in Russland wegen der Kalenderverschiebung erst am 6. Januar.
Auch viele andere Verhaltensweisen sind im barbarischen Aberglauben vermischt mit menschenverachtender bolschewistischer Ideologie begründet.
So nimmt sich der Sieger die Frau des Feindes, schläft in seinem Bett und nimmt seine "Höle" in Beschlag.
Deswegen gab es diese Massenvergewaltigungen, deshalb schliefen die "Sieger" in den deutschen Betten, und deshalb schissen sie in die Stuben, bevor sie gingen.
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