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Heereshundeschule

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AutorBeitrag

STP


3.7.02 17:08:11
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Hi,
kann mir jemand folgende Fragen beantworten:
1.) Gab es innerhalb der Deutschen Wehrmacht eine "Heereshundeschule" o.ä., wo Hundeführer ausgebildet wurden (Minenhunde, Schutzhunde, Suchhunde Kampfmittel-spürhunde, Personenspürhunde, etc.)?
2.) Wenn ja, wie viele gab es und wo waren deren Standorte ?
3.) Sind Angehörige der Marine und der Luftwaffe ebenfalls bei einer "Heereshundeschule" ausgebildet worden ?
4.) Welcher Dienststelle unterstand eine solche Schule ?
5.) Gab es während des Krieges für eine solche Schule eine Feldpostnummer ?
Bei der Bundeswehr gibt es eine Schule für das Diensthundewesen (in Ulmen, Rheinl. Pfalz), in der nicht nur Soldaten und deren Hundea usgebildet werden, sondern dort können verschiedene Szenarien durchexerziert werden.
6.) Gab es so etwas auch schon zwischen 1935 - 1945 bei der Deutschen Wehrmacht ?
Ich bedanke mich schon jetzt für die Antworten
MfG
STP

Jörg Wurdack


3.7.02 20:13:34
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Die Wehrmacht hatte eine "Heeresschule für Hunde- und Brieftaubendienst" in Sperenberg südlich von Berlin.
Die Schule unterstand dem Allgemeinen Heeresamt im Oberkommando der Wehrmacht, dort war die Inspektion 7, die Inspektion der Nachrichtentruppe, zuständig, weil die Hunde ursprünglich vor allem als Meldehunde eingesetzt waren, eine Verwendung, die im zweiten Weltkrieg völlig in den Hintergrund trat.
Eine Zweigstelle dieser Schule war in Biesenthal (nordostwärts von Berlin, Richtung Eberswalde) eingerichtet, während des Krieges wurden bei den Wehrkreiskommandos Hundeersatzstaffeln als weitere Ausbildungsstätten errichtet, z.B.:
- Wehrkreis VII (Südbayern): Hunde-Ers.Stff 17 München
- Wehrkreis VIII (Schlesien): Hunde-Ers.Stff 8 Breslau
- Wehrkreis IX (Hessen): Hunde-Ers.Stff 9 Hofgeismar
- Wehrkreis X (Schleswig-Holstein): Nebel-Lehr- und Ersatz-Abt. für Gasspürhunde in Munster-Lager (Raubkammer)
- Wehrkreis XI (Niedersachsen, Teile Sachsen-Anhalt): Hunde-Ers.Stff 82 Magdeburg
- Wehrkreis XIII (Nordbayern) Hunde-Ers.Stff 10 Schwabach
Die Standorte der Hunde-Ersatzstaffeln der fehlenden Wehrkreise habe ich leider nicht.
Außerdem hatten die Heeresgruppen, teils auch die Armeen eigene "Feldhundeschulen".
SS und Luftwaffe haben zeitweise eigene Hundeschulen betrieben, dafür habe ich aber keine näheren Angaben. Die als Hundeführer eingesetzten Marineangehörigen wurden beim Heer ausgebildet.
Ausgebildet wurden Meldehunde, Sanitätshunde und Gasspürhunde, weiterhin Sicherungshunde, die je nach Ausbildung als Wachhunde, Schutzhunde oder Fährtensuchhunde verwendet wurden.
Sicherungshunde wurden nach Möglichkeit immer gemeinsam mit ihrem vorgesehenen Führer ausgebildet, die Ausbildung zum Sicherungshund fand größtenteils in den Hundeersatzstaffeln und Feldhundeschulen statt, während die Sanitätshunde usw. vor allem an der Hundeschule ausgebildet wurden. Die Gasspürhunde kamen fast ausschließlich aus der Hundeersatz-Abteilung in Munster.
Über spezielle Kampfstoffspürhunde habe ich noch nichts gefunden, dagegen wurden im Polargebiet (Finnland/Norwegen) und teils auch am Nordabschnitt der Ostfront Schlittenhunde verwendet, die allerdings meist aus landeseigenen Beständen stammen.
Feldpostnummern dürften die Hundeschulen als Dienststellen des Ersatzheeres normalerweise nicht gehabt haben, wohl aber die Feldhundeschulen der Heeresgruppen.
Quelle:
Zieger, Wilhelm: Das deutsche Heeresveterinärwesen im Zweiten Weltkrieg. Freiburg 1973, S. 471 - 475
P.S.:
Die "Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr" war übrigens lange Jahre in Koblenz, in der St. Sebastianer Straße.
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