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Wehrmachtstandortältester

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AutorBeitrag

STP


19.7.02 16:25:41
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Hallo,
kann mir jemand mitteilen, was
a) ein Wehrmachtstandortältester (WStÄ)ist ?
b) seine Aufgaben waren ?
c) befand er sich in einer Kaserne oder in einem öffentlichen Verwaltungsamt ?
d) welcher Truppengattung gehörte ein WStÄ an ?
e) welchen territorialen Bereich umfaßte ein WStÄ ?
Danke im voraus
MfG STP

Jörg Wurdack


19.7.02 20:04:29
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Der Wehrmachtsstandortälteste hatte die Aufgaben wahrzunehmen, die mehr als eine Einheit oder eine Kaserne in einem gemeinsamen Standort betrafen, z.B.
- Regelung des Wachdienstes für gemeinsam benutzte Anlagen (Munlager, Depots)
- Verteilung der Nutzungszeiten von Standortanlagen (z.B. Standort-Übungsplatz, Schießanlage, Sportanlagen, Gasübungsraum)
- Luft- und Brandschutz, Katastrophenhilfe
- Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden
- Überwachung von Ordnung und Disziplin außerhalb der Kasernen, ggf. durch Einsatz von Truppenstreifen.
- Fürsorge und Betreuung für Soldaten, im Kriege auch Aufgaben der Weiterleitung und Kontrolle von einzelreisenden Soldaten oder Versprengten.
Zum Standortältesten wurde meistens einer der Kommandeure der dort liegenden Einheiten bestimmt, ihm konnte ein Offizier oder ein Feldwebel als Hilfskraft zugeordnet werden. Nur in einigen sehr großen Standorten gab es zeitweise eine eigenständige „Wehrmachtsstandortkommandantur“ oder „Wehrmachtskommandantur“, z.B. in München von 1942 – 1945.
Wie schon der Namensteil „Wehrmacht“ andeutet, nahm der Standortälteste diese Aufgaben für alle drei Wehrmachtsteile wahr, d.h. ein Standortältester des Heeres konnte in seinem Aufgabenbereich auch einem Luftwaffentruppenteil Befehle erteilen. Waren Truppenteile der Waffen-SS anwesend, so wurde die Zusammenarbeit meistens durch besondere Befehe geregelt.
Der Wehrmachtsstandortälteste gehörte zu den territorialen Dienststellen und unterstand den Wehrkreiskommandos, zeitweise wurden auch die Wehrbezirkskommandos dazwischengeschaltet.
Die Dienststelle befand sich normalerweise in der Kaserne, konnte aber auch z.B. mit dem Wehrmeldeamt in einem gemeinsam genutzten Gebäude in der Stadt selbst sein.
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